Immobilienwirtschaft fordert Hilfsprogramm für Mieter und Vermieter


Von Andrea Thomas

BERLIN (Dow Jones)--Der Spitzenverband der deutschen Immobilienwirtschaft fordert vom Staat ein Hilfsprogramm für Mieter und Vermieter von Wirtschaftsimmobilien. Vor dem Bund-Länder-Treffen am morgigen Mittwoch zu möglichen Corona-Lockerungen warnte der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA), dass es der Branche mit jedem Tag des Shutdowns schlechter gehe. Das Hochfahren der Wirtschaft sei eine "Überlebenshilfe", erklärte der ZIA am Dienstag.

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Um die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise abzumildern schlägt der ZIA vor, dass Vermieter den Mietern auf Basis einer einvernehmlichen, partnerschaftlichen Vereinbarung bis zu 50 Prozent der monatlichen Miete erlassen können.

Bis Ende Juni 2021 sollen im Gegenzug Vermieter in diesen Fällen von der öffentlichen Hand durch eine Übernahme von 50 Prozent dieser Mietreduzierung in Form von Zuwendungen unterstützt werden. Das Hilfspaket soll allen Branchen im stationären Einzelhandel inklusive Gastronomie und Hotel offenstehen.

Vermieter verzichet auf bis zu 25 Prozent der Miete

Nach dem Modell zahlt der Mieter lediglich mindestens 50 Prozent der Miete, der Vermieter verzichtet im Gegenzug auf bis zu 25 Prozent der Miete und erhält durch die staatliche Unterstützung mindestens 75 Prozent der ursprünglichen Miete.

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"Die Belastungen für Mieter und Vermieter können so erheblich reduziert werden. Ebenso werden etablierte und gesunde Vertragsbeziehungen aufrechterhalten", sagte ZIA-Präsident Andreas Mattner. Gerade zum Erhalt des Handels, der Hotellerie und der Gastronomie als wichtige Impulsgeber für eine lebendige Stadt ist es nicht nur aktuell, sondern auch in Zukunft wichtig, an einem gemeinsamen Strang zu ziehen."

Kein Vermieter habe Interesse, auf Mieteinnahmen zu verzichten, aber manchmal sei es nicht anders möglich. Daher sei das Modell ein solidarischer Ansatz, so Andreas Hohlmann, Vorsitzender der ZIA-Task Force "Handel in Corona-Zeiten". Mit den Vorschlägen orientiert sich der Verband an ähnlichen Modellen in Schweden, Tschechien und Kanada.

Mietausfall von 70 Prozent im April

In den ersten vier Wochen des Shutdown habe der Handel 30 Milliarden Euro Umsatzverlust verzeichnet, im Hotel- und Gasgewerbe werde bis Ende Mai mit 18 Milliarden Euro Umsatzverlust gerechnet. Als Folge seien 70.000 gastgewerbliche Betriebe und 50.000 Handelsbetriebe existenzgefährdet. Die Vermieterseite hätten im April 70 Prozent der Mieten zum Vorjahreswert verloren.

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"Durch das vorgeschlagene Hilfsprogramm würden sich Vermieter, Mieter und öffentliche Hand für einen begrenzten Zeitraum von bis zu zwölf Monaten solidarisch die Mietlasten teilen und so der akuten Gefahr einer Insolvenz zu begegnen", sagte Hohlmann.

Nach spätestens drei Monaten würde einem Großteil der Vermietern "cashweise da ein Exodus" drohen. Denn das zu Beginn der Corona-Krise vereinbarte Mietmoratorium regelt, jedem Mieter, der direkt oder indirekt betroffen ist, drei Monate lang nicht gekündigt werden kann, wenn dieser nicht zahlt. "Das führt natürlich dazu, dass viele nicht zahlen", so Hohlmann. Für die Zeit danach brauche es neue Regelungen.

Kritik äußerte der ZIA an den unterschiedlichen Regelungen in den einzelnen Bundesländern. Besonders das bayerische Vorgehen sei fraglich, da dort viele Geschäfte geschlossen blieben. Der Staat müsse sich überlegen, was Deutschland die Lebendigkeit der Innenstädte wert sei.

Kontakt zur Autorin: andrea.thomas@wsj.com

DJG/aat/apo

(END) Dow Jones Newswires

May 05, 2020 04:57 ET (08:57 GMT)

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