Börse Frankfurt-News: Es bleibt ungemütlich (Wochenausblick)
FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - Aktienmärkte halten wohl am Schaukelkurs fest - auch bedingt durch einen ungewissen Verlauf der zweiten Corona-Welle.
5. Oktober 2020. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Vielerorts steigende Corona-Infektionszahlen, ein näher rückender, womöglich ungeordneter Abschied Großbritanniens aus der Europäischen Union und US-Wahlen, die es auf der Zielgeraden in sich haben: Dies sind nach Ansicht von Analysten nur einige Zutaten, die für einen stürmischen Herbst an den Aktienmärkten gut sein könnten.
Vergangene Woche schaffte der deutsche Aktienindex mit einem Schlussstand von 12.689 Punkten trotz vier Verlusttagen ein Plus von 1,8 Prozent und eröffnete am Morgen mit 12.824 Punkten fester.
Zunächst weiter im Schaukelmodus
Die volatile Seitwärtsbewegung an den Aktienmärkten dürfte nach Meinung von Chris-Oliver Schickentanz von der Commerzbank zunächst anhalten. Vor den anstehenden Zahlen für das dritte Quartal gebe es eine Phase, in der Unternehmen noch Gewinnwarnungen platzierten. Je länger Nachrichten dies bezüglich ausblieben, desto zuversichtlicher könnten Anleger mit Blick auf die ab Mitte Oktober an Fahrt aufnehmende Berichterstattung werden.
Wahlausgang für Aktienentwicklung ohne Belang
Zumindest hinsichtlich des möglichen Wahlausgangs sollten sich Investoren entspannt zurücklehnen. Das Parteibuch des US-Präsidenten ist statistisch betrachtet für die Jahresperformance des S&P 500 nach Berechnungen der Sutor Bank unerheblich. Historisch gesehen entwickelte sich der S&P 500 - aufgrund des Urnengangs im November jeweils gemessen von Oktober bis Oktober - seit 1929 demnach insgesamt 30 Jahre unter republikanischer Präsidentschaft positiv. Dem stünden 37 Jahre positive Performance mit einem demokratischen Präsidenten gegenüber. Minusjahre gebe es 14 auf republikanischer und elf auf demokratischer Seite. Im Betrachtungszeitraum regierten die Republikaner 44 und die Demokraten 48 Jahre.
Unerwartete Ereignisse wegweisend
Die Analysten der Sutor Bank halten die Einflüsse von US-Präsidenten und ihre Parteien auf Börsenkurse grundsätzlich für begrenzt. Mit dem Kongress - bestehend aus Senat und Repräsentantenhaus - gebe es ein klares Gegengewicht zur gewählten Macht. Es seien in der Regel die mehr oder weniger unerwartet auftretenden speziellen Ereignisse, die zu starken Ausschlägen an den Börsen führen. Aktuell zähle dazu die Corona-Pandemie. In der Vergangenheit gehörten die Finanzkrise, das Platzen der Dotcom-Blase und der 11. September 2001 Anfang der 2.000er Jahre zu den prägnantesten Begebenheiten. Dazu gesellten sich jährlich Wirbelstürme hinzu, die teils immense Schäden anrichteten.
Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftsdaten
Mittwoch, 7. Oktober
8.00 Uhr. Deutschland: Nettoproduktion August. Beobachter erwarten insgesamt einen leichten Rückgang der Industrieproduktion und sehen in der Entwicklung ein weiteres Zeichen, dass die Erholung der deutschen Wirtschaft im Sommer deutlich an Schwung verloren hat. Die Anzahl produzierter Fahrzeuge sank im August im Vergleich zum Vormonat um nahezu 14 Prozent. Ebenso fielen die gewerblichen Voranmeldungen zur Umsatzsteuer niedriger aus. Die höhere Bauproduktion halte immerhin ein wenig dagegen.
20.00 Uhr. USA: Sitzungsprotokoll Federal Reserve. Das Protokoll der Sitzung vom 15. und 16. September werden Marktteilnehmer auf Pläne zur weiteren Entwicklung der Notenbank-Bilanz abklopfen. Bislang würden monatlich US-Treasuries im Volumen von rund 80 Milliarden US-Dollar sowie besicherte Anleihen im Wert von etwa 40 Milliarden US-Dollar gekauft. Das Sitzungsprotokoll wird nach Meinung der DekaBank über den aktuellen Diskussionsstand informieren. Selbst eine fehlende Debatte wäre aufschlussreich.
von: Iris Merker
5. Oktober 2020, © Deutsche Börse AG
(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)
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