IW-Studie: Ungleichheit durch Corona nicht gewachsen


BERLIN (Dow Jones)--Die Corona-Pandemie und der Lockdown im Frühjahr haben laut einer Studie bislang nicht dazu geführt, dass die Ungleichheit bei den verfügbaren Einkommen in Deutschland zugenommen hat. Grund war die umfassende Hilfe des Staates, heißt es in einer neuen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Die Haushalte in den beiden niedrigsten Einkommenszehnteln haben in der Krise sogar etwas mehr Geld als im Vorjahr.

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Für die Studie hat das IW im August über 1.200 Personen zu ihren Einkommensänderungen durch die Corona-Pandemie befragt. Die Ergebnisse wurden mit Haushaltsbefragungsdaten des sozio-oekonomischen Panels kombiniert. Demnach sind die Markteinkommen der Haushalte in der Krise pro Person und Monat um durchschnittlich 107 Euro gesunken. Dazu zählen die Erwerbseinkommen aus abhängiger und selbstständiger Arbeit, aber auch Kapitaleinkommen und der Nettomietvorteil bei selbst genutzten Immobilien. Das verfügbare Einkommen - also jenes nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben, ergänzt um staatliche Transfers - hat sich dagegen nur um 12 Euro reduziert.

Die unteren zwei Dezile stehen trotz der beschriebenen Verluste in ihren verfügbaren Einkommen im Durchschnitt nicht schlechter da: Pro Kopf und Monat haben sie der Studie zufolge zwischen 9 bis 11 Euro (1,3 bis 1,4 Prozent) mehr verfügbar.

Das liege zum einen an den Anti-Krisenmaßnahmen der Politik - wie beispielsweise dem einmalig ausgezahlten Kinderbonus oder der Erhöhung des Steuerfreibetrags für Alleinerziehende. Aber auch sozialpolitische Änderungen, die bereits zum vergangenen Jahreswechsel wirksam wurden, stützten die Haushalte: Die Regelsätze zur Grundsicherung sind höher und beim Wohngeld und Kinderzuschlag gibt es mehr Leistungen.

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Auch das Kurzarbeitergeld hat laut Studie dazu beigetragen, dass sich die Ungleichheit bei den verfügbaren Einkommen trotz Pandemie und erstem Lockdown nicht erhöht hat. Tatsächlich scheine eher das Gegenteil der Fall zu sein, wie der Gini-Koeffizienten zeige. Das Verteilungsmaß kann demnach einen Wert zwischen 0 und 1 annehmen. Je höher es liegt, desto ungleicher ist Einkommen verteilt. Im Jahr 2020 lag der Koeffizient für die verfügbaren Einkommen nach Schätzungen der Simulationsstudie bei 0,289, zwei Jahre zuvor betrug er noch 0,293.

Anders sieht es bei den bedarfsgewichteten Markteinkommen aus: Hier ist der Gini-Koeffizient von 0,511 im Jahr 2018 auf 0,525 im Jahr 2020 gestiegen. "Ohne die staatlichen Maßnahmen hätten wir eine größere Ungleichheit als vor der Krise", erläutert Studienkoautor Maximilian Stockhausen. Entsprechend sinnvoll sei es, dass die Regierung auch in den nächsten Monaten nicht nachlasse, Firmen und Bürger zu unterstützen - so passgenau wie möglich, um unnötige Schulden und Fehlanreize zu vermeiden.

Am Donnerstag hatten auch das Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und das Ifo-Institut in einer gemeinsamen Studie ermittelt, dass das deutsche Sozialsystem die Einkommensverluste der Arbeitnehmer in der Corona-Krise erheblich gedämpft habe.

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Kontakt zur Autorin: petra.sorge@wsj.com

DJG/pso/apo

(END) Dow Jones Newswires

December 10, 2020 05:31 ET (10:31 GMT)

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