IW: Staat glich 2022 und 2023 Großteil der Preisbelastungen aus
BERLIN (Dow Jones)--Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) konnte ein Großteil der hohen Preissteigerungen in den vergangenen Jahren durch staatliche Entlastungen ausgeglichen werden. "Allerdings erhielten auch diejenigen Hilfe, die keine gebraucht hätten", erklärte das IW. Noch nie habe der Staat so viel Geld zur Bewältigung einer Krise ausgegeben wie in den vergangenen zwei Jahren: 28 Maßnahmen habe die Bundesregierung auf den Weg gebracht, um ihre Bürger in der Krise zu entlasten - darunter Preisbremsen für Strom und Gas, das 9-Euro-Ticket und die Senkung der Energiesteuer auf Benzin und Diesel.
Unterm Strich haben die Pakete laut den Angaben rund 240 Milliarden Euro gekostet, zudem gab es für viele eine arbeitgeberfinanzierte steuerfreie Inflationsausgleichprämie von bis zu 3.000 Euro. Das habe "sich gelohnt", zeige die neue Studie: "Die Politik hat es geschafft, einen großen Teil der Belastungen abzufedern. Besonders Menschen mit geringem Einkommen haben von den staatlichen Entlastungen profitiert."
Eine vierköpfige Familie mit einem Jahresbrutto von 40.000 Euro muss laut IW dieses und vergangenes Jahr durch die Preisanstiege 5.388 Euro mehr zahlen. Relativ zum Nettoeinkommen lägen die Belastungen bei 7,6 Prozent im Jahr 2022 und 6,8 Prozent im Jahr 2023. Der Staat entlaste hier mit 8.543 Euro, das ergebe ein Plus von 3.155 Euro. Hauptgrund seien hierbei die Erhöhungen des Wohngelds und des Kinderzuschlags, die insbesondere Familien mit geringen Einkommen unterstützten.
Weniger staatliche Hilfe erhielten kinderlose Normalverdiener: Ein Single mit einem Einkommen von 45.000 Euro zahlte durch die Preisanstiege 2022 und 2023 laut IW insgesamt 3.360 Euro. Vom Staat gebe es 808 Euro Entlastungen, es bleibe eine Lücke von 2.552 Euro. Die größte Lücke bleibt laut IW bei Gutverdienern: Bei Singles mit einem Einkommen von 75.000 Euro bleibe nach staatlicher Entlastung eine Lücke von 2.861 Euro - sofern es vom Arbeitgeber keine Inflationsausgleichsprämie gebe. Bei Familien mit 120.000 Euro Jahreseinkommen bleibe eine Lücke von rund 6.000 Euro.
Die Berechnungen zeigten, dass der Staat sein Ziel durchaus erreicht habe, sagte IW-Steuerexperte Martin Beznoska: "Wer nur ein kleines Einkommen zur Verfügung hat, wurde durch die Preissteigerung besonders getroffen. Der Staat hat hier vor allem durch das Wohngeld für umfangreiche Entlastung gesorgt." Allerdings seien nicht alle Maßnahmen zielgenau gewesen: Teilweise hätten auch diejenigen profitiert, die eigentlich keine staatliche Hilfe gebraucht hätten, etwa ein Single mit einem überdurchschnittlichen Jahreseinkommen von 75.000 Euro. "Hier wäre künftig mehr Augenmaß sinnvoll", mahnte Beznoska.
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July 03, 2023 04:50 ET (08:50 GMT)