EZB/Rehn für Inflationsziel von glatt 2% und dynamische Reaktionsfunktion


Von Hans Bentzien

FRANKFURT (Dow Jones)--Das finnische EZB-Ratsmitglied Olli Rehn ist dafür, dass sich die Europäische Zentralbank (EZB) künftig an einem Inflationsziel von glatt 2 Prozent orientiert und auf Abweichungen von diesem Ziel dynamisch reagiert. "Ich würde es wichtig finden, dass unser Preisstabilitätsziel von der Öffentlichkeit als 'symmetrisch 2 Prozent' und nicht als 'unter 2 Prozent' verstanden wird", sagte Rehn bei der Eröffnung des 13. European SSM Round Table. Eine der Schlüsselfragen - wenn nicht die wichtigste Frage - der laufenden Strategieprüfung sei, wie die Inflationserwartungen wirksam verankert werden könnten.

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Rehn fügte hinzu: "Ich würde auch eine Reaktionsfunktion bevorzugen, die kraftvolle und ebenso wirksame geldpolitische Maßnahmen in Reaktion auf Abweichungen vom Ziel in jegliche Richtung ermöglichen würde. Das würde das erhöhte Risiko angemessen berücksichtigen, die effektive Zinsuntergrenze zu erreichen."

Die EZB prüft seit vergangenem Jahr ihre geldpolitische Strategie. Diese Prüfung soll laut Rehn "später im Jahr" abgeschlossen werden. "Die grundsätzlichen Gründe für diese Prüfung sind ein profunder struktureller Wandel in der Weltwirtschaft, darunter der Rückgang des natürlichen Gleichgewichtszinses und die Verflachung der Phillips-Kurve", sagte der Gouverneur der finnischen Zentralbank. Covid-19 und die außerordentlichen Umstände des vergangenen Jahres hätten die Notwendigkeit einer Prüfung der geldpolitischen Strategie unterstrichen.

Rehn zufolge wirkt sich Covid-19-Pandemie weiterhin negativ für die Lage und die wirtschaftlichen aus. "Es wird aber eine beschleunigte Erholung für die zweite Hälfte dieses Jahres erwartet, weil mehr und mehr Menschen Covid-19-Impfungen erhalten", sagte Rehn. Allerdings gebe es weiterhin große Abwärtsrisiken im Zusammenhang mit Virusmutationen und potenzielle Problemen bei der Verteilung der Impfstoffe. "Weil der Inflationsausblick im Euroraum gedämpft bleibt, muss das Wirtschaftswachstum weiter durch einen starken geldpolitischen Stimulus unterstützt werden."

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Rehn gilt als "geldpolitische Taube". Er ist also bereit, im Zweifelsfall etwas mehr Inflation zugunsten von mehr Wachstum zuzulassen. Auch andere Ratsmitglieder haben bereits ihre Präferenz für ein symmetrisches Inflationsziel erkennen lassen. Manche von ihnen würden allerdings eine Reaktionsfunktion vorziehen, die der EZB mehr Zeit für die geldpolitische Reaktion auf Abweichungen vom Inflationsziel gibt.

Kontakt zum Autor: hans.bentzien@dowjones.com

DJG/hab/apo

(END) Dow Jones Newswires

May 21, 2021 04:56 ET (08:56 GMT)

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