Auftragsbestand der deutschen Industrie sinkt im September
Von Andreas Plecko
FRANKFURT (Dow Jones)--Der Auftragsbestand der deutschen Industrie ist im September erstmals wieder gesunken, nachdem er von Mai 2020 bis August 2022 fast durchgehend um insgesamt 37,6 Prozent gestiegen war. Verglichen mit dem Vormonat reduzierte sich der Auftragsbestand um 0,9 Prozent, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilte. Eine starke Nachfrage nach Industrieprodukten bei gleichzeitig beeinträchtigten Lieferketten hatte nach der ersten Phase der Corona-Krise dazu geführt, dass die Betriebe nicht alle eingehenden Aufträge abarbeiten konnten und sich offene Aufträge immer weiter anstauten.
"Diese Entwicklung ist vorerst unterbrochen", erklärte Destatis. "Unter anderem vor dem Hintergrund des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine und der Energiekrise kamen im September im verarbeitenden Gewerbe 4,0 Prozent weniger neue Aufträge hinzu als im August, während die Umsätze leicht um 0,2 Prozent stiegen."
Erstmals seit Mai 2020 war damit der nominale Auftragseingang niedriger als der Umsatz der Betriebe. "Im Ergebnis wurden mehr Aufträge abgearbeitet als neue hinzugekommen sind", erläuterte Destatis. "Trotz des jüngsten Rückgangs befindet sich der Auftragsbestand aber weiterhin auf einem sehr hohen Niveau: Im Vergleich zum September 2021 war der Auftragsbestand im September 2022 kalenderbereinigt 6,9 Prozent höher."
Die offenen Aufträge aus dem Inland verringerten sich im September gegenüber August leicht um 0,1 Prozent, die aus dem Ausland um 1,3 Prozent.
Im September ging die Reichweite des Auftragsbestands auf 7,7 Monate zurück, nachdem sie seit März jeden Monat bei mindestens 8,0 Monaten gelegen hatte. Bei den Herstellern von Investitionsgütern betrug die Reichweite 11,4 Monate, bei Vorleistungsgütern lag sie bei 3,8 Monaten und bei Konsumgütern betrug sie 3,5 Monate.