Studie: Klimaziele mit aktuellem Tempo beim Ökostrom-Ausbau unerreichbar


Von Andrea Thomas

BERLIN (Dow Jones)--Die Energiewende kommt nach einer Untersuchung der Energiewirtschaft und der Beratungsfirma Ernst & Young (EY) zu langsam voran, um beim Ökostromausbau die Ziele für 2030 zu erreichen. Demnach sind deutlich mehr Investitionen nötig, um den Ausbau der erneuerbaren Energien wie geplant voranzubringen. Laut der Studie "Fortschrittsmonitor Energiewende" des BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft und von EY sind bis 2030 Investitionen in Höhe von 600 Milliarden Euro nötig.

Werbung

Laut Berechnungen der Studie müssten damit 54 bis 57 Milliarden Euro jährlich investiert werden. Tatsächlich seien im Jahr 2021 nur rund 14,5 Milliarden Euro investiert worden und damit wurde nur rund ein Viertel der möglichen Wertschöpfung realisiert (8,6 Milliarden Euro).

"Die Energiewende ist ein Mammutprojekt - und vermutlich das größte Investitionsprogramm in der Geschichte der Bundesrepublik. Bislang aber kommen wir längst nicht so schnell voran, wie es möglich und nötig wäre", sagte Metin Fidan, Partner bei EY. "Das gefährdet zum einen das Erreichen der für 2030 anvisierten Ziele, zum anderen entfallen dadurch aber auch große Teile der volkswirtschaftlichen Impulse, die mit den nötigen Investitionen verbunden wären. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten wären solche Impulse hoch willkommen, da sie zu nachhaltiger Wertschöpfung und nachhaltigem Wachstum führen können."

Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, dass der Bruttostromverbrauch bis 2030 zu mindestens 80 Prozent aus erneuerbaren Energien gedeckt wird. Um diese Ziele zu erreichen, müsste die installierte Leistung bei Photovoltaik mehr als verdoppelt, bei Onshore-Wind sogar mehr als verdreifacht werden. "Dass dies mit der aktuellen Ausbaugeschwindigkeit gelingt, ist höchst unwahrscheinlich", sagte Fidan.

Werbung

BDEW fordert Regierung zum Handeln auf

Auch der BDEW warnte, dass mit dem bisherigen Tempo die Klimaziele nicht erreicht werden könnten. "Es ist verständlich, dass angesichts der aktuellen Krise der Fokus der Politik zuletzt an anderer Stelle lag. Doch mit einer erfolgreichen Energiewende schützen wir nicht nur unser Klima, sondern sie trägt auch dazu bei, unabhängig vom Import fossiler Energieträger zu werden", sagte Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung. "Die Bundesregierung muss daher nun alle bestehenden Hemmnisse für die Energie- Wärme- und Verkehrswende beseitigen."

Insgesamt sind für die Jahre bis 2030 rund 600 Milliarden Euro an Investitionen nötig. Der mit 498 Milliarden Euro größte Anteil an diesen Investitionen verteilt sich laut der Studie auf den Ausbau der Stromerzeugungskapazitäten mit erneuerbaren Energien (351 Milliarden Euro), den Ausbau der Strom-Übertragungsnetze (126 Milliarden Euro), den Aufbau der Erzeugungskapazitäten für klimaneutrale Gase (12 Milliarden Euro) sowie die Förderung der E-Mobilität durch den Ausbau der öffentlichen Elektro-Ladeinfrastruktur (9 Milliarden Euro).

Der BDEW forderte, dass Planungs- und Genehmigungsverfahren beschleunigt, mehr Flächen für erneuerbare Erzeugungsanlagen, Netze und Ladeinfrastruktur bereitgestellt, ein Markt für Wasserstoff geschaffen und die Weichen für ein Marktdesign gestellt werden müssten, in dem sich auch Investitionen in steuerbare Stromerzeugungskapazitäten lohnen.

Werbung

"Die Bundesregierung hat wichtige Verbesserungen auf den Weg gebracht, um Planung und Genehmigung zu beschleunigen. Es muss jedoch noch viel mehr passieren. Das gilt insbesondere für die schnellere Bereitstellung der benötigten Flächen für erneuerbare Energien", so Andreae.

Werbung