Xtrackers Vietnam ETF: In wenigen Wochen wird Vietnam offiziell zum Schwellenland hochgestuft, was das für den ETF bedeutet
In wenigen Wochen wird Vietnam offiziell von einem Grenz- zu einem Schwellenmarkt hochgestuft, ein historischer Schritt, der dem Land Milliarden an neuem Auslandskapital bescheren könnte.
Werte in diesem Artikel
Das Wichtigste in Kürze:
- Am 21. September 2026 stuft der Indexanbieter FTSE Russell Vietnam offiziell von einem Grenz- zu einem Schwellenmarkt hoch, ein historischer Schritt, der bis zu 6 Mrd. US-Dollar an frischem Auslandskapital anziehen könnte.
- Vingroup, Vietnams größter privater Mischkonzern, bringt es auf 28 Prozent Gewicht, mehr als die drei nächstgrößeren Positionen zusammen.
- 2022 verlor der Fonds 42 Prozent, 2025 folgte dagegen ein Plus von fast 50 Prozent.
Der einzige verfügbare Vietnam-ETF, und was er abbildet
Der Xtrackers Vietnam Swap UCITS ETF 1C ist der einzige in Deutschland verfügbare ETF auf den vietnamesischen Aktienmarkt. Er bildet den STOXX Vietnam Total Market Liquid Index nach, der breit gestreut vietnamesische Aktien erfasst, die bestimmte Mindestanforderungen an Liquidität und die für ausländische Investoren verfügbare Aktienquote erfüllen. Das ist ein wichtiges Kriterium, da Vietnam für viele seiner größten Unternehmen weiterhin Obergrenzen für ausländisches Eigentum vorschreibt. Zum 14. Oktober 2025 wurde der Fonds von seinem vorherigen Index, dem FTSE Vietnam Index mit nur rund 20 Titeln, auf diesen breiteren STOXX-Index umgestellt und entsprechend umbenannt, was Anlegern bei der Einordnung älterer Renditezahlen bewusst sein sollte. Der Fonds bildet seinen Index synthetisch über ein Swap-Geschäft nach, thesauriert seine Erträge und wurde bereits im Januar 2008 aufgelegt. Mit einem Fondsvolumen von 321 Millionen Euro und Kosten von 0,85 Prozent pro Jahr ist dies für einen derart spezialisierten Einzelländer-ETF kein ungewöhnliches Preisniveau. Der Fonds eignet sich für Anleger, die gezielt und konzentriert an der wirtschaftlichen Entwicklung eines einzelnen, aufstrebenden südostasiatischen Landes teilhaben möchten, statt über einen breiteren Schwellenländer-ETF nur indirekt und mit geringem Gewicht in Vietnam investiert zu sein.
China plus eins: Wie Vietnam von der Verlagerung globaler Lieferketten profitiert
Immer mehr internationale Konzerne verfolgen die sogenannte China-plus-eins-Strategie, bei der Produktionskapazitäten gezielt außerhalb Chinas aufgebaut werden, um im Fall globaler Lieferkettenprobleme nicht ausschließlich von einem einzigen Land abhängig zu sein. Vietnam zählt zu den größten Profiteuren dieser Entwicklung. Intel investierte 1,5 Mrd. US-Dollar in seine größte Produktions- und Testeinrichtung weltweit in Vietnam, Lego baut dort für 1,3 Mrd. US-Dollar seine erste CO2-neutral betriebene Fabrik und Google lässt einen Teil seiner Smartphone-Produktion in Nordvietnam fertigen. Für Anleger in diesem ETF bedeutet das ein strukturelles, mehrjähriges Wachstumsversprechen für die vietnamesische Industrie- und Exportwirtschaft, das über den reinen Binnenmarkt hinausgeht.
Die bevorstehende Hochstufung zum Schwellenland: Ein historischer Wendepunkt
Am 21. September 2026, also in wenigen Wochen, stuft der Indexanbieter FTSE Russell Vietnam offiziell von einem Grenz- zu einem Schwellenmarkt hoch, nachdem das Land unter anderem die verpflichtende Vorabfinanzierung von Aktiengeschäften für ausländische Investoren abgeschafft hat. Nach Schätzungen könnte diese Hochstufung allein bis zu 6 Mrd. US-Dollar an neuen Auslandsinvestitionen anziehen. Eine weitere, potenziell noch bedeutendere Hochstufung durch den einflussreicheren Indexanbieter MSCI wird erst für 2027 oder 2028 erwartet, könnte laut Weltbank aber gemeinsam mit der FTSE-Hochstufung bis zum Ende des Jahrzehnts zu Nettokapitalzuflüssen von bis zu 25 Mrd. US-Dollar führen. Ein erheblicher Teil des erwarteten Kapitalzuflusses steht also noch bevor, was langfristig zusätzliche Nachfrage nach vietnamesischen Aktien bedeuten könnte, auch wenn sich das kurzfristige Timing solcher Kapitalbewegungen nie exakt vorhersagen lässt.
Vingroup: Warum ein einziger Konzern 28 Prozent des Fonds ausmacht
Größte Position ist mit 28,07 Prozent Vingroup, Vietnams größter privater Mischkonzern und seit September 2025 das wertvollste börsennotierte Unternehmen des Landes, nachdem der Konzern die Staatsbank Vietcombank überholt hatte. Vingroup ist über seine Tochtergesellschaften Vinhomes in der Immobilienentwicklung, über VinFast in der Elektrofahrzeug- und Elektromotorradproduktion sowie im Einzelhandel und Gesundheitswesen aktiv und deckt damit einen enormen Teil der gesamten vietnamesischen Marktkapitalisierung ab. Für 2025 meldete der Konzern einen Nettoumsatz von umgerechnet rund 11,6 Mrd. Euro, ein Plus von 75,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr, sowie einen Nettogewinn von umgerechnet rund 386 Mio. Euro, ein Plus von 109,7 Prozent. Haupttreiber war das Immobiliensegment Vinhomes, dessen Umsatz sich nahezu verdoppelte und das den Konzern als verlässliche Ertragsquelle trägt. Die Elektrofahrzeugsparte VinFast wuchs beim Umsatz zwar ebenfalls kräftig und avancierte 2025 zum meistverkauften Fahrzeughersteller Vietnams noch vor klassischen Verbrennerherstellern, verbuchte dabei aber einen Nettoverlust von umgerechnet mehreren hundert Millionen Euro. Als Risiko für Anleger bleibt zudem die insgesamt hohe Verschuldung des Gesamtkonzerns zu nennen, dessen Verbindlichkeiten die eigene Eigenkapitalbasis deutlich übersteigen. Wer diesen Fonds kauft, geht damit indirekt eine erhebliche Wette auf den langfristigen Erfolg genau dieses einen Konzerns ein, dessen Immobiliengeschäft aktuell die Verluste der Elektrofahrzeugsparte kompensiert.
Vom Absturz 2022 zur Rekordrally 2025: Was die Renditen erklärt
2022 verlor der Fonds 42,4 Prozent, einen der weltweit stärksten Einbrüche unter allen bedeutenden Aktienindizes in jenem Jahr. Auslöser war eine Kombination aus einer heftigen Liquiditätskrise am vietnamesischen Anleihemarkt sowie einer breiten staatlichen Antikorruptionskampagne gegen mehrere prominente Immobilien- und Finanzunternehmer, die insbesondere die Bewertungen von Immobilienunternehmen einbrechen ließ. 2023 und 2024 folgten mit plus 3,7 und minus 4,3 Prozent zwei Jahre, die sich weitgehend neutralisierten, während sich der Markt von der Krise erholte. 2025 dagegen legte der Fonds um 49,7 Prozent zu, getragen von der Ankündigung der bevorstehenden FTSE-Hochstufung, der Einführung eines neuen Handelssystems, das erstmals untertägigen Handel ermöglicht, sowie den beschriebenen Zuflüssen im Zuge der China-plus-eins-Strategie. Im laufenden Jahr liegt der Fonds mit nur plus 1,0 Prozent dagegen nahe seinem Jahresstartniveau. Der zuvor kräftige Aufwärtstrend geriet zuletzt ins Stocken, nachdem führende Werte wie Vingroup nach ihrer rasanten Rally an Dynamik verloren, während internationale Faktoren wie die anhaltenden Spannungen zwischen den USA und dem Iran samt Blockaden an der Straße von Hormus die Ölpreise und damit die Inflation belasten und die US-Notenbank dadurch möglicherweise länger an höheren Zinsen festhält, was Kapitalzuflüsse in Schwellenländer wie Vietnam grundsätzlich bremst.
Warum die maximalen Kursrückgänge so viel heftiger ausfallen als die Volatilität vermuten lässt
Die Volatilität liegt über ein, drei und fünf Jahre bei 23 bis 25 Prozent, deutlich über dem Niveau eines Welt-ETFs, aber für einen derart spezifischen Einzelländer-ETF ein Niveau, das grundsätzlich risikobereite Anleger einplanen sollten. Die maximalen Kursrückgänge fallen dagegen mit minus 53,9 Prozent über fünf Jahre und minus 78,0 Prozent seit Auflage noch deutlich heftiger aus. Bei einem noch jungen, politisch und strukturell im Wandel befindlichen Markt wie Vietnam können sich einzelne Krisenjahre wie 2022 oder die globale Finanzkrise 2008, die den seit 2008 bestehenden Fonds in seinen ersten Jahren schwer traf, zu einem einzigen, sehr tiefen und lang anhaltenden Einbruch summieren, selbst wenn die durchschnittliche Schwankung über längere Zeiträume gemessen moderater erscheint.
Für welche Anleger sich dieser Vietnam-ETF eignet
Der Fonds eignet sich für Anleger, die gezielt und konzentriert an der langfristigen Wachstumsgeschichte Vietnams teilhaben möchten, getragen von der Verlagerung globaler Lieferketten, einer jungen, wachsenden Bevölkerung sowie der bevorstehenden Aufwertung zum Schwellenland durch FTSE und mittelfristig auch MSCI. Wegen der hohen Konzentration auf ein einzelnes, noch junges Schwellenland sowie der außergewöhnlich hohen Gewichtung eines einzelnen Mischkonzerns eignet sich der Fonds nicht als Grundbaustein, sondern ausschließlich als gezielte, spekulative Beimischung für risikobewusste Anleger mit langem Anlagehorizont, die auch heftige, mehrjährige Rückschläge wie 2022 aushalten können.
Daniel Dünn, Redaktion TraderFox (finanzen.net)
Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Aktien-ETFs unterliegen Kursschwankungen, zwischenzeitliche Verluste sind möglich. Investitionen in einzelne Schwellen- und Grenzmärkte sind mit einem erhöhten politischen und wirtschaftlichen Risiko gegenüber etablierten Industrieländermärkten verbunden.
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