Tech-Riesen im Vergleich: Das macht die Infineon-Aktie gerade attraktiver als SAP
SAP bietet den günstigeren Einstieg, Infineon die stärkere Dynamik. Welche Aktie im Vergleich aktuell mehr überzeugt.
• SAP bleibt trotz solider Quartalszahlen charttechnisch unter Druck
• Infineon profitiert vom KI-Hardwareboom und hebt die Jahresprognose an
• Im Chance-Risiko-Vergleich wirkt Infineon aktuell etwas überzeugender
Der anhaltende KI-Boom wirbelt die internationalen Aktienmärkte durcheinander, so auch in Deutschland. Dabei erhalten besonders zwei Tech-Schwergewichte viel Aufmerksamkeit: SAP und Infineon. Beide Unternehmen könnten auf ihre Weise mit großen Technologietrends der kommenden Jahre verbunden sein. An der Börse ist die Ausgangslage derzeit jedoch sehr unterschiedlich. Während SAP nach dem Rücksetzer im Frühjahr noch um neues Vertrauen kämpft, läuft die Neubewertung bei Infineon bereits. Im direkten Vergleich hat deshalb ein Unternehmen leicht die Nase vorn.
Unter der 200-Tage-Linie: Erholt sich SAP vom Rücksetzer im Frühjahr?
Im Frühjahr erschütterten zunehmende Sorgen vor disruptiven KI-Anwendungen noch den Softwaresektor - und so auch die Aktien der Walldorfer. SAP ließ seit Jahresanfang ordentlich Federn und zählt mit einem Minus von knapp einem Fünftel weiterhin zu den größten Verlierern im DAX. Zwar hellt sich das Bild im Softwaresektor allmählich wieder auf, doch die viel beachtete 200-Tage-Linie als technischer Maßstab bleibt für die Aktie noch ein gutes Stück entfernt.
Operativ lieferte das erste Quartal 2026 dennoch Argumente für eine Stabilisierung. SAP steigerte den Gesamtumsatz um sechs Prozent auf 9,55 Milliarden Euro. Das Cloud-Geschäft wuchs währungsbereinigt um kräftige 27 Prozent, der aktuelle Cloud-Auftragsbestand kletterte auf 21,9 Milliarden Euro. Auch beim Ergebnis zeigte sich der Konzern robuster: Das operative Ergebnis nach IFRS verbesserte sich um 17 Prozent auf 2,74 Milliarden Euro.
Analysten sehen das Fundament deshalb weiterhin intakt. Deutsche Bank Research bestätigte die Einstufung auf "Buy" mit einem Kursziel von 200 Euro und wertete SAPs KI-Strategie nach der Hausmesse Sapphire als klaren Schritt in die richtige Richtung. Positiv hervorgehoben wurden dabei auch die vergleichsweise niedrigen Anpassungsbarrieren für Kunden.
Ungebremste Halbleiter-Rally: Treibt die Euphorie Infineon noch weiter?
Deutlich stärker präsentiert sich seit Jahresanfang die Infineon-Aktie. Die Papiere der Münchener knackten Ende Mai sogar einen historischen Höchststand aus der Dotcom-Ära. Der zentrale Treiber: KI-Rechenzentren und die weltweit steigende Nachfrage nach Hardware.
Das spiegelt sich auch in den Zahlen des Unternehmens wider: Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2026 stieg der Umsatz im Segment Power & Sensor Systems gegenüber dem Vorquartal um acht Prozent auf 1,26 Milliarden Euro. Das Segment-Ergebnis verbesserte sich um 26 Prozent auf 257 Millionen Euro, wie aus einer Pressemitteilung des Unternehmens hervorgeht. Für das Gesamtjahr erwartet Infineon nun ein deutliches Umsatzwachstum gegenüber dem Vorjahr. Die Segment-Ergebnismarge soll rund 20 Prozent erreichen, nachdem zuvor lediglich ein Wert im hohen Zehner-Prozentbereich angepeilt worden war.
Der starke Lauf der Aktie und die wachsende Nachfrage nach Infineons Stromversorgungslösungen für Datenzentren blieben auch bei Analysten nicht unbeachtet. Jefferies hob das Kursziel zuletzt von 75 auf 96 Euro an und verwies neben höheren Kapazitäten und steigenden Preisen im Bereich Power-Management-Lösungen für KI auch auf einen verstärkenden Aufschwung im Automobil- und Industriegeschäft.
SAP gegen Infineon: Das verrät die Bewertung
Auf den ersten Blick wirken beide Titel ambitioniert bewertet: SAP kommt auf ein KGV von 33,92, Infineon auf 43,32. Der höhere Multiplikator bei Infineon ist allerdings kein Zufall. Die Margen ziehen mit dem Umsatz an, die Jahresprognose wurde gerade angehoben, und der Analystenkonsens fällt zunehmend optimistischer aus. Wer den KI-Hardwareboom direkter im Depot abbilden will, findet in Infineon derzeit den klareren Hebel.
SAP bietet dagegen den günstigeren Einstieg und solide Cloud-Zahlen, leidet aber weiter unter dem Abschlag, den der Markt für die laufende Transformation vergibt. Beide Unternehmen haben zudem eigene Belastungsfaktoren: Bei Infineon drückt das Hochvoltsegment für Elektrofahrzeuge auf die Automotive-Marge, bei SAP soll sich das Cloud-Wachstum im zweiten Quartal planmäßig abschwächen. Hinzu kommt, dass die Chefetagen beider Unternehmen auf anhaltende Unsicherheiten durch ein komplexes makroökonomisches und geopolitisches Umfeld verweisen.
Diese Aktien bietet aktuell das bessere Chance-Risiko-Verhältnis
Im direkten Vergleich ergibt sich deshalb kein eindeutiges Entweder-oder, aber ein erkennbarer Unterschied in der Ausgangslage. SAP punktet mit berechenbarem Cloud-Wachstum, einer niedrigeren Bewertung und möglichem Erholungspotenzial nach dem Kursrückgang. Noch fehlt jedoch der Katalysator, der den Bewertungsabschlag der laufenden Transformation nachhaltig auflösen könnte.
Infineon wirkt dagegen derzeit dynamischer. Die angehobene Jahresprognose, die stärkeren Margen und der Analystenrückenwind sprechen für ein klareres kurzfristiges Profil. Zwar ist die Aktie nach der Rally höher bewertet und damit anfälliger für Rücksetzer, doch operativ liefert der Konzern aktuell die überzeugenderen Argumente.
Unter dem Strich hat Infineon beim aktuellen Chance-Risiko-Verhältnis deshalb leicht die Nase vorn. Der nächste belastbare Datenpunkt für SAP folgt mit den Zahlen zum zweiten Quartal, für Infineon mit dem Ergebnisbericht zum dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 am 5. August 2026.
Benedict Kurschat, Redaktion finanzen.net
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