FSB: Großbanken haben weniger Finanzierungsvorteile
Von Hans Bentzien
FRANKFURT (Dow Jones)--Die weltweit größten und systemisch wichtigsten Banken haben keine so großen Finanzierungsvorteile gegenüber kleineren Instituten mehr wie vor der Großen Finanzkrise. Zu diesem Urteil kommt der Financial Stability Board (FSB) in seinem jetzt veröffentlichten Abschlussbericht zum Thema "Too big to fail". Darin stellt sich der FSB einerseits insgesamt ein gute Zeugnis aus. Er räumt aber andererseits ein, dass es durchaus noch Handlungsbedarf gebe und zudem Kritik aus der Wissenschaft am Erreichten und dessen Präsentation. Die Banken selbst dagegen äußerten sich befriedigt über die Reformfortschritte.
Investoren gehen von der Annahme aus, dass Staaten eine Bank umso weniger scheitern lassen werden, je größer und systemisch wichtiger sie ist. In der Großen Finanzkrise wurden etliche Banken mit Milliardensummen an Steuergeldern gerettet. Daraus ziehen diese Institute von jeher Kostenvorteile, weil Investoren weniger Risikozuschläge verlangen - beim Kauf von Aktien, von Anleihen, bei der Emission zusätzlicher Eigen- und Fremdkapitalinstrumente und bei Kreditversicherungen (CDS). Das liefert den Instituten einen Anreiz, noch größer zu werden, was ein Scheitern noch teurer macht.
"Too-big-to-fail"-Reformen machen Banken stabiler und abwickelbarer
Diesen Teufelskreis wollten die 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) durchbrechen, als sie den neu gegründeten FSB 2009 damit beauftragten, das Problem von "Too-big-to-fail" (TBTF) zu lösen. Zwölf Jahr später konstatiert der FSB: "Die TBTF-Reformen haben die Banken widerstandsfähiger und besser auflösbar gemacht und gesellschaftlichen Nutzen gestiftet." So hätten die Banken den Test der Covid-19-Krise bisher gut bestanden. Die Finanzierungsvorteile von Großbanken gegenüber kleineren Instituten und anderen Akteuren sind laut FSB deutlich niedriger als während der Finanzkrise, haben zuletzt aber gegenüber ihrem 2017 erreichten Tiefststand wieder etwas zugenommen.
Zugleich räumt der FSB ein, dass es noch einiges zu tun gibt: So seien die Reformen für eine glaubwürdige Abwickelbarkeit großer Banken noch nicht vollständig umgesetzt, was weiterhin einen Einsatz öffentlicher Mittel impliziere. Das gelte besonders für systemisch wichtige Institute (SIBs). Es brauche außerdem mehr öffentlich verfügbare Informationen über Abwicklungsrahmenpläne und Finanzierungsmechanismen, die Abwickelbarkeit von SIBs und Abwicklungsmaßnahmen.
Auch fehlen den Behörden laut FSB oft noch Informationen über die Auswirkungen von Bankenabwicklungen unter Beteiligung von Aktieninhabern und Anleiheläubigern ("Bail-in") für das Finanzsystem und die Volkswirtschaft.
Bankvertreter und Wissenschaftler kommen zu unterschiedlichen Einschätzungen
Die Reaktionen aus der Finanzindustrie und der Wissenschaft auf einen vorläufigen Bericht fielen sehr unterschiedlich aus. So fanden Vertreter von Banken und ihren Verbänden den Grundton des Berichts zu wenig positiv. "Ihrer Ansicht nach ist das TBTF-Problem bei Banken in einigen Ländern bereits gelöst, und das sollte der Bericht zum Ausdruck bringen", so der FSB.
Vertreter von Think Tanks und andere Akademiker bemängelten dagegen einen zu positiven Grundton. Ihrer Ansicht nach ist die wichtigste Aussage des Berichts, dass sich Großbanken weiterhin impliziter Subventionen erfreuten, was die Wettbewerbssituation zugunsten der SIBs verzerre.
Manche Kommentatoren hielten die Abwicklung eines einzelnen SIB für möglich, nicht aber, dass Regierungen mehrere von ihnen gleichzeitig scheitern lassen würden. "Sie argumentieren, dass der Bericht klarer zum Ausdruck bringen sollte, dass die TBTF-Reformen ihr Ziel verfehlt hätten und es deshalb neue Initiativen brauche."
Der FSB räumt ein, dass es im Zuge der Marktverwerfungen durch die Corona-Krise zu Rückschritten bei der angestrebten Auspreisung einer staatlichen Rettung von Großbanken gekommen sein könnte. Darauf deute die Entwicklung CDS-Spreads und anderer Finanzmarktgrößen hin.
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April 01, 2021 04:00 ET (08:00 GMT)