Rehn: EZB sollte Überschießen der Inflation zulassen
Von Hans Bentzien
FRANKFURT (Dow Jones)--Die Europäische Zentralbank (EZB) sollte nach Aussage des finnischen EZB-Ratsmitglieds Olli Rehn dem Beispiel der US-Notenbank folgen und ein Überschießen der Inflation zulassen. Veränderungen auf dem europäischen Arbeitsmarkt und in der Weltwirtschaft hätten dazu geführt, dass es bei einem niedrigeren Niveau der Arbeitslosigkeit nicht schnell zu Inflation komme, sagte Rehn der Financial Times. "Wenn das so ist, ist es mit Blick auf die wirtschaftliche und soziale Wohlfahrt sinnvoll, eine gewisse Periode des Überschießens (der Inflation) zu akzeptieren, und so die Periode zu niedriger Inflationsraten zu berücksichtigen", sagte Rehn.
Deshalb sei es im aktuellen Kontext eines niedrigeren natürlichen Zinssatzes sinnvoll, neben der Preisstabilität auch ein Augenmerk auf Voll- oder Maximalbeschäftigung zu legen. Laut Rehn wird das Inflationsziel der EZB von knapp 2 Prozent als asymmetrisch wahrgenommen. Laut einer Untersuchung der finnischen Zentralbank liege es zwischen 1,8 und 1,6 Prozent. "Noch schlimmer ist die Tatsache, dass die 2 Prozent als Obergrenze aufgefasst werden, und das dämpft die Inflationserwartungen", sagte er.
Die EZB prüft gerade ihre geldpolitische Strategie und setzt sich dabei auch mit der neuen Herangehensweise der Fed auseinander. Diese hat zugesagt, nach Perioden mit zu niedriger Inflation höhere Inflationsraten zuzulassen. EZB-Chefvolkswirt Lane sagte kürzlich, diese Methode habe "eine starke Logik". Die EZB will die Ergebnisse ihrer Strategieprüfung im Herbst vorstellen.
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May 10, 2021 04:15 ET (08:15 GMT)