IMK: Rezessionsrisiko erneut gesunken
Von Andreas Kißler
BERLIN (Dow Jones)--Das Risiko, dass die deutsche Wirtschaft in nächster Zeit in eine Rezession gerät, ist in den vergangenen Wochen trotz des stärkeren Corona-Infektionsgeschehens nach Berechnungen des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung noch einmal spürbar gesunken. In der Drei-Monats-Prognose für April bis Ende Juni zeige der Konjunkturindikator des Instituts eine mittlere Rezessionswahrscheinlichkeit von nur noch 6,5 Prozent an - nach 13,3 Prozent im März.
Die statistische Streuung im Indikator, ein Maß für die Unsicherheit von Wirtschaftsakteuren, habe ebenfalls deutlich abgenommen. Der nach dem Ampelsystem arbeitende Indikator schaltet daher laut IMK von "gelb-grün" (erhöhte konjunkturelle Unsicherheit) auf "grün" (keine Rezessionsgefahr). Grundsätzlich getragen werde die positive Entwicklung von der guten Auftragssituation im Produzierenden Gewerbe.
Dass sich die Aussichten für die Konjunktur in den letzten Wochen weiter aufgehellt hätten, liege aber vor allem an positiven Signalen von den Finanzmärkten: Der "Finanzmarkstress", den das IMK mit einem eigenen Indikator misst, sei zuletzt spürbar zurückgegangen. Weiter verkleinert habe sich auch die Zinsdifferenz zwischen Unternehmens- und Staatsanleihen (Spread), was auf günstigere Finanzierungsbedingungen für Unternehmen hindeute. Zudem habe sich laut dem Ifo-Geschäftsklimaindex die Stimmung in der deutschen Wirtschaft weiter verbessert.
Trotz der nunmehr sehr geringen Rezessionswahrscheinlichkeit mahnten die Experten des IMK aber weiterhin zu Wachsamkeit in der Wirtschaftspolitik. "Die derzeit positive Entwicklung der konjunkturellen Frühindikatoren ist aber mit Vorsicht zu interpretieren, da weiterhin die Gefahr besteht, dass die Corona-Krise tatsächlich mehr Schäden am Wirtschaftsgefüge hinterlässt als gegenwärtig in den aktuellen Daten sichtbar ist", sagte IMK-Konjunkturexperte Thomas Theobald. Das gelte insbesondere für Unternehmensinsolvenzen in den von der Pandemie betroffenen Bereichen personennaher Dienstleistungen. Deshalb bleibe es richtig und wichtig, "die staatlichen Stützungsmaßnahmen weiter aufrechtzuhalten".
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April 15, 2021 04:06 ET (08:06 GMT)