IMK: Rezessionswahrscheinlichkeit gestiegen, aber weiter gering
Von Andreas Kißler
BERLIN (Dow Jones)--Das Risiko, dass die deutsche Wirtschaft im Schlussquartal 2020 erneut in eine Rezession gerät, ist nach Berechnungen des Wirtschaftsforschungsinstituts IMK in den vergangenen Wochen etwas gestiegen, es bleibt demnach aber insgesamt gering. Das signalisiert der Konjunkturindikator des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung. In der Dreimonatprognose für Oktober bis Ende Dezember zeigt der Indikator eine mittlere Rezessionswahrscheinlichkeit von 12,6 Prozent an - nach 2,0 Prozent im September.
Dabei sei zu beachten, dass der Indikator auf der gängigen technischen Definition aufbaue, die eine Rezession als eine zweimalige aufeinander folgende Schrumpfung der Wirtschaftsleistung im Quartalsvergleich definiert. Da nach dem historisch einmaligen Einbruch des Bruttoinlandsprodukts im Frühjahr die Wirtschaft im Ende September abgelaufenen dritten Quartal wieder deutlich gewachsen sein dürfte, sei damit technisch die Rezession beendet worden, auch wenn sich die Ertragslage und die Kapazitätsauslastung der deutschen Wirtschaft in weiten Teilen noch auf Krisenniveau befänden.
Dementsprechend zeige das nach dem Ampelsystem arbeitende IMK-Frühwarnsystem derzeit "grün" an. Allerdings habe sich nicht nur die Rezessionswahrscheinlichkeit zuletzt moderat erhöht, auch die statistische Streuung im Indikator, die die Verunsicherung der Wirtschaftsakteure widerspiegle, habe zugenommen. "Das macht deutlich: Eine erneute Rezession ist sehr unwahrscheinlich, aber die Erholung verläuft uneinheitlich, die Krise ist längst nicht vorbei", sagte IMK-Experte Thomas Theobald.
Der moderate Anstieg der Rezessionswahrscheinlichkeit auf niedrigem Niveau beruht nach der Analyse der Ökonomen auf dem zuletzt leichten Rückgang der Produktion im verarbeitenden Gewerbe und einer geringfügigen Eintrübung der Finanzmarktindikatoren. So seien etwa die Prämien für Kreditausfallversicherungen zeitweilig gestiegen. Die neuen Indikatorergebnisse stützen nach Einschätzung des IMK dessen aktuelle Prognose, dass sich die konjunkturelle Erholung in Deutschland fortsetzt, sich aber im nächsten Jahr verlangsamt und eine Rückkehr zum Vorkrisenniveau erst Ende 2021 erreicht wird. Gleichzeitig blieben die Unsicherheit und die Risiken für einen Rückschlag hoch.
Kontakt zum Autor: andreas.kissler@wsj.com
DJG/ank/apo
(END) Dow Jones Newswires
October 15, 2020 03:42 ET (07:42 GMT)