Lufthansa-Aktie: Bernstein hält Kurs trotz easyJet-Übernahmepoker
Während easyJet einem milliardenschweren Übernahmeangebot zustimmt, bewegt ein Analyst das Kursziel der Lufthansa-Aktie trotz erwarteten Rückenwinds um keinen Cent.
- Bernstein belässt Lufthansa bei Market-Perform und 7,90 Euro
- Auslöser ist easyJets Ja zu Castlelakes Übernahmeangebot
- Bernstein sieht Kapazitätschancen, das Kursziel bleibt aber unverändert
Ausgerechnet an dem Tag, an dem sich der monatelange Übernahmepoker um easyJet entscheidet, bewegt sich beim Analystenurteil zur Lufthansa-Aktie nichts. Bernstein Research beließ die Einstufung bei "Market-Perform", das Kursziel bleibt bei 7,90 Euro und damit unter dem aktuellen XETRA-Kurs von 10,02 Euro.
easyJet gibt im fünften Anlauf nach
Der Auslöser der Studie liegt beim britischen Rivalen. Nach vier abgelehnten Offerten stimmte easyJet gestern einem aufgebesserten Angebot des US-Investors Castlelake im Grundsatz zu, konkret 6,90 britische Pfund je Aktie, in Summe 5,2 Milliarden Pfund. Castlelake hat nun bis zum 5. August 2026 Zeit, ein verbindliches Angebot vorzulegen, ein Scheitern der Übernahme bleibt laut easyJet weiterhin möglich.
Bernsteins Aufspaltungsthese
Bernstein-Analyst Alex Irving hält es für wahrscheinlich, dass Castlelake das Unternehmen in Flugzeugflotte, Start- und Landerechte sowie das Urlaubsgeschäft aufspalten könnte. In diesem Szenario würden die Kapazitäten im europäischen Luftverkehr weiter schrumpfen, was anderen Fluggesellschaften zugutekäme, wie ihn dpa-AFX zitiert. Irving nennt ausdrücklich Billig-Airlines sowie den auf Urlaubsflüge spezialisierten Anbieter Jet2 als Profiteure.
Warum die Lufthansa trotzdem nicht neu bewertet wird
Ob die Lufthansa von dieser Entwicklung tatsächlich profitiert, ist deutlich offener, als das Kapazitätsargument allein vermuten lässt. JPMorgan-Analyst Harry Gowers verweist laut dpa-AFX darauf, dass noch kein verbindliches Angebot vorliegt und die vereinbarte Eigentümerstruktur erst die Unternehmensgremien sowie die Wettbewerbsbehörden überzeugen muss. Auch ein Gegengebot ist laut Gowers nicht ausgeschlossen, etwa von Air France-KLM oder IAG, die ebenso wie die Lufthansa Interesse an Teilen des easyJet-Streckennetzes an wichtigen Flughäfen haben könnten. Aus wettbewerbsrechtlicher Sicht hätte die Lufthansa laut Gowers wohl die besten Karten, sei aber derzeit mit anderen, kleineren Übernahmen beschäftigt. Genau diese Gemengelage erklärt vermutlich, warum Bernstein die mögliche Chance zwar benennt, das Kursziel aber unverändert lässt: Der Nutzen für die Lufthansa ist bislang Theorie, kein bestätigter Fakt. Die Investmentbank hatte das Kursziel am 5. Januar 2026 von 7,50 auf 7,75 Euro angehoben, zwischen Januar und Mai 2026 dann weiter auf 7,90 Euro, wo es seither über mehrere Branchenereignisse hinweg unverändert blieb.
Bewertung im Branchenvergleich
Wer die beiden Aktien nebeneinander legt, sieht einen Unterschied. Die Lufthansa kommt laut Kennzahlen auf ein KGV von 7,52 bei einer Dividendenrendite von 3,93 Prozent. Jet2, von Bernstein explizit als Profiteur genannt, wird dagegen mit einem KGV von 5,81 und einer Dividendenrendite von 1,33 Prozent gehandelt. Die Lufthansa ist damit die vergleichsweise teurere, aber auch ausschüttungsfreundlichere Aktie, während der von Bernstein genannte Nutznießer der Konsolidierung an der Börse günstiger bewertet bleibt.
Der nächste belastbare Datenpunkt ist der 5. August 2026. Bis dahin muss Castlelake ein verbindliches Angebot für easyJet vorlegen, erst dann zeigt sich, ob die Übernahme tatsächlich zustande kommt und ob sich Wettbewerber wie die Lufthansa an möglichen Streckenrechten beteiligen.
Alexandra Hesse, Redaktion finanzen.net
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