Umfrage: Stimmung auf Immobilienmarkt so schlecht wie nie
Von Andrea Thomas
BERLIN (Dow Jones)--Noch nie war das Immobilienklima so schlecht wie im aktuellen Quartal. Eine Befragung des Zentralen Immobilien Ausschuss (ZIA) und des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) ergab Pessimismus sowohl bei der Beurteilung der aktuellen Lage als auch bei den Erwartungen.
Im ZIA-IW-Immobilienstimmungsindex beurteilt die Branche im zweiten Quartal 2020 ihre Geschäftslage nur noch mit 30 von 100 möglichen Punkten - der bisherige Tiefstand lag im Vorjahresquartal bei 72. Auch die Erwartungen für die kommenden zwölf Monate sind mit vier vergebenen Punkten sehr schlecht. Insgesamt erreicht das Immobilienklima, das die aktuelle Lage und Erwartungen zusammenfasst, nur noch knapp 17 von 100 Punkten.
Auch die Erwartungen für die kommenden zwölf Monate sind mit 4 vergebenen Punkten laut IW "sehr schlecht". "Auf dem Immobilienmarkt wird immer offensichtlicher, welchen wirtschaftlichen Schaden die Corona-Krise angerichtet hat", sagte IW-Immobilienexperte Michael Voigtländer.
ZIA-Präsident Andreas Mattner erwartet zudem keine baldige Erholung. "Die Corona-Krise hat erhebliche negative Folgen für viele Bereiche der Immobilienwirtschaft", sagte Mattner. "Insbesondere das Handelssegment und die Hotellerie werden die Nachwirkungen der Krise noch lange spüren und unsere Städte werden sich verändern."
Fallende Mieten im Handel und Büromarkt
Die Umfrage unter Geschäftsführern und leitenden Angestellten von 117 Immobilienunternehmen ergab, dass besonders der Büromarkt und der Einzelhandel von der Krise betroffen sind. Auf dem Büromarkt brach die Bewertung der Geschäftslage auf 27 Punkte ein. Angesichts voraussichtlich fallender Mieten und Preise rechnet die Mehrheit der befragten Unternehmer zudem mit einer weiteren Verschlechterung der Lage, so das IW. Im Einzelhandel hätten die Läden zwar wieder offen, aber dennoch blickte die Immobilienbranche im Handelssegment pessimistisch in die Zukunft. 60 Prozent erwarten fallende Mieten, 72 Prozent sogar fallende Preise. Auch seien beide Segmente von Mietausfällen betroffen.
Der ZIA plädierte in diesem angespannten Klima für ein Regulierungsmoratorium, damit die Unternehmen als Motor und die Immobilien- und Bauwirtschaft als Wachstumsmotor agieren können. Denn in der aktuellen Situation sei es wichtig, ein investives Umfeld zu schaffen.
Wohnungsmarkt bleibt stabil
Anders als bei den Gewerbeimmobilien reagieren Wohnungsmieten in der Regel kaum auf konjunkturelle Einbrüche, so das IW. Nur knapp 2 Prozent der befragten Firmen erleben hohe Mietausfälle. Lediglich 8 Prozent der in diesem Segment tätigen Unternehmen schätzen die Lage als schlecht ein, ergab die Umfrage. "Wohnungen in großen Städten sind nach wie vor knapp, weswegen dieses Segment wohl glimpflich aus der Krise kommen wird. Davon profitieren auch Projektentwickler", erklärte IW-Ökonom Voigtländer.
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June 25, 2020 05:23 ET (09:23 GMT)