Aktien von Shell, ExxonMobil und TotalEnergies stark: Tankerangriffe treiben Ölpreis wieder Richtung 100 US-Dollar

Die Angriffe auf zwei saudische Öltanker haben den Ölmarkt erneut aufgeschreckt. Sowohl das schwarze Gold als auch Ölaktien legen wieder deutlich zu.
Werte in diesem Artikel
- Houthi-Rebellen griffen gestern zwei saudische Öltanker an
- Goldman Sachs sieht Risiken für Brent über 120 US-Dollar
- RBC warnt vor Ausfall der saudischen Ausweichroute über den Hafen Yanbu
Am Mittwoch griffen Yemens Houthi-Rebellen nach eigenen Angaben zwei saudi-arabische Öltanker im Roten Meer an. Der Ölpreis reagiert prompt: Der Markt rückt damit ein weiteres Stück näher an die psychologische Marke von 100 US-Dollar pro Barrel. Brent kostet mit zuletzt 98,78 US-Dollar wieder fast so viel wie die psychologisch wichtige Preismarke, WTI wird mit 90,65 US-Dollar niedriger gehandelt, legt im Vortagesvergleich aber ebenfalls deutlich zu.
Zwei Tanker, ein Feuer, viele offene Fragen
Nach Angaben der Houthi-Rebellen galt der Angriff den Tankern Encelia und Layla, die nach Darstellung der Miliz gegen eine selbst ausgerufene Seeblockade gegen Saudi-Arabien verstoßen hätten. Die staatliche saudische Nachrichtenagentur SPA bestätigte ein Feuer am Bug der Encelia, machte aber keine Angaben dazu, wer für den Angriff verantwortlich ist, und betonte, die Besatzung sei in Sicherheit. Die Houthis erklärten zudem, rund zehn weitere Schiffe zur Umkehr gezwungen zu haben, was aber offiziell unbestätigt blieb. Das Institute for the Study of War zählte in einem Update vom Mittwoch mindestens sieben Schiffe, die eine Route durch die Straße von Bab al-Mandab meiden.
Warum Analysten die 100-US-Dollar-Marke nicht als Deckel sehen
Goldman Sachs erklärte in einer Analystennotiz, die Eskalation im Nahen Osten und der Rückgang der geschätzten Golf-Lieferungen auf unter 45 Prozent des Vorkriegsniveaus hätten die Ölpreise wieder steigen lassen. Die Bank hält an ihrem Basisszenario von 80 US-Dollar für Brent im vierten Quartal 2026 und 75 US-Dollar für 2027 fest, sofern sich die Lage im Nahen Osten entspannt. Bleiben die Störungen an der Straße von Hormus jedoch bestehen, sieht Goldman Sachs laut derselben Notiz die Chance auf einen Anstieg über 120 US-Dollar im vierten Quartal.
RBC Capital Markets weist zusätzlich auf ein zweites Nadelöhr hin: Saudi-Arabien leitet über die Ost-West-Pipeline Petroline rund vier bis fünf Millionen Barrel pro Tag zum Rotmeer-Hafen Yanbu um, um die blockierte Golf-Route zu kompensieren. "Wird diese Route unpassierbar, wird die Störung des Ölangebots ernster, und wir sprechen wieder über eine Situation ohne Ausweg", sagte RBC-Rohstoffstrategin Helima Croft gestern.
Die Gegenrechnung: Warum der Preisschub bislang begrenzt bleibt
Ganz ungebremst ist die Rally bislang nicht: Die US-Energiebehörde EIA meldete für die Woche zum 17. Juli einen unerwarteten Anstieg der Rohölbestände um 2,0 Millionen Barrel auf 411,7 Millionen Barrel, während der Markt eigentlich mit einem Rückgang gerechnet hatte. Auch die Bestände an Benzin und Destillaten legten zu. Das dämpft die Dringlichkeit der Angebotssorgen etwas, auch wenn die Lagerdaten die geopolitische Eskalation nicht widerlegen. Zudem bleibt unklar, wie belastbar Irans Erklärung ist, die Straße von Hormus sei vollständig geschlossen: Die iranischen Revolutionsgarden sprachen von einer Explosion an einer verminten Route südlich der Meerenge, nach der ein Tanker in Brand geraten und zwei weitere umgekehrt seien, eine unabhängige Bestätigung dafür liegt bislang nicht vor.
Ölkonzerne zwischen Preisrally und Nervosität
Für die großen Ölkonzerne ist die Gemengelage seit Monaten volatil. Erst im Juni hatten Aktien wie ExxonMobil und Shell spürbar nachgegeben, als eine Waffenruhe zwischen den USA und Iran die Sorge vor Lieferausfällen zwischenzeitlich dämpfte. Seither hat sich das Bild mehrfach gedreht: Brent-Futures hatten laut Bloomberg Ende April, in der Anfangsphase des US-Iran-Konflikts, bereits einmal die Marke von 126 US-Dollar überschritten, bevor die Notierungen nach der befristeten Waffenruhe vom 8. Juni wieder deutlich nachgaben. Auch TotalEnergies bekommt die Schwankungen im Kurs zu spüren.
Am Donnerstag sind bei den Ölriesen mehrheitlich Gewinne zu sehen: Shell-Aktien legen in London zeitweise 1,64 Prozent auf 33,46 GBP zu, für ExxonMobil ist an der NYSE ein Plus von 1,75 Prozent auf 157,15 US-Dollar zu sehen, TotalEnergies gewinnen in Frankreich daneben 2,45 Prozent auf 76,11 Euro.
Claudia Stephan, Evelyn Schmal, Redaktion finanzen.net
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