Handel sieht deutsche Wirtschaft am Scheideweg


BERLIN (dpa-AFX) - Der Einzelhandel sieht die deutsche Wirtschaft an einem Scheideweg und fordert eine breite Entlastung etwa bei Energiepreisen. Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland, erklärte, ein Industriestrompreis helfe dem Einzelhandel überhaupt nicht weiter. "Es muss darum gehen, allen Unternehmen am Standort Deutschland wirtschaftlich gute Rahmenbedingungen zu bieten." Strom und Energie müssten für alle Branchen erschwinglich sein. "So sollte deshalb beispielsweise die Stromsteuer auf das europäisch zulässige Minimum abgesenkt werden. Davon profitieren alle."

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Genth äußerte sich zu einer Debatte um Entlastungen für die Wirtschaft angesichts der Konjunkturflaute in Deutschland. Finanzminister Christian Lindner (FDP) will die Wirtschaft über ein Wachstumschancengesetz mit einem Steuerpaket um jährlich rund 6,5 Milliarden Euro entlasten. Kernelement ist eine Prämie für Investitionen in den Klimaschutz. Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hatte sich für weitergehende Entlastungen ausgesprochen. Er will einen staatlich subventionierten Industriestrompreis. Das lehnt die FDP aber ab.

Genth sagte, die Wirtschaft in Deutschland stehe an einem Scheideweg. "In vielen Branchen sind die Lage und die Aussichten schlecht. Im Einzelhandel rechnen wir mit dem Verlust von 9000 Geschäften im laufenden Jahr. In einem normalen Vor-Krisenjahr schlossen rund 5000 Geschäfte ihre Türen." Die Konsumstimmung sei schlecht und es gebe aktuell keine Anzeichen für eine schnelle und gründliche Erholung.

Gleichzeitig seien eigentlich gerade hohe Investitionen in die Zukunft der Handelsunternehmen unabdingbar. "Digitalisierung und Klimaschutz kosten Geld. Doch nach den Krisen der vergangenen Jahre mangelt es vielerorts an finanziellen Mitteln und Reserven, um diese überlebenswichtigen Investitionen anzugehen", so Genth. Er forderte zum Beispiel Nachbesserungen bei der Investitionsprämie sowie beim steuerlichen Verlustrücktrag./hoe/DP/zb

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