ifo-Institut: Deutsche Wirtschaft schrumpft 2023 um 0,4 Prozent
Von Andreas Kißler
BERLIN (Dow Jones)--Die deutsche Wirtschaftsleistung wird in diesem Jahr laut aktueller Prognose des ifo-Instituts um 0,4 Prozent schrumpfen. Das gab das Institut bekannt. Im Frühjahr hatte das Institut nur einen Rückgang um 0,1 Prozent erwartet. Im kommenden Jahr sehen die Forscher demnach eine Steigerung um 1,5 Prozent, zuvor hatten sie allerdings mit 1,7 Prozent gerechnet. Die Inflation werde langsam sinken von 6,9 Prozent 2022 auf 5,8 Prozent in diesem Jahr und dann auf 2,1 Prozent 2024.
"Die deutsche Wirtschaft arbeitet sich nur ganz langsam aus der Rezession heraus", sagte ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. "Wegen der hohen Inflation sinkt der private Konsum in diesem Jahr um 1,7 Prozent. Erst 2024 wird er wieder zunehmen, um 2,2 Prozent." Die Bauinvestitionen werden nach der Prognose noch schneller schrumpfen, nach minus 1,8 Prozent im vergangenen Jahr werden es demnach minus 2,2 Prozent in diesem Jahr und minus 3,2 Prozent im Jahr 2024 sein. Der Anstieg der Baupreise gehe nur langsam zurück und die Kreditzinsen würden hoch bleiben, sodass sich die Nachfrage nach Bauleistungen weiter verringern werde.
Das verarbeitende Gewerbe dürfte dank der hohen Auftragsbestände seine Produktion weiter moderat ausweiten und dann mit dem allmählichen Auslaufen der Lieferengpässe wieder deutlich kräftiger expandieren. Die Zahl der Arbeitslosen wird laut der Prognose zunächst von 2,42 Millionen auf 2,55 Millionen steigen und im kommenden Jahr wieder auf 2,45 Millionen sinken. Das entspreche einer Arbeitslosenquote von 5,3 und 5,5 Prozent in den Jahren 2023 und 2024, nach 5,3 Prozent im vergangenen Jahr.
Die Neuverschuldung des Staates sinke von 106 Milliarden Euro im Jahr 2022 auf 69 Milliarden in diesem und auf 27 Milliarden Euro im kommenden Jahr. Deutlich steigen werde dagegen der deutsche Leistungsbilanzüberschuss mit dem Ausland von 145 Milliarden auf 232 Milliarden Euro in diesem Jahr und sogar auf 269 Milliarden im kommenden. Das wären dann laut ifo-Institut 6,3 Prozent der Wirtschaftsleistung, mehr als der von der EU empfohlene Schwellenwert von 6,0 Prozent.
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June 21, 2023 04:30 ET (08:30 GMT)