DIHK: Bund soll Zuzug qualifizierter Arbeitskräfte erleichtern


Von Andrea Thomas

BERLIN (Dow Jones)--Die deutsche Wirtschaft fordert von der Bundesregierung einfachere Regelungen für die Zuwanderung von Fachkräften, um den Engpass an qualifizierten Arbeitskräften zu verringern. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) betonte, dass Deutschland ohne Zuwanderung aus dem Ausland seinen Fachkräftemangel nicht bewältigen könne. Der Verband unterbreitete daher Vorschläge, zu denen beschleunigte Verwaltungsverfahren für die Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis gehören. Nötig sei aber auch ein Kulturwandel in den Verwaltungen und praktische Unterstützung.

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Die Herausforderung aufgrund des Fachkräftemangels sei bereits heute gewaltig, wie Achim Dercks, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des DIHK, betonte: "Der Fachkräftemangel ist laut unserer aktuellen Umfragen für die Betriebe das zweitgrößte Geschäftsrisiko. Mehr als jedes zweite Unternehmen ist davon betroffen."

Für viele Betriebe könne die Zuwanderung von Fachkräften aus dem Ausland ein wichtiger Baustein sein, um die Engpässe abzumildern.

Lange Verfahren und impraktikable Vorschriften bei der Qualifikation

Ein Kernproblem der Zuwanderung ist laut DIHK die lange Dauer der Verwaltungsverfahren für die Aufenthalts- und Arbeitserlaubnisse. Unterlagen würden um den halben Globus geschickt werden und die Umsetzung der komplexen Regelungen der Behördenmitarbeiter sei nicht immer einheitlich und transparent. Nötig sei daher ein Kulturwandel in den Verwaltungen, aber auch eine praktische Unterstützung in Form etwa einer Hotline von staatlichen Stellen.

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Außerdem sollte die aktuell gültige Zuwanderungsvoraussetzung in Form der Gleichwertigkeit der beruflichen Qualifikation praktikabler gestaltet werden. "Nahezu alle Länder der Welt haben völlig andere Ausbildungssysteme als Deutschland", so Dercks. "Aus Sicht der Betriebe sollte die Einstellung leichter möglich sein, wenn zumindest eine 'teilweise Gleichwertigkeit' vorliegt." Das Procedere hierzu lasse sich stark vereinfachen. So sollten der Nachweis einer teilweisen Gleichwertigkeit und ein Arbeitsvertrag für die Einreise und Arbeitsaufnahme reichen. Die Planung und berufsbegleitende Weiterqualifizierung könne dann in Deutschland erfolgen.

Außerdem sei die frühzeitige Unterstützung des Spracherwerbs im Ausland von zentraler Bedeutung - zum Beispiel durch Angebote der Goethe-Institute oder auch Sprachkurse von einzelnen Außenhandelskammern.

Bund will mit neuem Gesetz ausländische Fachkräfte anlocken

Die Bundesregierung will das Einwanderungsrecht reformieren. Nach Plänen von Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) und Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) beruht das Modell auf drei Säulen: Qualifikation, Erfahrung und Potenzial. So soll die Einwanderung von ausländischen Fachkräften erleichtert werden, indem die Anforderungen für die Einreise gesenkt werden. Die Anerkennungsverfahren für die berufliche Qualifikation soll erleichtert werden.

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"Zu schleppend, zu bürokratisch, zu abweisend ist unser Einwanderungssystem bis heute", schreiben beide Minister in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt.

Die beiden Minister planen demnach, dass Fachkräfte, die Berufserfahrung und einen Abschluss ihres Heimatlandes mitbringen und sich in Deutschland erfolgreich auf eine Stelle bewerben, nach Deutschland einwandern und arbeiten dürfen. Das Anerkennungsverfahren läuft den Plänen zufolge dann später parallel zur Arbeit und soll vom Arbeitgeber finanziert werden.

Außerdem sollen ausländische Fachkräfte auch ohne Arbeitsvertrag zur Jobsuche nach Deutschland einreisen dürfen. Dafür müssen sie sich aber noch aus dem Ausland bestätigen lassen, dass ihr Abschluss zumindest teilweise mit einem deutschen vergleichbar ist. Zudem müsse sie nachweisen, dass sie ihren Lebensunterhalt selbst sichern können.

Kontakt zur Autorin: andrea.thomas@wsj.com

DJG/aat/mgo

(END) Dow Jones Newswires

July 20, 2022 04:36 ET (08:36 GMT)

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