Uniper-Aktie deutlich höher: Zuversichtlicher aufs Gesamtjahr dank Gashandel
Der Energiekonzern Uniper blickt nach den ersten sechs Monaten mit mehr Zuversicht auf das Gesamtjahr.
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Die Ergebnisprognosen würden bestätigt und die jeweiligen Untergrenzen angehoben, teilte das Unternehmen am Dienstag in Düsseldorf mit. Im ersten Halbjahr schob vor allem das Gasgeschäft die Ergebnisse an. Abseits der klassischen Energieerzeugung schreiten bei den Düsseldorfern derweil die Pläne voran, Rechenzentren an Kraftwerksstandorten anzusiedeln.
Für das um Sondereffekte bereinigte operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) erwartet Uniper 2026 nun 1,1 bis 1,3 Milliarden Euro und damit am unteren Ende 100 Millionen Euro mehr. Der bereinigte Nettogewinn soll zwischen 500 und 600 Millionen Euro liegen, was im schlechtesten Fall 150 Millionen Euro mehr wären als zuvor erwartet.
Im zweiten Quartal setzte sich die positive Dynamik aus dem ersten Jahresviertel fort. So erwirtschaftete Uniper zum ersten Halbjahr im Tagesgeschäft mit 711 Millionen Euro fast 90 Prozent mehr operatives Ergebnis als im Vorjahreszeitraum. Dabei profitierten die Düsseldorfer von einem starken Gasgeschäft, weil in diesem Bereich im laufenden Jahr kostenintensive Umbaumaßnahmen wegfallen. Belastend wirkte hingegen die ungeplante Nichtverfügbarkeit eines schwedischen Atomkraftwerks. Der bereinigte Gewinn des Konzerns verdreifachte sich nahezu auf 388 Millionen Euro.
Pläne für Rechenzentren an Kraftwerksstandorten
Bei der Zahlenvorlage konkretisierte der Energiekonzern auch seine Pläne, künftig auch mit der Ansiedlung von Rechenzentren an Kraftwerksstandorten Geld zu verdienen. "Wir entwickeln damit unsere Kraftwerksstandorte weiter zu Standorten für die KI-Wirtschaft", sagte Vorstandschef Michael Lewis in Düsseldorf.
"Mehr als zehn eigene Standorte mit geeigneter Infrastruktur haben wir entlang der europäischen Daten-Hubs bereits identifiziert." Drei Projekte befänden sich in fortgeschrittener Entwicklung. "Ein erstes Projekt in Großbritannien haben wir schon abgeschlossen, weitere Investitionsentscheidungen erwarten wir im Verlauf dieses Jahres", so Lewis weiter.
Die nächste industrielle Revolution werde von Künstlicher Intelligenz angetrieben. "Und auch die beste KI braucht am Ende eines: sichere und verlässlich verfügbare Energie", sagte Lewis. Der Flaschenhals für den Bau neuer Rechenzentren seien Netzanschlüsse. "Die Entwickler warten in Deutschland oft Jahre auf Anschlusszusagen - wir haben die Anschlüsse bereits an vielen unserer Kraftwerksstandorte."
Auch der Energiekonzern RWE entwickelt Rechenzentren auf eigenen Industriestandorten. Rund zehn Standorte sind nach RWE-Angaben in der Entwicklung.
Uniper gehört noch dem Bund
Uniper war als größter deutscher Gasimporteur 2022 in Schieflage geraten, als Russland nach dem Angriff auf die Ukraine kein Gas mehr lieferte. Deutschland rettete das Unternehmen mit Milliarden-Beihilfen und wurde quasi Alleineigentümer. Der Bund hat den Wiederverkauf jüngst in die Wege geleitet, dürfte sich aber zunächst noch nicht vollständig von den Anteilen trennen. Auch ein Börsengang ist im Gespräch.
Uniper zählt bei Stromerzeugung und Gashandel zu den größten Energieunternehmen Europas. Der Konzern betreibt unter anderem Steinkohle- und Gaskraftwerke in Deutschland, Großbritannien und Schweden. Strom erzeugt Uniper auch aus Wasserkraft. In Schweden ist Uniper Mehrheitseigentümerin eines Atomkraftwerks. In Deutschland ist das Unternehmen zudem größter Betreiber von Gasspeichern.
Bund fordert wohl Kaufinteressenten zu Geboten für Uniper auf
Die Bundesregierung treibt die Privatisierung des Düsseldorfer Energiekonzerns Uniper voran. J.P. Morgan und UBS haben nach Informationen der Börsen-Zeitung im Auftrag des Bundesfinanzministeriums einen "Process Letter" an mehr als ein Dutzend Kaufinteressenten verschickt. Bis zum 21. September werden darin unverbindliche Angebote für Uniper insgesamt erbeten - inklusive Gashandel und Stromerzeugung.
Uniper-CEO Michael Lewis wollte sich in der Halbjahrespressekonferenz zu allen Fragen rund um die Privatisierung nicht äußern und verwies auf den Bund als Eigentümer.
Laut Zeitungsbericht müssten die Bieter Standortgarantien abgeben und auf betriebsbedingte Kündigungen für die rund 7.000 Beschäftigten des Konzerns verzichten. Finanzkreise taxierten den Wert von Uniper, der noch etwa mit einem Prozent an der Börse notiert ist, mit 13,5 Milliarden Euro.
Deutschland muss seine mehr als 99-prozentige Uniper-Beteiligung bis 2028 auf eine Sperrminorität von 25 Prozent plus eine Aktie absenken, um eine Selbstverpflichtung gegenüber der EU-Kommission zu erfüllen. Uniper war Ende 2022 verstaatlicht worden, um eine sichere Pleite abzuwenden. Das Unternehmen war durch den sprunghaften Anstieg der Gaspreise nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine finanziell in Schieflage geraten.
Bieter, die nicht für die kompletten 75 Prozent bieten, sollen laut Zeitungsbericht darlegen, wie sie den Bund bei der Reduzierung der Beteiligung bis 2028 (NICHT 2025) unterstützen könnten. Denkbar wäre hier ein Börsengang. Mit den Vorbereitungen für ein Re-IPO als prinzipielle Alternative oder Ergänzung zum vorgeschalteten Verkaufsprozess sind laut Börsen-Zeitung Citigroup und Deutsche Bank befasst.
Die Uniper-Aktie notiert im XETRA-Handel zeitweise 5,59 Prozent höher bei 46,25 Euro.
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DÜSSELDORF (dpa-AFX) / DOW JONES
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