APA ots news: Iran-Krieg gefährdet die Konjunkturerholung


Prognose für 2026 und 2027

Wien (APA-ots) - Infolge des Iran-Krieges haben sich Rohöl und Erdgas

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stark verteuert.

Zudem trübt die Unsicherheit über die Dauer und den weiteren Verlauf

des Konfliktes das Investitionsklima in der EU. Dies wird auch die

österreichische Industrie, die seit Jahren unter der schwachen

Investitionsgüternachfrage leidet, in Mitleidenschaft ziehen. Die

Inflationsrate dürfte trotz des Iran-Krieges weiter zurückgehen,

jedoch verlangsamt der jüngste Energiepreisanstieg den Rückgang. Die

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Arbeitslosenquote verharrt 2026 auf dem hohen Niveau des Vorjahres

und wird erst 2027 sinken.

"Die Entwicklung der Rohöl- und Erdgaspreise ist sowohl für die

Inflationsprognose als auch für den von den Unternehmen erwarteten

Kostendruck entscheidend. Da der Iran-Krieg nicht prognostizierbare

Preissprünge auslöst, hat sich das WIFO entschlossen, von

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unterschiedlichen Preisszenarien auszugehen", so Marcus Scheiblecker,

einer der Autoren der aktuellen WIFO-Prognose.

Abbildung 1: Energiepreisentwicklung seit 2021 - auf der WIFO-

Website

Nach zwei Jahren der Rezession stieg Österreichs BIP 2025 wieder

leicht um 0,6%. Vor allem um die Jahresmitte war eine deutliche

Konjunkturbelebung festzustellen, die zum Jahresende allerdings

wieder verebbte. Im IV. Quartal stagnierte die heimische

Wirtschaftsleistung.

Die derzeit unsicheren internationalen Rahmenbedingungen

erschweren eine Prognose. Die weitere Entwicklung der

österreichischen Wirtschaft wird wesentlich davon abhängen, wie weit

die Preise für Rohöl und Erdgas steigen werden und wie lange sie auf

hohem Niveau verharren. Dies hängt wiederum vom nicht abschätzbaren

Kriegsverlauf ab. Das WIFO hat sich daher dazu entschlossen, seine

Prognose des BIP und anderer wichtiger Kennzahlen auf Basis dreier

Szenarien zu erstellen:

- Im optimistischen Szenario dauert der Iran-Krieg nur wenige Wochen.

Die Infrastruktur der Golfstaaten für die Förderung, Verarbeitung,

Verladung und den Transport von Erdöl wird nicht nachhaltig

beschädigt. Der Rohölpreis liegt bis Juni bei durchschnittlich 80 $

je Barrel und sinkt im III. Quartal 2026 auf 75 $. Der für die

europäische Stromerzeugung relevante Erdgaspreis liegt bis Juni 2026

bei durchschnittlich 45 je MWh und verringert sich nach Kriegsende

stetig.

- Im Hauptszenario ist der Iran-Krieg ebenfalls von kurzer Dauer,

allerdings verteuern sich fossile Brennstoffe kräftiger als im

optimistischen Szenario. Nach Kriegsende bilden sich die Preise

kontinuierlich zurück.

- Im pessimistischen Szenario dauern die Kampfhandlungen im Mittleren

Osten noch bis Ende des Sommers an und zerstören wichtige

Infrastruktur, die erst wieder instandgesetzt werden muss. Der

Rohölpreis steigt auf 120 $ je Barrel, verharrt bis September 2026

auf diesem hohen Niveau und unterschreitet erst Anfang 2027 wieder

die Marke von 90 $. Der Erdgaspreis liegt bis Februar 2027 bei 70

je MWh, da wichtige Produktionsanlagen zerstört sind, und bildet sich

bis Jahresende langsam zurück.

Abbildung 2: Energiepreisszenarien - auf der WIFO-Website

Sowohl im optimistischen als auch im Hauptszenario setzt sich die

Konjunkturerholung im laufenden Jahr fort. Im optimistischen Szenario

ist 2026 mit einem Anstieg der Wirtschaftsleistung um 1,1% zu

rechnen, im Hauptszenario um 0,9%. 2027 beschleunigt sich der Zuwachs

auf 1,3% bzw. 1,5%. Damit bleibt das Wachstumstempo hinter jenem

vergangener Aufschwungsphasen zurück.

Im pessimistischen Szenario wird der bislang beobachtete moderate

Aufschwung jäh unterbrochen, wodurch das BIP 2026 um lediglich 0,2%

zulegt (2027 +0,4%). Die in diesem Szenario unterstellten hohen

Energiepreise belasten nicht nur die Produktion und die real

verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte, sondern trüben auch die

Stimmung in den Unternehmen und das Verbrauchervertrauen. Dies hat

eine über reine Preiseffekte hinausreichende Dämpfung der Konjunktur

zur Folge.

Übersicht 1: Hauptergebnisse der Prognose - Szenarien - auf der

WIFO-Website

Auch im Hauptszenario belastet die erneut höhere Inflation die

verfügbaren Einkommen. Der private Konsum wächst dadurch weiterhin

nur verhalten (2026 +0,5%, 2027 +0,6%). Im optimistischen Szenario

ist der Zuwachs im laufenden Jahr etwas lebhafter (+0,7%) und

verstärkt sich 2027 auf 1%. Im pessimistischen Szenario mündet das

getrübte Verbrauchervertrauen, vor allem die erhöhten Inflations- und

Arbeitslosigkeitserwartungen, in einem Wiederanstieg der Sparquote.

Hierdurch wächst der Konsum 2026 kaum mehr (+0,2%) und stagniert 2027

nahezu (+0,1%).

Der Konsum des Staatssektors expandiert 2026 aufgrund der

angespannten Lage in den öffentlichen Haushalten mit 1,2% nur mehr

halb so stark wie im Vorjahr und bleibt auch 2027 verhalten (+1%).

Annahmegemäß versucht der Staat in allen drei Szenarien, trotz

Sparziels an diesem Ausgabenpfad festzuhalten, um die Konjunktur

nicht zusätzlich zu belasten. Der gesamtstaatliche Finanzierungssaldo

verbessert sich im Hauptszenario leicht auf -4,1% (2026) bzw. -4,0% (

2027) des BIP (2025 -4,2%). Im pessimistischen Szenario beträgt die

Neuverschuldung 2026 4,4% und 2027 4,9% der Wirtschaftsleistung (ohne

weitere Maßnahmen; Annahme "No-Policy-Change").

Übersicht 2: Hauptergebnisse der Prognose - auf der WIFO-Website

Am deutlichsten spiegelt sich die ausgeprägte geopolitische

Unsicherheit in der heimischen Investitionsnachfrage. Im

Hauptszenario steigen die Bruttoanlageinvestitionen 2026 nur um 1,0%

(2025 +1,4%). Erst 2027 wird diese Nachfragekomponente wieder rascher

zulegen (+2,1%; optimistisches Szenario: 2026 +1,4%, 2027 +2,2%). Im

pessimistischen Szenario schrumpfen die Bruttoanlageinvestitionen im

laufenden Jahr um 1% und wachsen erst 2027 wieder (+0,8%).

Die Inflationsprognose hängt wesentlich von den Annahmen zur

Energiepreisentwicklung ab. Im Hauptszenario sinkt die Inflationsrate

2026 auf 2,7% und 2027 weiter auf 2,3%. Im pessimistischen Szenario

steigt sie dagegen auf 4,1% und schwächt sich erst 2027 auf 3,5% ab.

Im optimistischen Szenario beträgt die Teuerung 2026 2,5% und 2027

2,2%.

Trotz der anhaltend gedämpften Wirtschaftsentwicklung wird die

Beschäftigungsausweitung an Dynamik gewinnen. Im Hauptszenario

beschleunigt sich der Anstieg 2026 auf 0,5% und 2027 auf 0,8% (

optimistisches Szenario +0,6% bzw. +0,8%, pessimistisches Szenario +

0,2 bzw. +0,3%).

Die Arbeitslosenquote sinkt im optimistischen Szenario von 7,4%

im Vorjahr auf 7,3%, stagniert im Hauptszenario und steigt im

pessimistischen Szenario geringfügig auf 7,5% (2027: 7,0% bis 7,6%).

Zwtl.: Mittelfristige Aussichten

Aufbauend auf der kurzfristigen Vorausschau prognostiziert das

WIFO die mittelfristige Wirtschaftsentwicklung in den Jahren 2028 bis

2031. Diese mittelfristige Einschätzung wurde bei der Pressekonferenz

am 10. April 2026 gemeinsam mit der kurzfristigen Prognose

vorgestellt.

Übersicht 3: Hauptergebnisse der mittelfristigen Prognose für

Österreich - auf der WIFO-Website

Zu den Definitionen siehe " Methodische Hinweise und Kurzglossar

.

Rückfragehinweis:

Rückfragen bitte am Freitag, dem 10. April 2026, von 11 bis 14 Uhr,

an Mag. Dr. Marcus Scheiblecker, Tel. (1) 798 26 01 - 245,

marcus.scheiblecker@wifo.ac.at

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/235/aom

*** OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER

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OTS0033 2026-04-10/10:00

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