EU-Kommission senkt BIP-Prognosen für 2021
Von Hans Bentzien
FRANKFURT (Dow Jones)--Die EU-Kommission hat ihre Prognosen für die Wirtschaftsentwicklung des Euroraums im kommenden Jahr gesenkt. Wie sie im Rahmen ihrer Herbstprognose mitteilte, rechnet sie zwar für 2020 nur noch mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 7,8 (Sommerprognose: 8,7) Prozent, dafür wurde aber die Prognose für das BIP-Wachstum 2021 auf nur noch 4,2 (6,1) Prozent zurückgenommen.
Die Euroraum-Wirtschaft war im dritten Quartal unerwartet stark (plus 12,7 Prozent) gewachsen. Für das vierte Quartal deutet sich nun aber wegen neuer coronabedingter Lockdowns ein BIP-Rückgang an. Für 2022 wird ein BIP-Anstieg von 3,0 Prozent prognostiziert.
"Das Wiederaufflammen der Pandemie in den vergangenen Wochen hat zu Gegenmaßnahmen der Regierungen und Störungen des Wirtschaftslebens geführt", schreibt die EU-Kommission in ihrem Bericht. Die aktuellen Prognosen seien mit einer ungewöhnlich hohen Unsicherheit behaftet.
Ihre Prognosen für den Anstieg der Verbraucherpreise bestätigte die Kommission mit 0,3 und 1,1 Prozent. Für 2022 werden 1,3 Prozent Inflation erwartet.
Für Deutschland prognostiziert die Kommission BIP-Veränderungsraten von minus 5,6 (minus 6,3) Prozent, plus 3,5 (plus 5,3) Prozent und plus 2,6 Prozent. Frankreichs Wirtschaft wird demnach 2020 um 9,4 (10,6) Prozent schrumpfen, 2021 und 2022 aber um 5,8 (7,6) und 3,1 Prozent wachsen. Für Italien erwartet die Kommission jetzt Raten von minus 9,9 (minus 11,2) sowie plus 4,1 (plus 6,1) und plus 2,8 Prozent. Spaniens Wirtschaft wird nach Erwartung der EU-Kommission 2020 um 12,4 (10,9) Prozent schrumpfen, aber 2021 und 2022 um 5,4 (7,1) und 4,8 Prozent wachsen.
Die Kommission rechnet damit, dass die Haushaltsdefizite und Schuldenstände der Staaten zunehmen werden. Für 2020 werden ein aggregiertes Defizit von 8,8 (2019: 0,6) Prozent und eine Schuldenquote von 101,7 (85,9) Prozent erwartet.
Die EU-Kommission unterstellt in ihren Wachstumsprognosen, dass das Ausgabenprogramm "Next Generation EU" mit einem Volumen von 750 Milliarden Euro das BIP über die Programmlaufzeit bei voller Ausnutzung um bis zu 2 Prozent heben wird. Längerfristig dürfte das Programm über die direkte Nachfragewirkung hinaus auch das Produktionspotenzial verbessern.
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November 05, 2020 05:00 ET (10:00 GMT)