DIHK: Onlinehandel immer häufiger auch grenzüberschreitend
Von Andreas Kißler
BERLIN (Dow Jones)--Deutschlands Hersteller und Händler sind laut einer Umfrage mit ihren Onlineaktivitäten immer häufiger auch grenzüberschreitend aktiv. Dabei stießen insbesondere kleinere und mittlere Betriebe selbst innerhalb der Europäischen Union (EU) noch immer auf größere Hindernisse. In der Studie von Industrie- und Handelskammern, Deutschem Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und Ibi-Research gaben nur 17 Prozent von 440 befragten Industrie- und Handelsunternehmen an, sie seien lediglich im Bundesgebiet aktiv und wollten daran auch nichts ändern, so der DIHK. 51 Prozent verkauften ihre Produkte oder Dienstleistungen aktiv grenzüberschreitend; weitere 23 Prozent nähmen immerhin Aufträge aus dem Ausland entgegen.
Nach wie vor gibt es dabei laut den Angaben erhebliche Unterschiede je nach Betriebsgröße: Große Firmen (72 Prozent) und Industrieunternehmen (89 Prozent) verkauften mehrheitlich aktiv im oder ins Ausland, bei den kleinen Unternehmen und im Einzelhandel seien es immerhin bereits 39 Prozent. "Die genauere Analyse zeigt, dass hier noch Luft nach oben ist", erklärte der DIHK. Gerade kleine und mittlere Betriebe spürten noch viele Hindernisse. Die Befragten, die auf Auslandsvertrieb verzichten, verwiesen zu je einem Drittel auf hohe Versandkosten und rechtliche Unsicherheiten. Zollabwicklung, Steueraufwand und Zeitmangel seien weitere abschreckende Faktoren.
"27 verschiedene Verpackungs- und Elektroschrottbestimmungen innerhalb der EU und unterschiedliche Umsatzsteuerregelungen in jedem EU-Land, überfordern viele Unternehmen. Letztlich sehen sich Unternehmen daran gehindert, den Sprung in internationale Märkte zu wagen", sagte DIHK-Hauptgeschäftsführungsmitglied Ilja Nothnagel. Gerade auf europäischer Ebene solle Harmonisierung mehr als nur ein Schlagwort sein, insbesondere im Steuer- und Umweltrecht. Die Harmonisierung von Regeln im EU-Binnenmarkt solle forciert und ein internationales E-Commerce-Abkommen innerhalb der Welthandelsorganisation WTO vorangetrieben werden.
Wird der Schritt ins Ausland getan, rangieren laut der Umfrage die Nachbarländer ganz oben: 54 Prozent der befragten Unternehmen zählten Österreich zu ihren fünf umsatzstärksten Absatzmärkten. 37 Prozent nennen demnach die Schweiz, 35 Prozent Frankreich. Nicht-EU-Staaten wie die USA und China seien vor allem für Industrieunternehmen wichtige Absatzmärkte.?Der beliebteste Vertriebskanal für das Auslandsgeschäft sei der eigene Online-Shop. Ihn nutzten der Erhebung zufolge 54 Prozent der Betriebe, bei den Einzelhandelsunternehmen seien es sogar 81 Prozent.
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June 20, 2022 07:47 ET (11:47 GMT)