Bauwirtschaft erwartet 2022 Umsatzrückgang von real 2%


Von Andreas Kißler

BERLIN (Dow Jones)--Die deutsche Bauwirtschaft hält für dieses Jahr einen realen Umsatzrückgang von 2 Prozent für möglich. "Die Mitgliedsunternehmen der Bundesvereinigung Bauwirtschaft erwarten im Jahresverlauf 2022 insgesamt eine Umsatzentwicklung real, die unterhalb des Vorjahres bei minus 1 bis minus 2 Prozent liegt", sagte der Vorsitzende der Organisation, Marcus Nachbauer. "Stützend wirkt die Nachfrage im Sanierungsbereich, der Neubau verliert an Fahrt." Insgesamt blieben Bautätigkeit und Umsatz damit noch auf hohem Niveau.

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Der Rückgang der Auftragseingänge sowie der Abbau der Auftragsbestände wiesen aber auf eine rückläufige Neubautätigkeit im Jahr 2023 hin. Die gegenwärtigen Förderbedingungen sowie die hohe Inflationsrate ließen vermuten, dass der Sanierungsbereich die Umsatzverluste im Neubau nicht ausgleichen könne. "Aus heutiger Sicht rechnen wir mit Blick auf die Frühindikatoren in 2023 nicht mit einem real höheren Umsatzniveau als in 2022", sagte Nachbauer. Sollten sich die Prozesse zur Beschaffung von Material sowie die Preisentwicklung stabilisieren und die Inflationsrate deutlich nachgeben, sei allerdings Aufwärtspotential gegeben.

Nachbauer wies vor allem darauf hin, dass die Baustoffbeschaffung wie auch die Preisentwicklung nach wie vor die Bau- und Ausbauunternehmen vor große Probleme stelle. "Just in time - wie wir es in der Vor-Corona-Zeit kannten - findet nicht mehr statt." Hinzu komme ein historisch hohes Preisniveau für Baumaterialien. Der Index der Erzeugerpreise für Betonstahl liege um 23 Prozent über dem bereits hohen Vorjahresniveau. Auch Dämmstoffe hätten um über 30 Prozent und mineralische Baustoffe um 10 bis 20 Prozent zugelegt.

Ziele der Regierung in Gefahr

Das wirke sich zwangsläufig auf die Verkaufspreise für Bauleistungen aus. So sei der Preisindex für Bauleistungen für Wohnungsneubauten um 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Diese Preisentwicklung schlage sich in der rückläufigen Baunachfrage nieder. "Die Investitionsbudgets der Auftraggeber für Maßnahmen im Wohnungsbau, im Gewerbebau und der Infrastruktur reichen schlicht nicht mehr aus", so Nachbauer. Damit gerieten auch die Ziele der Bundesregierung, wie der Bau von 400.000 Wohnungen im Jahr und der Abbau des Investitionsstaus bei der Infrastruktur, in Gefahr.

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Nachbauer forderte daher dringend ein Moratorium zum Einfrieren oder Absenken der hohen Energie- und Gaspreise. "Nur so kann die galoppierende Preisentwicklung bei Baustoffen und nachfolgend bei den Preisen für Bauleistungen aufgehalten werden", warnte er. Dies sei mittlerweile auch eine existenzielle Frage, um die wettbewerbsfähige Produktion von Baustoffen in Deutschland abzusichern. Zudem betonte er, dass die Rahmenbedingungen für Investitionen klar, langfristig und verlässlich sein müssten. Die Förderbedingungen müssten "auskömmlich sein und tatsächlich Anreize setzen".

Die öffentliche Hand als Auftraggeber forderte Nachbauer dazu auf, Bauaufträge zu vergeben, um die Baukonjunktur zu stabilisieren. "Das derzeit schon erkennbare zögerliche Verhalten der öffentlichen Auftraggeber ist kontraproduktiv", kritisierte er. Es führe zudem dazu, dass sich der öffentliche Investitionsrückstau von über 150 Milliarden Euro weiter vergrößere.

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