MÄRKTE EUROPA/Gut behauptet - Kursdebakel bei Delivery Hero


FRANKFURT (Dow Jones)--Während die Berichtssaison in Europa tobt, zeigen sich die Aktien-Indizes stabil. Die Musik spielt in den Einzelwerten, und hier vor allem beim DAX-Unternehmen Delivery Hero. Die Aktie verliert nach enttäuschendem Ausblick und Zahlen 29,7 Prozent, gut 5 Milliarden Euro an Marktkapitalisierung verschwinden damit. Das sieht man nicht häufig bei den Unternehmen der DAX-Familie. Das Gegengewicht im DAX liefert Siemens, der Kurs des Index-Schwergewichts gewinnt nach starken Geschäftszahlen 5,1 Prozent auf 145,14 Euro. Der DAX notiert am Nachmittag 0,4 Prozent höher bei 15.541 Punkten. Der Euro-Stoxx-50 gewinnt 0,1 Prozent auf 4.209 Punkte.

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Für eine kurze "Kursdelle" sorgten am Nachmittag die Inflationsdaten aus den USA. Hier stieg die Inflationsrate erneut an und liegt mit 7,5 Prozent auf dem höchsten Stand seit annähernd 40 Jahren. Dabei hat sich auch die Kernteuerung weiter erhöht und die Konsensschätzung übertroffen. Zwar dürfte nach Einschätzung der Helaba das Inflationshoch allmählich erreicht sein, dennoch stehe die Fed unter Druck, von ihrem expansiven Kurs abzurücken. Die Zinserhöhungserwartungen seien schon weit gediehen und bis zum Ende dieses Jahres insgesamt fünf Schritte um jeweils 25 Basispunkte eskomptiert.

Recht lehrbuchmäßig reagieren die Börsen auf die erwartet schnellere Gangart bei der Anhebung der US-Zinsen durch die Fed. Während in den USA in Folge der über die Erwartungen gestiegenen Verbraucherpreise die Marktrendite der zehnjährigen Treasuries um erstmals seit Juli 2019 wieder auf die Marke von 2 Prozent kletterte, fällt in Europa der Sektor der Technologiewerte um 0,7 Prozent, für den Sektor der Banken geht es dagegen um 0,2 Prozent nach oben.

Kurs von Delivery Hero zurück auf Vor-Pandemie-Niveau

Der Kurs von Delivery Hero markiert den tiefsten Stand seit dem Ausbruch der Pandemie. Die Zahlen liegen für das Geschäftsjahr 2021 laut Davy leicht unter der zwei Mal angehobenen Unternehmensprognose. Zum Ausblick 2022 bemerken die Analysten, dass dieser "etwas vage" sei. Alles in allem wird dem Unternehmen an der Börse nicht mehr die hohe Bewertung der Vergangenheit gewährt, nachdem das Wachstumstempo der vergangenen 24 Monate nun Vergangenheit ist.

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Positiv wird dagegen die Geschäftsentwicklung bei Siemens eingestuft. Jefferies attestiert dem Konzern ein ausgezeichnetes Auftaktquartal, in dem viele Kennziffern die Erwartungen überträfen: Die Aufträge seien um gut ein Drittel höher als kalkuliert, der Umsatz um 3 Prozent, das bereinigte industrielle EBITA um 8 Prozent. "Die Zahlen liegen in der Breite deutlich über den Erwartungen", sagt ein Händler. Heraus steche vor allem der starke Auftragseingang. "Der legt die Grundlage für eine weiter starke Entwicklung".

Linde gewinnen 3,7 Prozent. Umsatz und Gewinnkennziffern liegen über den Prognosen, "solide Zahlen", wie ein Händler sagt. "Nach Siemens überrascht damit ein zweites Index-Schwergewicht im DAX positiv", so ein weiterer Marktteilnehmer.

Deutsche Börse geben 1,2 Prozent ab. Der Börsenbetreiber hat zwar die Umsatz- und Ergebniserwartungen geschlagen, aber auch die Kosten liegen über den Erwartungen. Die Ziele für das abgelaufene Jahr wurden erreicht. Auch der Ausblick entspricht den Erwartungen. Die Citigroup sieht wenig Aufwärtspotenzial bei den Marktschätzungen.

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SocGen und Credit Agricole stark - Credit Suisse schwach

Daneben stehen erneut die Banken im Blickpunkt. Societe Generale ziehen nach starken Geschäftszahlen um 3,4 Prozent an. Die französische Bank hat ihren Gewinn im vierten Quartal bei höheren Erträgen stärker als erwartet gesteigert. Zudem wurden eine Dividende sowie ein Aktienrückkaufprogramm an.

Credit Agricole legt nach ihren Zahlen um 1,5 Prozent zu. Die Bank hat im vierten Quartal unter anderem dank geringerer Rückstellungen für notleidende Kredite deutlich mehr verdient als im Vorjahr. Für das laufende Jahr rechnet die Bank zwar mit einer Verlangsamung beim Wachstum, betonte aber, dass sich das Institut weiterhin stark entwickeln dürfte.

Dagegen fallen Credit Suisse um 6,7 Prozent, nachdem der Verlust im Schlussquartal die Befürchtungen sogar noch übertroffen hat. Mit Unilever geht es um 1,3 Prozent nach unten. Die hohen Einkaufspreise drücken auf die Margen des Lebensmittelkonzerns.

Arcelormittal (-0,5%) hat im vierten Quartal von höheren Stahlpreisen und Liefermengen profitiert. Europas größter Stahl-Konzern zeigte sich zudem zuversichtlich für das laufende Jahr.

Etwas über den Erwartungen liegen die Quartalszahlen von Thyssenkrupp, wie ein Marktteilnehmer sagt. Das gelte für den Umsatz und das bereinigte EBIT. "Allerdings ist auch der Cashflow wie befürchtet noch negativer geworden", sagt er. Der Ausblick bewege sich im Rahmen der Erwartungen, so dass stärkere Impulse von dem Bericht nicht zu erwarten seien. Der Kurs gibt um 0,3 Prozent nach.

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Aktienindex zuletzt +/- % absolut +/- % YTD

Euro-Stoxx-50 4.208,78 +0,1% 4,69 -2,1%

Stoxx-50 3.794,92 +0,3% 9,47 -0,6%

DAX 15.541,09 +0,4% 59,08 -2,2%

MDAX 33.676,58 -0,3% -104,10 -4,1%

TecDAX 3.402,56 -1,0% -35,73 -13,2%

SDAX 15.182,33 +0,0% 7,09 -7,5%

FTSE 7.676,90 +0,4% 33,48 +3,5%

CAC 7.111,24 -0,3% -19,64 -0,6%

Rentenmarkt zuletzt absolut +/- YTD

Dt. Zehnjahresrendite 0,25 +0,04 +0,43

US-Zehnjahresrendite 1,98 +0,03 +0,47

DEVISEN zuletzt +/- % Do, 8:33 Uhr Mi, 17:02 Uhr % YTD

EUR/USD 1,1427 +0,0% 1,1423 1,1429 +0,5%

EUR/JPY 132,58 +0,5% 132,08 131,94 +1,3%

EUR/CHF 1,0575 +0,2% 1,0553 1,0557 +1,9%

EUR/GBP 0,8414 -0,3% 0,8437 0,8436 +0,1%

USD/JPY 116,04 +0,4% 115,62 115,44 +0,8%

GBP/USD 1,3579 +0,3% 1,3538 1,3549 +0,4%

USD/CNH (Offshore) 6,3578 -0,1% 6,3585 6,3667 +0,1%

Bitcoin

BTC/USD 45.112,71 +1,1% 44.038,07 43.746,51 -2,4%

ROHÖL zuletzt VT-Settl. +/- % +/- USD % YTD

WTI/Nymex 90,97 89,66 +1,5% 1,31 +21,5%

Brent/ICE 92,35 91,55 +0,9% 0,80 +19,1%

METALLE zuletzt Vortag +/- % +/- USD % YTD

Gold (Spot) 1.834,21 1.833,40 +0,0% +0,81 +0,3%

Silber (Spot) 23,51 23,35 +0,7% +0,16 +0,9%

Platin (Spot) 1.040,15 1.038,15 +0,2% +2,00 +7,2%

Kupfer-Future 4,68 4,60 +1,6% +0,07 +4,8%

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Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com

DJG/thl/ros

(END) Dow Jones Newswires

February 10, 2022 10:14 ET (15:14 GMT)

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