Weltärzte-Präsident: Neuer Lockdown bei 20.000 Infektionen
BERLIN (Dow Jones)--Weltärzte-Präsident Frank Ulrich Montgomery hält einen neuen Lockdown für nötig, wenn die Zahl der Neuinfektionen auf 20.000 pro Tag ansteigt. "Bei 20.000 Neuinfektionen am Tag gerät die Lage außer Kontrolle. Dann wäre es für Gesundheitsämter nicht mehr möglich, die Infektionsketten nachzuverfolgen und zu unterbrechen. Dann droht uns ein zweiter Lockdown, weil sich das Virus anders nicht mehr bremsen lässt", sagte Montgomery der Rheinischen Post.
Schon jetzt müsse es lokale Lockdowns nach dem Vorbild von Berchtesgaden geben: "Bei lokalen Ausbrüchen müssen wir konsequent reagieren. Darum ist es genau richtig, dass der Landkreis Berchtesgaden einen lokalen Lockdown verhängt hat. So sollten bundesweit alle Orte mit solchen Inzidenzwerten reagieren", sagte Montgomery.
Der Ärztepräsident forderte zudem eine Ausweitung der Maskenpflicht: "Eine bundesweite Maskenpflicht für alle Schulen, etwa ab Klasse drei, kann helfen, Schulschließungen zu verhindern." Und er forderte, mehr Bundeswehr einzusetzen: "Viel testen hilft, Infektionsketten zu stoppen. Der Sanitätsdienst der Bundeswehr könnte noch viel stärker in Testzentren eingesetzt werden."
Auch erwartet er, dass eine Impfung der Bevölkerung gegen das Coronavirus Jahre dauert. Man müsse noch über Jahre mit dem Virus leben und damit umgehen - Abstand halten, Hände waschen, Masken tragen.
"Die Impfung ist kein Allheilmittel. Die Weltgesundheitsorganisation rechnet mit einem Impfstoff Mitte 2021. Doch bis die gesamte Bevölkerung geimpft ist, wird es zwei, drei Jahre dauern", sagte Montgomery. "Für eine Impfung aller auf einen Schlag gibt es weder genug Dosen noch genug Personal." Auch im kommenden Jahr werde kein Sommerurlaub wie früher möglich sein.
Die Zahl der Corona-Neuinfektionen lag nach Angaben des Robert-Koch-Instituts per Freitag bei 11.242.
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October 23, 2020 02:14 ET (06:14 GMT)