MÄRKTE EUROPA/EZB wirkt positiv nach - EnBW-Aktie unter Druck


Von Steffen Gosenheimer

FRANKFURT (Dow Jones)--Freundlich ist die Stimmung am Freitag kurz nach Handelsbeginn an den europäischen Börsen. Diese verdauen die historische Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) mit der stärksten Zinserhöhung um 75 Basispunkte seit Einführung des Euro.

Werbung

Der XDAX gewinnt 0,8 Prozent auf 13.013 Punkte, der Euro-Stoxx-50 legt um 0,9 Prozent zu auf 3.545 Zähler. Am Devisenmarkt ist der Euro nach der Zinserhöhung weiter auf dem Weg nach oben und wieder deutlicher über die Parität zum Dollar gestiegen mit 1,0093. Allerdings profitiert er auch von einer Schwäche des Dollar, abzulesen am ebenfalls deutlich zulegenden Yen, der zuletzt auf ein 24-Jahrestief gefallen war.

Die positive Einschätzung des großen EZB-Schritts rührt daher, dass er von vielen Marktteilnehmern zum einen als längst überfälliges und zugleich entschiedenes Vorgehen gegen die viel zu hohe Inflation gewertet wird. Zudem kam die EZB damit der am Markt vorherrschende Erwartung nach, was bereits die positive Reaktion der Aktien am Donnerstagnachmittag zeigte.

Zweischneidige Preisdaten aus China - Energieminister beraten

Konjunkturseitig werden niedriger als erwartet ausgefallene Inflationsraten aus China zweischneidig gesehen. Einerseits gäben sie Spielraum für Stimuli der schwächelnden Wirtschaft, andererseits belegten sie eben diese Schwäche, sagen Marktteilnehmer.

Werbung

Im Blick haben dürften die Börsianer das Treffen der für Energie zuständigen Minister der EU-Länder über ein schnelles Vorgehen gegen die explodierenden Strom- und Gaspreise. Die EU-Kommission schlägt unter anderem eine Umverteilung übermäßiger Gewinne von Stromerzeugern an die jeweiligen Mitgliedstaaten vor. Bei dem Dringlichkeitstreffen wird es zudem voraussichtlich um einen von Kommissionschefin Ursula von der Leyen vorgeschlagenen Preisdeckel für Gasimporte aus Russland gehen.

In die Thematik passt, dass der mehrheitlich zum Energieversorger EnBW gehörende Leipziger Gashändler VNG Hilfen aus der Gasumlage benötigt. Das Unternehmen stellt daher einen Antrag auf Stabilisierungsmaßnahmen nach dem Energiesicherungsgesetz beim Bundeswirtschaftsministerium. Für die wenig gehandelte EnBW-Aktie geht es darauf um rund 6 Prozent nach unten. Die Aktie des in dieser Hinsicht mit den größten Problemen kämpfenden Uniper-Konzerns erholt sich derweil um gut 7 Prozent. Hilfreich dabei dürfte der aktuell wieder um 4 Prozent sinkende europäische Gaspreis sein.

Der Stoxx-Subindex der Versorger rangiert mit einem Miniminus bei den Branchen ganz am Ende. Mit weitem Abstand Tagesgewinner sind die Rohstoffaktien, deren Subindex um rund 3 Prozent anzieht.

Werbung

Unternehmensseitig ist die Nachrichtenlage ansonsten dünn. Als leicht positive Sentiment-Story werten Händler die Ankündigung von T-Mobile US, einen Vorratsbeschluss für den Rückkauf von eigenen Aktien im Volumen von bis zu 14 Milliarden Dollar getroffen zu haben. Deutsche Telekom gewinnen 1,8 Prozent.

Leicht positiv für Novartis (+0,1%) werten Händler die Nachricht, dass das Krebsmedikament Kisqali ein Jahr lebensverlängernd wirkt, unter anderem gegen Brustkrebs.

London handelt nach Tod der Queen normal

Thema am Markt, vor allem in Großbritannien, ist auch der Tod von Queen Elizabeth. Nicht, was die kurzfristige Kursfindung betrifft, sondern mögliche Terminprobleme. Der Beisetzungstermin - wohl zwischen dem 18. und 20. September - könnte mit dem großen Verfalltag an den internationalen Börsen bzw. den danach folgenden Lieferverpflichtungen kollidieren, sollte die Londoner Börse an diesem Tag geschlossen bleiben, heißt es aus dem Handel. Am Freitag wird dort normal gehandelt, der FTSE gewinnt im europaweit freundlichen Kontext 1,1 Prozent.

===

Aktienindex zuletzt +/- % absolut +/- % YTD

Euro-Stoxx-50 3.545,31 +0,9% 32,93 -17,5%

Stoxx-50 3.512,85 +0,7% 23,13 -8,0%

DAX 13.013,30 +0,8% 108,98 -18,1%

MDAX 25.510,70 +1,5% 384,62 -27,4%

TecDAX 2.982,29 +0,9% 27,28 -23,9%

SDAX 11.881,86 +1,1% 131,49 -27,6%

FTSE 7.336,35 +1,0% 74,29 -1,7%

CAC 6.169,16 +0,7% 43,26 -13,8%

Rentenmarkt zuletzt absolut +/- YTD

Dt. Zehnjahresrendite 1,77 +0,05 +1,95

US-Zehnjahresrendite 3,31 -0,01 +1,80

DEVISEN zuletzt +/- % Fr, 8:14 Do, 17:23 % YTD

EUR/USD 1,0110 +1,1% 1,0065 0,9967 -11,1%

EUR/JPY 143,74 -0,2% 143,90 143,38 +9,8%

EUR/CHF 0,9697 -0,1% 0,9713 1,0285 -6,5%

EUR/GBP 0,8690 -0,0% 0,8684 0,8665 +3,4%

USD/JPY 142,15 -1,4% 142,97 143,88 +23,5%

GBP/USD 1,1634 +1,1% 1,1591 1,1503 -14,0%

USD/CNH (Offshore) 6,9222 -0,6% 6,9404 6,9635 +8,9%

Bitcoin

BTC/USD 20.643,21 +6,8% 20.539,74 19.307,25 -55,4%

ROHÖL zuletzt VT-Settlem. +/- % +/- USD % YTD

WTI/Nymex 84,15 83,54 +0,7% +0,61 +18,6%

Brent/ICE 89,72 89,15 +0,6% +0,57 +21,3%

GAS VT-Settlem. +/- EUR

Dutch TTF 208,19 220,54 -5,6% -12,35 +261,8%

METALLE zuletzt Vortag +/- % +/- USD % YTD

Gold (Spot) 1.728,39 1.707,50 +1,2% +20,89 -5,5%

Silber (Spot) 18,89 18,60 +1,5% +0,29 -19,0%

Platin (Spot) 888,15 882,73 +0,6% +5,43 -8,5%

Kupfer-Future 3,61 3,54 +2,1% +0,07 -18,6%

YTD bezogen auf Schlussstand des Vortags

===

Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com

DJG/gos/flf

(END) Dow Jones Newswires

September 09, 2022 03:45 ET (07:45 GMT)

Werbung