Waffenruhe bröckelt: DAX schließt unter 24.000-Punkte-Marke - Sentiment-Analyse: DAX-Anleger werden vorsichtiger
Nach der Vortagserholung dominierten am Donnerstag wieder die Bären. Grund war die fraglie Waffenruhe im Nahen Osten. Dabei viel sogar die 24.000-Punkte-Marke.
Der DAX hat zum Start des Donnerstagshandels 0,41 Prozent auf 23.981,22 Zähler eingebüßt und ist damit unter die 24.000-Punkte-Marke gerutscht. Im weiteren Handel vergrößerte der Leitindex seine Verluste und notierte deutlich im Minus. Er verabschiedete sich letztlich 1,14 Prozent schwächer bei 23.806,99 Punkten.
Nach Israel-Angriffen auf Libanon: Iran droht Waffenruhe platzen zu lassen
Kurz zuvor sorgte die in letzter Minute vereinbarte Waffenruhe im Iran-Krieg für Erleichterung bei Anlegern. Doch nach Israels verheerenden Luftangriffen im Libanon droht der Iran, die gerade erst mit den USA vereinbarte Waffenruhe platzen zu lassen. Die USA müssten sich entscheiden - "entweder Waffenruhe oder Fortsetzung des Krieges via Israel. Sie können nicht beides haben", schrieb Außenminister Abbas Araghtschi auf der Plattform X. US-Präsident Donald Trump drohte dem Iran ebenfalls mit einer neuen militärischen Eskalation, falls es nicht zu einem umfassenden Abkommen kommen sollte.
Auf seiner Plattform Truth Social erklärte Trump in der Nacht zum Donnerstag (US-Ortszeit), die Schiffe, Flugzeuge und Soldaten des US-Militärs würden, gegebenenfalls auch mit zusätzlicher Ausrüstung, rund um den Iran stationiert bleiben, bis das "erzielte WIRKLICHE ABKOMMEN vollständig eingehalten wird". Es werde alles bereitgehalten, was für die "tödliche Verfolgung und Vernichtung" eines bereits geschwächten Gegners notwendig sei, schrieb der Republikaner weiter.
Straße von Hormus: Durchfahrt nur nach Abstimmung mit Revolutionsgarde
Trotz der Waffenruhe-Vereinbarung mit den USA droht der Iran weiterhin der Schifffahrt in der für den weltweiten Öl- und Gasmarkt wichtigen Straße von Hormus. Wegen Minengefahr müssten Schiffe sich mit den Revolutionsgarden abstimmen und ausgewiesene Ausweichrouten benutzen, hieß es in einer vom Staatssender IRIB verbreiteten Mitteilung der Hafenbörde. Am Mittwochabend hatte die iranische Nachrichtenagentur Fars berichtet, der Iran habe den Schiffsverkehr durch die Meerenge aus Protest über Israels Angriffe im Libanon wieder eingestellt. Nur zwei Öltanker hätten sie seit Beginn der Waffenruhe passiert.
US-Vizepräsident JD Vance bezeichnete die zwischen den USA und dem Iran vereinbarte zweiwöchige Waffenruhe als "fragil". Die Öffnung der Straße von Hormus und die beidseitige Einstellung der Kampfhandlung seien "die Grundlage für die fragile Waffenruhe, die wir haben", sagte er in Budapest.
Situation im Iran bleibt verworren
"Die zwischen den USA und dem Iran vereinbarte vierzehntägige Waffenruhe zeigt sich als ein sehr wackeliges Konstrukt", schrieb Andreas Lipkow, Chef-Marktanalyst des Handelshauses CMC Markets. Es sei zu erwarten gewesen, dass sich die Verhandlungen und die Aufrechterhaltung der Waffenruhe als sehr schwierig zeigen werden. Die Situation im Iran ist dem Experten zufolge weiterhin verworren.
Ölpreise legen wieder zu
Trotz fragiler Waffenruhe im Nahen Osten kommt bislang kein neuer Druck durch die Ölpreise auf, die aktuell der wichtigste Gradmesser für die Inflations- und Konjunktursorgen am Markt sind. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent bleibt klar unter 100 Dollar, nachdem er am Mittwoch nach Vereinbarung der Waffenruhe sogar fast auf 90 Dollar gesunken war. Am Morgen mussten rund 96 Dollar bezahlt werden.
Dabei kritisierte US-Präsident Donald Trump die "sehr schlechte Arbeit" des Iran bei der vereinbarten Freigabe der Straße von Hormus - einer Lebensader für den Welthandel. Trump bezog sich auf Berichte, wonach das Land Gebühren von Tankern für die Durchfahrt verlange. Derweil greift Israel weiter Stellungen der proiranischen Hisbollah-Miliz im Libanon an.
Deutsche Börse Sentiment-Analyse: Private DAX-Anleger werden zunehmend vorsichtiger
Wie der jüngsten wöchentlichen Sentiment-Erhebung der Deutschen Börse zu entnehmen ist, gewann das Bären-Lager in der Woche zum 8. April 8 Prozentpunkte hinzu auf 41 Prozent. Bullish waren nur noch 44 Prozent gestimmt, das sind 6 Prozentpunkte weniger. Das neutrale Lager verlor 2 Prozentpunkte auf 15 Prozent. Anders dagegen die Institutionellen Anleger: Hier bauten die Bullen ihre Mehrheit um 1 Prozentpunkt auf 55 Prozent aus.
Die Stimmungs-Divergenz zwischen Privatanlegern und Institutionellen Investoren habe sich weiter vergrößert, stellt Sentiment-Analyst Joachim Goldberg fest. Dass die Privaten so viel pessimistischer gestimmt seien als die Profis, könnte mit zuvor unterschiedlichen Positionierungen zusammenhängen. Gerade der Mut einiger Privatanleger, zum Teil direkt von "Long" nach "Short" zu drehen, dürfte ein Indiz dafür sein, dass zuvor Gewinne entstanden seien.
Institutionelle Investoren hätten dagegen nur in eher geringem Maße Gewinne mitgenommen, was vermutlich aber nicht daran liege, dass man an eine nachhaltige Trendwende im Iran-Krieg glaube, so Goldberg. Vielmehr befürchte er, dass auch die deutliche Erholung des DAX vom Mittwoch nicht ausgereicht habe, um aus den teils schon vor Wochen begründeten bullischen Engagements halbwegs unbeschadet wieder herauszukommen. Die entsprechenden (wahrgenommenen) Einstandspreise dürften vermutlich noch einmal höher liegen als der am Mittwoch gesehene DAX-Stand von 24.000 Punkten, heißt es von Seiten Goldbergs weiter.
DAX-Rekord zuletzt im Januar
Am 13. Januar hatte der DAX bei 25.507,79 Punkten ein Allzeithoch markiert und damit erstmals in seiner Geschichte die Schwelle von 25.500 Punkten überschritten. Letztlich war er an diesem Tag bei 25.420,66 Zählern in den Feierabend gegangen, was einen neuen Rekord auf Schlusskursbasis bedeutete.
Benedict Kurschat, Melanie Schürmann, Martina Köhler, Bettina Schneider, Evelyn Schmal, Redaktion finanzen.net mit Material von dpa-AFX und Dow Jones Newswires
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