Chemie rechnet 2023 mit 5 Prozent weniger Produktion - Talsohle erreicht


FRANKFURT (Dow Jones)--Die chemisch-pharmazeutische Industrie in Deutschland rechnet für 2023 mit einer erneut rückläufigen Produktion, jedoch hat sich die Stimmung gegenüber dem Dezember etwas aufgehellt. "Wir gehen dank der deutlich gesunkenen Energiepreise davon aus, dass unsere Branche mittlerweile die Talsohle erreicht hat", sagte VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup bei der Vorstellung der Zahlen zum vierten Quartal.

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"Allerdings glauben wir, dass es anders als in der Pandemie und anders als in der Finanzkrise eine kraftvolle Erholung geben wird." Die Produktion werde deshalb im Gesamtjahr um 5 Prozent unter dem Vorjahreswert bleiben, ohne Pharma sogar um 8 Prozent. Und der Branchenumsatz werde bei um 2 Prozent rückläufigen Preisen sogar um 7 Prozent sinken.

VCI rechnet für dieses Jahr mit Bodenbildung

Nachdem sich der Abschwung für die Chemiebranche im vergangenen Jahr immer weiter beschleunigt hatte, sei jetzt eine Bodenbildung zu beobachten, sagte Chefvolkswirt Henrik Meincke, vielleicht gebe es sogar im ersten Quartal ein leichtes Wachstum. Laut Statistischem Bundesamt war die Produktion von chemischen Erzeugnissen im Januar zum Vormonat um 9,8 Prozent in die Höhe gegangen. Allerdings war der Dezember auch der schwächste Monat des vergangenen Jahres für die Branche gewesen.

"Die Talfahrt der Chemie war im vierten Quartal letzten Jahres noch rasanter als wir noch im Dezember befürchtet hatten", sagte dazu Große Entrup. Deshalb sank die Produktion im Schlussquartal verglichen mit den drei Vormonaten um weitere 5 Prozent. In Jahressicht lag das Minus bei 14 Prozent, und ohne Pharmaerzeugnisse schrumpfte die Chemieproduktion im Zeitraum Oktober bis Dezember gar um fast 24 Prozent. Die Anlagen waren nur noch zu drei Vierteln ausgelastet.

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Die hohen Energiekosten sowie Preissteigerungen bei Rohstoffen und Vorprodukten setzten Deutschlands nach der Autobranche und dem Maschinenbau drittgrößtem Industriezweig im vergangenen Jahr massiv zu. Anlagen wurden abgestellt, weil sie nicht mehr rentabel zu betreiben waren, Branchenriese BASF kündigte bereits an, am Stammsitz Ludwigshafen einige Anlagen dauerhaft zu schließen.

Chemie will vorübergehend Strompreis von 5 bis 10 Cent

Große Entrup warnte davor "die Lage schönzureden". Die Branche stecke nach wie vor in einer kritischen Situation. Deutschland habe ein Standortproblem mit Blick auf Energiepreise und Regulierung. Um der Übergang zu einer klimafreundlichen Produktion mit grüner Energie zu schaffen, brauche die Branche für einen begrenzten Zeitraum einen Industriestrom mit Tarifen zwischen 5 und 10 Cent je Kilowattstunde, aber eher in Richtung 5 Cent, wie Große Entrup sagte.

Zusätzlich müsse die Antwort auf den Inflation Reduction Act in den USA ein Zurückfahren der Regulierung sein. "Ein Subventionswettstreit mit den Vereinigten Staaten wird uns nicht weiterbringen", sagte Große Entrup. "Wir müssen mit der Machete durch den Regulierungsdschungel."

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Kontakt zum Autor: olaf.ridder@wsj.com

DJG/rio/hab

(END) Dow Jones Newswires

March 09, 2023 04:00 ET (09:00 GMT)

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