Deutsche Regierung: Indikatoren deuten verhaltenen Start in zweites Quartal an
Von Andreas Kißler
BERLIN (Dow Jones)--Die Bundesregierung hat eine derzeit gedämpfte Konjunkturdynamik konstatiert, sieht aber keine Anzeichen für einen lang anhaltenden Wirtschaftseinbruch. "Nach zwei Quartalen in Folge mit negativem Wachstum im Winterhalbjahr 2022/23 deuten aktuelle Konjunkturindikatoren einen verhaltenen Start in das zweite Quartal an", erklärte das Bundeswirtschaftsministerium in seinem aktuellen Monatsbericht. "Die deutsche Wirtschaft befindet sich im Frühsommer weiterhin in schwierigem Fahrwasser", erklärten die Ökonomen von Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne).
Nach gängiger Definition befinde sich die deutsche Wirtschaft mit dem Rückgang im ersten Quartal in einer "technischen Rezession", eine "ökonomische" Rezession im Sinne eines länger anhaltenden, tiefen Einbruchs der Wirtschaftsleistung bei unterausgelasteten Kapazitäten, sinkenden Investitionen, einem Rückgang der Beschäftigung und steigender Arbeitslosigkeit sei "allerdings derzeit nicht zu erkennen".
Die konjunkturelle Grunddynamik in der Industrie habe sich spürbar abgeschwächt. Bei den Einzelhandelsumsätzen sei es zu einer gewissen Erholung gekommen, die Stimmung unter den Verbrauchern habe sich weiter aufgehellt, aber die Verbesserung sei nur noch gering ausgefallen. "Insgesamt lag das Konsumklima immer noch auf einem sehr niedrigen Niveau, weil die hohe Inflation weiterhin belastet."
Der Auftrieb der Verbraucherpreise habe sich im Mai weiter abgeschwächt, im weiteren Jahresverlauf sei aber "mit Basiseffekten infolge der Entlastungsmaßnahmen vor einem Jahr zur Dämpfung der Preiserhöhungen zu rechnen, die temporär den Preisauftrieb wieder verstärken dürften". Perspektivisch sprächen die rückläufigen Preise auf den globalen Energiemärkten, die weiter nachlassende Inflationsdynamik, die höheren Lohnabschlüsse und die erwartete weltwirtschaftliche Belebung für eine moderate konjunkturelle Erholung der deutschen Wirtschaft im weiteren Jahresverlauf, erklärte das Ministerium.
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June 14, 2023 04:23 ET (08:23 GMT)