Merkel will härteren Lockdown mit Geschäftschließungen
Von Andrea Thomas
BERLIN (Dow Jones)--Bundeskanzlerin Angela Merkel hat am Mittwoch eindringlich für einen härteren Lockdown plädiert, um die Zahl der Corona-Infektionen und die Todesfälle zu reduzieren. Dazu gehöre neben den Kontaktreduzierung auch die Schließung von Geschäften nach Weihnachten bis zum 10. Januar. Auch plädierte sie für längere Weihnachtsferien.
In einer Rede vor dem Deutschen Bundestag stellte sie sich damit hinter die Empfehlungen der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, die zuvor einen harten Lockdown über die Feiertage bis zum 10. Januar 2021 gefordert hatte, in dem das öffentliche Leben in ganz Deutschland ruhen sollte.
"Wir müssen alles tun, dass wir nicht wieder in ein exponentielles Wachstum kommen", so Merkel. "Die Zahl der Kontakte ist zu hoch, die Reduktion der Kontakte ist nicht ausreichend."
Auch plädierte sie für ein Herunterfahren des öffentlichen Lebens noch vor Weihnachten mit einem Schulferienbeginn bereits am 16. statt am 19. Dezember. "Wenn wir jetzt vor Weihnachten zu viele Kontakte haben und anschließend es das letzte Weihnachten mit den Großeltern war, dann werden wir etwas versäumt haben. Das sollten wir nicht tun", sagte Merkel. Die Schulferien sollten dann auch länger dauern, so Merkel.
Das Robert-Koch-Institut hat am Mittwoch eine neue Rekordzahl der an oder mit Covid-19 Verstorbenen genannt. Danach haben die Gesundheitsämter 590 neue Todesfälle gemeldet, die Zahl der Neuinfizierten lag bei 20.815, ein deutlicher Anstieg gegenüber der Vorwoche.
Keine schnellen Fortschritte wegen Impfungen
Deutschland befinde sich in einer entscheidenden Phase der Pandemie-Bekämpfung, und die zweite Welle sei schmerzhafter als die erste, so die Kanzlerin. Eine Menge sei bereits erreicht worden.
Aber Merkel warnte dennoch davor, zu viel Hoffnung in eine schnelle Verbesserung der Corona-Lage wegen der Impfstoffe zu setzen. "Wir werden im ersten Quartal noch nicht so viele Impfungen durchführen können, dass wir eine signifikante Änderung der Situation in der Bevölkerung spüren können", so Merkel. Dennoch betonte sie, dass Licht am Ende des Tunnels zu sehen sei.
Hohe Schulden für besonderes Handeln nötig
In ihrer Rede verteidigte Merkel auch die hohe Neuverschuldung der Bundesregierung. Es sei wichtig, dass Deutschland aus nach der Corona-Krise im internationalen Wettbewerb mithalten könne. Denn während der Pandemie würden die Kräfteverhältnisse neu geordnet.
"Wir müssen etwas dafür tun, dass wir in dieser besonderen Situation auch besonders handeln. Und das drückt dieser Haushalt aus", sagte Merkel in der Haushaltsdebatte des Deutschen Bundestags.
Die Bundesregierung plant für das Jahr 2021 Ausgaben von insgesamt 498,62 Milliarden Euro, wobei 179,82 Milliarden über neue Schulden finanziert werden sollen. Mit den Geldern will die Regierung die Corona-Hilfsmaßnahmen finanzieren.
(Mitarbeit: Petra Sorge)
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December 09, 2020 04:29 ET (09:29 GMT)