Zinskurve im Blick

Wann Geldmarkt-ETFs die bessere Wahl sind als Anleihen-ETFs


Wann Geldmarkt-ETFs die bessere Wahl sind als Anleihen-ETFs

Geldmarkt-ETFs und Anleihen-ETFs reagieren völlig unterschiedlich auf Zinsbewegungen. Doch welches Produkt die bessere Wahl?

• Geldmarkt-ETFs bilden sehr kurzfristige Zinssätze ab und schwanken kaum im Kurs
• Anleihen-ETFs investieren in längere Laufzeiten und tragen ein Zinsänderungsrisiko
• Duration zeigt, wie stark ein Anleihen-ETF auf Zinsbewegungen reagiert

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Zwei Bausteine mit gegensätzlichem Risikoprofil

Geldmarkt-ETF und Anleihen-ETF gehören beide zur Anlageklasse der Zinsprodukte, unterscheiden sich aber grundlegend in ihrer Funktionsweise. Ein Geldmarkt-ETF bildet sehr kurzfristige Zinssätze ab und orientiert sich im Euroraum am Euro Short-Term Rate, dem €STR. Dieser Referenzzins spiegelt laut der Europäischen Zentralbank die unbesicherten Übernachtkosten wider, zu denen sich Banken im Euroraum Geld leihen, und steht damit in engem Zusammenhang mit dem Leitzins. Weil die zugrunde liegenden Laufzeiten nur einen Tag betragen, schwankt der Kurs eines Geldmarkt-ETF kaum.

Ein Anleihen-ETF investiert dagegen in Schuldverschreibungen mit längeren Laufzeiten, etwa in Staats- oder Unternehmensanleihen über mehrere Jahre. Solche Produkte tragen ein Zinsänderungsrisiko: Steigen die Marktzinsen, fallen die Kurse bereits ausgegebener Anleihen, weil deren feste Verzinsung gegenüber neuen Papieren an Attraktivität verliert. Wie stark ein Anleihen-ETF auf Zinsbewegungen reagiert, beschreibt die Kennzahl Duration. Je länger die durchschnittliche Restlaufzeit der enthaltenen Anleihen, desto größer ist der Kurshebel in beide Richtungen.

Steigende Zinsen und inverse Kurve sprechen für den Geldmarkt

Der entscheidende Faktor für den Vergleich ist die Zinsstrukturkurve. Sie beschreibt den Zusammenhang zwischen der Laufzeit von Anleihen und ihrer Verzinsung. Im langfristigen Durchschnitt verläuft sie steigend, längere Laufzeiten werfen also mehr Rendite ab als kurze. In bestimmten Phasen kehrt sich dieses Verhältnis jedoch um. Wie die Deutsche Bundesbank in ihrem Monatsbericht vom Januar 2023 ausführt, liegen bei einer sogenannten Inversion die kurzfristigen Renditen über den langfristigen. Genau in einer solchen Phase kann ein Geldmarkt-ETF mehr Rendite liefern als ein Anleihen-ETF mit langer Duration, und das bei deutlich geringeren Kursschwankungen.

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Auch ein Umfeld steigender Leitzinsen begünstigt Geldmarkt-ETF. Erhöht die Zentralbank die Leitzinsen, steigt der €STR nahezu unmittelbar mit, sodass ein Geldmarkt-ETF die höhere Verzinsung schnell einsammelt. Anleihen-ETF mit langer Laufzeit erleiden in dieser Situation zunächst Kursverluste, weil der Markt die höheren Zinsen in die Bewertung der Altbestände einpreist. Die Bundesbank beschreibt, dass die kurzfristigen Renditen vor konjunkturellen Wendepunkten teils so stark anstiegen, dass sie über den langfristigen lagen. Für Anleger bedeutet das: In einer Straffungsphase ist das kurze Ende der Kurve häufig der ruhigere und zeitweise auch der ertragreichere Ort.

Wann Anleihen-ETF die Nase vorn haben

Das Bild dreht sich, sobald die Zinsen ihren Höhepunkt überschreiten und Senkungen erwartet werden. Fällt das Zinsniveau, steigen die Kurse bereits ausgegebener Anleihen, weil ihre höhere Festverzinsung nun gefragt ist. Ein Anleihen-ETF mit langer Duration verwandelt diese Kursgewinne in Rendite, die ein Geldmarkt-ETF nicht bieten kann. Die Bundesbank verweist auf diesen Versicherungscharakter langlaufender Anleihen: Eine sinkende Rendite bedeutet, dass der Wert der Anleihe steigt und bei einem Verkauf ein Kursgewinn erzielt wird.

Wer Geldmarkt- und Anleihen-ETFs gegenüberstellt, sollte daher weniger auf die jeweils gerade ausgewiesene Rendite achten als auf die erwartete Zinsentwicklung und die Form der Kurve. Ein Geldmarkt-ETF eignet sich als schwankungsarmer Baustein für kurzfristig verfügbares Kapital und für Phasen steigender oder hoher Leitzinsen. Ein Anleihen-ETF entfaltet seine Stärke, wenn die Duration zum Anlagehorizont passt und ein sinkendes Zinsniveau die Kurse trägt. Da sich Zinszyklen nicht zuverlässig im Voraus bestimmen lassen, kombinieren viele Anleger beide Bausteine, um von kurzen wie langen Laufzeiten zu profitieren.

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Dominik Maier, Redaktion finanzen.net

Bildquellen: Juicy FOTO / Shutterstock.com, Drozd Irina / Shutterstock.com

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