Chef der Abschlussprüfer-Aufsicht handelte mit Wirecard-Aktien


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Von Andreas Kißler

BERLIN (Dow Jones)--Der Chef der Wirtschaftsprüferaufsicht Apas, Ralf Bose, hat laut seiner Aussage im Wirecard-Untersuchungsausschuss des Bundestages selbst mit Aktien des mittlerweile insolventen Zahlungsdienstleisters gehandelt. Bose habe durch Auskünfte über seine Aktiengeschäfte für "Verblüffung" im Ausschuss gesorgt, teilte der Bundestags-Pressedienst mit. Ausschussmitglieder reagierten mit Empörung und erklärten, Bose sei an der Spitze der dem Bundeswirtschaftsministerium unterstellten Behörde nicht mehr tragbar.

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Die SPD-Abgeordnete Cansel Kiziltepe hatte Bose den Angaben des Bundestags zufolge in der Nacht auf Freitag die Information entlockt, dass dieser Ende April 2020 erstmals Wirecard-Aktien gekauft hatte. Er habe sie dann kurz nach dem Erscheinen eines entscheidenden Prüfberichts des Wirtschaftsprüfers KPMG am 20. Mai wieder verkauft. Bose habe zu diesem Zeitpunkt mit dem Investment Verlust gemacht, und die Mitarbeiter der Apas müssten Aktienkäufe - auch von Unternehmen, deren Wirtschaftsprüfer sie untersuchen - nur melden, wenn der Wert des Aktienpakets mehr als 5 Prozent ihres Vermögens ausmacht.

Der Ausschussvorsitzende Kay Gottschalk (AfD) zeigte sich aber den Angaben zufolge "entsetzt", dass Bose die Aktien am gleichen Tag verkauft habe, an dem die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) die Apas formal über den Inhalt des KMPG-Berichts und damit über das Ausmaß der Probleme bei Wirecard informiert habe.

Der FDP-Finanzsprecher Florian Toncar meinte, es sei kein Wunder, dass Bose und die Apas noch 2019 die Indizien nicht richtig gedeutet hätten.

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Bose selbst erklärte dazu laut den Angaben: "Auch ich konnte mir nicht vorstellen, dass bei einem DAX-Konzern so etwas geschehen könnte."

Linke-Fraktionsvize Fabio De Masi fragte, warum die Geschäftsordnung der Apas ausgerechnet für deren Chef keine Meldepflicht zum Aktienbesitz vorsehe. "Dass der Leiter der Wirtschaftsprüferaufsicht in einem laufenden Vorermittlungsverfahren mit Wirecard-Aktien handelte, ist unfassbar", erklärte er nach der bis um 5.00 Uhr dauernden Sitzung über den Kurznachrichtendienst Twitter. Dieser Vorgang erfordere "die Entlassung des Chefs der Apas" und klare Regeln gegen Insiderhandel in Aufsichtsbehörden.

Auch Toncar nannte den Vorgang in einem Tweet "unfassbar". Rechtsaufsicht wäre Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) gewesen, betonte er. Die Prüferaufsicht brauche "einen klaren Schnitt an der Spitze".

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Kontakt zum Autor: andreas.kissler@wsj.com

DJG/ank/smh

(END) Dow Jones Newswires

December 11, 2020 04:47 ET (09:47 GMT)

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22.06.20 Wirecard Verkaufen Independent Research GmbH
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