Kritik an Spahn zu Pannen bei Corona-Warn-App hält an
BERLIN (Dow Jones)--Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) steht wegen seiner Informationspolitik zu Problemen bei der Corona-Warn-App weiter in der Kritik. Es sei "dringend erforderlich, dass Minister Spahn eine Transparenzkultur in seinem Ministerium etabliert", sagte der digitalpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Jens Zimmermann, dem Handelsblatt. "Ich habe das Gesundheitsministerium am Freitag um eine dringende Unterrichtung über die Probleme mit der Corona App gebeten." Eine Antwort stehe noch immer aus. Er erwarte, dass der Digitalausschuss des Bundestages "zeitnah" über die aufgetretenen Probleme informiert werde.
Am Sonntagabend hatten Vertreter der Bundesregierung und der App-Entwicklerfirmen technische Fehler bei der Corona-Warn-App eingeräumt. Der Austausch der Schlüssel von positiv getesteten Nutzern funktionierte demnach bei einigen Nutzern nicht immer automatisch im Hintergrund, sondern nur, wenn sie die App einmal geöffnet hatten, erklärten Kanzleramtschef Helge Braun (CDU), Spahn, Telekom-Chef Timotheus Höttges und SAP-Vorstandssprecher Christian Klein. Sowohl Handys mit Android-Betriebssystem wie Samsung und Huawei als auch iPhones waren wochenlang von der Panne betroffen. Das Entwicklerteam habe nun aber einen Weg gefunden, die Einschränkungen zu umgehen, hieß es in der gemeinsamen Mitteilung.
Kritik kam auch aus der Wirtschaft. "Das Bundesgesundheitsministerium muss nun genauestens erklären, was möglicherweise nicht optimal funktioniert hat und weiter dafür werben, dass die App installiert und genutzt wird", sagte der Geschäftsführer des Bundesverbands Digitale Wirtschaft (BVDW), Marco Junk, dem Handelsblatt. "Der Fokus muss jetzt auf transparenter Kommunikation liegen. Diese sollte Vertrauen stiften und zur Nutzung motivieren."
Junk fürchtet angesichts der App-Probleme um die Akzeptanz für die Anwendung. Zwar sei es nicht überraschend, "dass bei einem so ambitionierten Projekt, für das es in dieser Größenordnung keinen Vergleich gibt, bei der Vielfalt der Smartphone-Landschaft und Betriebssysteme nicht sofort alles perfekt ineinandergreift". Dennoch wirke das Ausmaß der Berichterstattung über Probleme mit der App auf einen gewissen Teil der Nutzer "wahrscheinlich nicht vertrauenerweckend". BVDW-Geschäftsführer Junk betonte, dass die App an sich ihre Aufgabe erfülle. "Das Problem betrifft allein die Aktualisierung ohne Aufruf der App."
Kontakt zur Autorin: petra.sorge@wsj.com
DJG/pso/jhe
(END) Dow Jones Newswires
July 27, 2020 05:34 ET (09:34 GMT)
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