ifo-Studie: Deutschland nur Mittelmaß bei Digitalisierung
BERLIN (Dow Jones)--Deutschland ist bei der Digitalisierung im internationalen Vergleich nur Mittelmaß, ergab eine Studie des Ifo-Instituts im Auftrag der IHK für München und Oberbayern. Besonders schlecht stehe Deutschland bei digitalen Dienstleistungen der öffentlichen Verwaltung da. Ifo appellierte an die künftige Regierung, die Defizite anzupacken.
Deutschland zeige bei der Digitalisierung "eine deutliche Tendenz zum Mittelfeld", sagte Ifo-Experte und Studienautor Oliver Falck. Digitale Anwendungskompetenzen seien zwar insgesamt gut verbreitet, bei den für Innovationen entscheidenden Spitzenkompetenzen schneide Deutschland aber deutlich schlechter ab. Die Autoren der Ifo-Studie fordern daher den Ausbau digitaler Kompetenzen im ganzen Bildungssystem, einen vereinfachten Regulierungsrahmen für die Digitalwirtschaft, weniger Bürokratie und bessere Zugänge zu Wagniskapital.
Damit Deutschland ein führendes Innovationsland bleibt, müsse die neue Bundesregierung die notwendigen Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche digitale Transformation setzen.
"Dabei geht es nicht um eine aktive Industriepolitik, sondern vielmehr um die Rahmenbedingungen und Voraussetzungen für digitale Geschäftsmodelle", heißt es in der Studie. "Die öffentliche Hand sollte selbst aktiv werden in Bezug auf das Angebot digitaler staatlicher Serviceleistungen, die Bereitstellung von Daten und die Nachfrage nach digitalen Innovationen durch die öffentliche Beschaffung."
Die Wirtschaft werde behindert durch einen zu engen Regulierungsrahmen für digitale Innovationen sowie fehlende digitale Kompetenzen. Verbreitete Datenschutz-Bedenken und schwacher digitaler Gründergeist bremsten den überfälligen digitalen Aufbruch.
Manko bei öffentlichen Behörden
Unterdurchschnittlich schneidet Deutschland im internationalen Vergleich des Ifo Instituts vor allem bei digitalen Dienstleistungen der öffentlichen Verwaltung ab. Nachholbedarf gebe es bei der Nutzerfreundlichkeit der digitalen öffentlichen Dienstleistungen, beim Datenaustausch zwischen den Behörden und bei den digitalen öffentlichen Dienstleistungen für Unternehmen. Hauptursachen hierfür seien fehlende Entscheidungskompetenzen in den föderalen Strukturen, mangelnde innovationsorientierte Beschaffung im öffentlichen Sektor und die fehlenden digitalen Kompetenzen in der öffentlichen Verwaltung.
Die Autoren der Ifo-Studie sehen einen großen Hebel in der besseren Anwendung digitaler Schlüsseltechnologien und Daten für neue Produkte und Dienstleistungen. Zu selten würden jedoch digitale Innovationen in marktfähige Geschäftsmodelle umgesetzt. Schwachpunkte seien dabei die seit Jahren rückläufige Gründungsrate in der IT-Branche sowie die untergeordnete Rolle stark skalierbarer, plattformbasierter Geschäftsmodelle.
IHK-Präsident Klaus Josef Lutz forderte Politik und Unternehmen auf, Deutschland bei der Digitalisierung voranzubringen.
"Damit Deutschland ein führendes Innovationsland bleibt, muss die Regierungskoalition jetzt dringend die notwendigen Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche digitale Transformation in den kommenden Jahren setzen", sagt IHK-Präsident Klaus Josef Lutz. "An etlichen Stellen liegt es allerdings auch an den Unternehmen selbst, die Chancen der Digitalisierung in ihrer ganzen Breite zu erkennen und zu nutzen."
Großer Nachhol-bedarf bestehe vor allem bei digitalen Dienstleistungen der öffentlichen Verwaltung sowie bei der digitalen Innovationsfähigkeit der Betriebe.
Kontakt zur Autorin: andrea.thomas@wsj.com
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November 23, 2021 03:43 ET (08:43 GMT)