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Micron vor den Quartalszahlen: Rekordlauf trifft auf Realität


Micron vor den Quartalszahlen: Rekordlauf trifft auf Realität

In zwei Handelstagen verlor Micron rund ein Fünftel seines Börsenwerts, nur Tage nachdem das Papier erstmals die Marke von einer Billion Dollar geknackt hatte. Am 24. Juni legt der Speicherkonzern Zahlen vor. Dann zeigt sich, ob der Einbruch nur eine Korrektur war oder das erste Knirschen im Zyklus.

Innerhalb von zwei Handelstagen hat die Micron-Aktie rund ein Fünftel ihres Werts verloren, nur Tage nach einem Rekordhoch. Am 3. Juni schloss das Papier bei 1.079,57 Dollar, Anfang Juni war der Speicherkonzern als eines der zwölf wertvollsten Unternehmen der Welt rund 1,2 Billionen Dollar schwer. Dann ging es um 8 Prozent am 4. Juni und um 13 Prozent am 5. Juni nach unten. Am Montag, dem 8. Juni, drehte der Kurs wieder und notierte zeitweise rund 8 Prozent fester bei etwa 947 Dollar. Der Auslöser des Absturzes lag nicht bei Micron.

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Der Absturz hatte einen fremden Auslöser

Der Einbruch begann nicht bei Micron, sondern bei Broadcom. Der Konkurrent meldete am Abend des 3. Juni für sein zweites Geschäftsquartal 22,19 Milliarden Dollar Umsatz, knapp über dem Konsens von 22,13 Milliarden. Doch die Prognose für das KI-Geschäft im laufenden Quartal lag mit rund 16 Milliarden Dollar unter den erwarteten 17,2 Milliarden, und die Jahresprognose hob das Management nicht an. Das reichte als Funke. Der Philadelphia Semiconductor Index verlor am 5. Juni gut 10 Prozent, den stärksten Tagesverlust seit 2020, Marvell brach um mehr als 16 Prozent ein. Wenn ein KI-Schwergewicht strauchelt, verkaufen Anleger zuerst die ganze Gruppe und sortieren später.

Was den Rekordlauf trägt

Fundamental steht der Lauf auf realer Basis. Im zweiten Geschäftsquartal, das am 26. Februar endete, steigerte Micron den Umsatz auf 23,86 Milliarden Dollar, ein Plus von 196 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal und 75 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Der bereinigte Gewinn je Aktie kletterte um 155 Prozent auf 12,20 Dollar. Erwartet hatten Analysten rund 20 Milliarden Umsatz und 9,19 Dollar Gewinn je Aktie. Treiber ist die Knappheit bei Speicherchips: Künstliche Intelligenz bindet nahezu die gesamte Produktionskapazität für DRAM und margenstarke Hochleistungsspeicher, die Preise ziehen kräftig an. Das Vertrauen unterstrich der Vorstand mit einer um 30 Prozent angehobenen Dividende.

Selten waren sich die Banken so uneinig

Die Kursziele der Häuser klaffen so weit auseinander wie selten. Wells Fargo hob sein Ziel am 8. Juni auf 1.220 Dollar an, von zuvor 550 Dollar. Morgan Stanley hatte wenige Tage zuvor auf 1.050 Dollar verdoppelt, Susquehanna rief sogar 1.750 Dollar aus. Am anderen Ende steht Goldman Sachs als nahezu einsamer Skeptiker mit einem Ziel um 400 Dollar und dem Hinweis, Speicher bleibe ein zyklisches Geschäft. Diese Spanne von rund 400 bis 1.750 Dollar sagt mehr als jedes einzelne Ziel: Über kaum eine andere Aktie ist sich die Wall Street derzeit so uneinig. Den Schiedsspruch liefert der 24. Juni.

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Das eigentliche Risiko ist der Zyklus

Das größte Risiko ist nicht die Nachfrage, sondern der Zyklus. Speicher war stets ein Geschäft von Boom und Einbruch: Knappheit treibt die Preise, dann kommt neue Kapazität, und die Marge bricht weg. Micron hält dagegen, der Engpass sei strukturell, nennenswerte neue Industriekapazität laufe erst 2028 an. An dieser Annahme hängt die gesamte Bewertung. Auf Basis der für das Geschäftsjahr 2027 erwarteten Gewinne wirkt die Aktie mit einem einstelligen KGV günstig, gemessen an den zuletzt berichteten Zahlen mit einem KGV von über 40 dagegen teuer. Welche Lesart stimmt, entscheidet sich allein daran, ob die Rekordgewinne wiederkehren.

Ein vielzitiertes Alarmsignal hält der genauen Prüfung dabei nur halb stand. Vorstandschef Sanjay Mehrotra verkaufte zuletzt Aktien im Wert von rund 38 Millionen Dollar, wenige Wochen vor den Zahlen. Das wirkt heikel, läuft aber über einen automatischen Verkaufsplan vom 30. Januar, der den Kurssprung zeitlich vordatiert und dem Manager kein opportunistisches Timing erlaubt. Direkt hält Mehrotra weiter 387.064 Aktien. Wer den Verkauf als Verkaufssignal liest, überzeichnet.

Am 24. Juni wird sich zeigen, welche Seite recht behält. Anleger sollten auf drei Dinge achten: ob der Anteil margenstarker Hochleistungsspeicher am Umsatz weiter steigt und damit die Bruttomarge stützt, wie hoch die Prognose für das vierte Geschäftsquartal ausfällt, und ob Micron seine Aussage zu anhaltender Knappheit bis 2028 bekräftigt. Daran misst sich, ob der Rekordlauf eine zweite Stufe zündet oder der Zyklus zu drehen beginnt.

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Die Micron-Aktie lässt sich bei finanzen.net zero handeln.

Leon Müller, Redaktion finanzen.net

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Bildquellen: Sundry Photography / Shutterstock.com, Charles Knowles / Shutterstock.com

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