BDI-Präsident warnt G7 vor Deglobalisierung
Von Andreas Kißler
BERLIN (Dow Jones)--Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Siegfried Russwurm, hat im Namen von Wirtschaftsverbänden der sieben führenden Industrieländer (G7) entschieden vor Tendenzen eines Rückfalls in regionales Wirtschaftsdenken als Folge der jüngsten Krisen gewarnt. Er forderte die Politik auf, auf regelbasierte, freie Marktwirtschaften zu setzen.
"Einen Fehler dürfen wir nicht begehen: die Förderung einer Bildung von Blocks", sagte Russwurm, der derzeit auch Präsident der Business7 (B7) ist, zur Eröffnung des B7-Gipfels der Wirtschaftsverbände in Berlin. Dies sei "die größte Gefahr" für Wohlstand und auch für Klimaschutz.
Die Krisen durch Coronavirus-Pandemie und Ukraine-Krieg nährten zwar die Idee einer Renationalisierung, nur globale Kooperation sei aber der richtige Weg, betonte Russwurm. "Es gibt keine Alternative zu freien Marktkräften, dirigistische Ansätze müssen klar zurückgewiesen werden", erklärte er in seiner Rede. Nötig sei dafür eine koordinierte politische Agenda bei G7 und B7. Russwurm forderte "mehr strategische Souveränität" - das Problem sei nicht die Globalisierung, man müsse vielmehr die Risiken managen.
"Unsere Märkte müssen fundamental offen bleiben", mahnte der BDI-Präsident. "Eine Desintegration in regionale Wirtschaftsblöcke wäre tödlich." Zudem müssten Schlüsseltechnologien wie Künstliche Intelligenz und Halbleiter vorangebracht und neue Formen von Kooperation wie ein Klimaclub angestrebt werden. Auch gelte es, internationale Infrastrukturinitiativen zu koordinieren, um etwa Alternativen zur chinesischen Seidenstraßeninitiative zu schaffen. Auch eine Kooperation mit Autokratien dürfe aber nicht ausgeschlossen werden.
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June 20, 2022 04:37 ET (08:37 GMT)