BDEW-Chefin drängt auf "Positivliste" für Gas-Abschaltung
FRANKFURT (Dow Jones)--Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) fordert eine "Positivliste" für den Fall einer Gasknappheit.
Die Liste müsse "berücksichtigen, welche Branchen auf alle Fälle weiter mit Gas versorgt werden müssen", sagte die BDEW-Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae der Wirtschaftswoche. "Eine Positivliste muss die Frage beantworten: Welche Sektoren sind systemrelevant und müssen weiter mit Gas versorgt werden? Gehören dazu zum Beispiel Unternehmen der Ernährungs- und der Pharmabranche? Hier sind das Bundeswirtschaftsministerium und die Bundesnetzagentur gefragt", so Andreae.
Wirtschafts- und Klimaminister Robert Habeck (Grüne) hatte Mitte der Woche die Frühwarnstufe des Notfallplans Gas der Bundesregierung ausgerufen. Der Plan regelt, wie Regierung, Versorger und Netzbetreiber im Fall einer "Gasmangellage" in drei Stufen vorgehen müssen - und bestimmt grob, wer mit Gas versorgt werden muss, führt die Wirtschaftszeitschrift aus.
Anders als Haushalte und grundlegende soziale Dienste wie Krankenhäuser und die Feuerwehr seien die meisten Unternehmen keine geschützten Kunden. Welche Unternehmen wann von der Gasversorgung abgeschaltet werden, ist nicht eindeutig geregelt.
Bundesnetzagentur, Wirtschaftsministerium, der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und der BDEW verhandelten bereits vor der Ausrufung der Frühwarnstufe über Kriterien für die Abschaltreihenfolge. Andreae dringt auf schnelle Klärung. "Die Gasnetzbetreiber und die Gasversorgungsunternehmen brauchen Rechtssicherheit für den Fall, dass Lieferungen ausbleiben und sie Kunden abschalten müssen", zitiert die Wirtschaftswoche die Hauptgeschäftsführerin. Die Ausrufung der Frühwarnstufe des Notfallplans werde "die Abstimmungsprozesse weiter beschleunigen. Das ist sehr hilfreich."