IfW: Wohlstandsverluste von bis zu 3.500 Euro pro Kopf wegen Corona
BERLIN (Dow Jones)--Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) erwartet als Folge der Corona-Krise massive Wohlstandsverluste für jeden Bundesbürger. IfW-Präsident Gabriel Felbermayr sagte der Bild-Zeitung unter Hinweis auf den von der Bundesregierung erwarteten Konjunktureinbruch von 6,3 Prozent: "Wenn die Prognose der Bundesregierung eintreffen sollte, dann kostet das alle Deutschen - Kinder und Greise eingerechnet - pro Kopf 2.600 Euro. Es könnten aber auch 3.500 werden, wenn die Dinge schlecht laufen."
Felbermayr hält die Konjunkturprognose der Bundesregierung, die am Mittwoch veröffentlicht werden soll, für zu optimistisch: "Der Internationale Währungsfonds erwartet minus 7 Prozent und wir gehen davon aus, dass es bis 9 Prozent ins Negative gehen kann." Sollte das Virus zurückkommen und die Ansteckungszahlen stärkere Lockdown-Maßnahmen erforderlich machen, hält Felbermayr sogar einen Einbruch von mehr als 10 Prozent für möglich. "Es wird die heftigste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg sein."
Felbermayr hat die Sorge, dass Deutschland zu einseitig auf den Gesundheitsschutz setzte: "Mein Eindruck ist, dass die ökonomischen Schäden so groß werden, dass man sich ernsthaft fragen muss, ob wir nicht ein Stück weit übersteuert haben in den letzten Wochen und den Gesundheitsschutz überpriorisiert haben." Er stimme Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble zu: "Wir müssen die wirtschaftliche Dimension der Krise ernster nehmen. Eine kranke Volkswirtschaft kostet auch Leben."
Von den Beratungen der Bundeskanzlerin mit den Regierungschefs der Länder am kommenden Donnerstag erwartet der IfW-Präsident daher "einen klaren Plan, wie der Ausstieg aus dem Lockdown weitergehen soll. Das größte Problem für die Wirtschaft ist die Unsicherheit."
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April 27, 2020 04:55 ET (08:55 GMT)