Chemische Industrie: Grünen-Wahlprogramm nimmt Wirtschaft nicht mit
Die deutsche Chemie- und Pharmaindustrie wirft den Grünen vor, mit dem Nachhaltigkeitskurs in ihrem Wahlprogramm der Wirtschaft zu schaden.
Vor allem den angekündigten Industriepakt bilde das Programm nur oberflächlich ab, erklärte der Verband der Chemischen Industrie (VCI). Auch fehlten unverändert die richtigen Rezepte, um die Transformation der deutschen Industrie angemessen zu unterstützen. Damit sei das politische Konzept theoretisch gut gedacht, enthalte aber nicht die notwendigen Konturen für eine belastbare Umsetzung.
"Die Grünen wollen einen mutigen Weg hin zu mehr Nachhaltigkeit gehen. Dafür haben sie Chemie und Pharma an ihrer Seite. Leider sieht es aber nicht so aus, als ob sie Deutschlands drittgrößten Industriezweig mitnehmen wollen", erklärt Wolfgang Große Entrup, Hauptgeschäftsführer des VCI. "Beispiele dafür sind Vorbehalte und Verbote gegen chemische Produkte, kompliziertere Genehmigungsverfahren und neue Steuern. Werden diese Ideen umgesetzt, bleibt manches Unternehmen auf der Strecke. Die negativen Auswirkungen für den Standort Deutschland überwiegen."
Damit die Transformation der Wirtschaft gelingen könne, müsse eine zukünftige Regierung die Unternehmen durch schlüssige politische Rahmenbedingungen und eine starke Unterstützung begleiten, mahnte der VCI.
Im Wahlprogramm der Grünen behielten pauschale Vorbehalte zur Industrie die Oberhand über innovative Zukunftsvisionen. Die chemische Industrie verfolge aber schon lange das Prinzip der Nachhaltigkeit. Um eine nachhaltige Entwicklung der Gesellschaft zu realisieren seien ein "deutlich innovationsfreundlicherer Rahmen" notwendig, als im Wahlprogramm der Grünen sichtbar werde, so Große Entrup.
BERLIN (Dow Jones)