Allianz-GI-Kolumne

Anpassungsprozesse


Anpassungsprozesse | finanzen.net

Der große Blick auf die ökonomische Landkarte erinnert uns immer wieder daran, dass wir vor Ungleichgewichten stehen,...

... die sich über Jahre und Jahrzehnte aufgebaut haben - und die zu tektonischen Beben führten, deren Abebben so schnell nicht zu erwarten ist.

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Da bekämpft eine US-amerikanische Zentralbank (Fed) mit einer weiteren Flut an billigem Geld die Folgen eines "Savings glut" (Fed-Chef Bernanke) - einer "Ersparnisflut" aus chinesischen Leistungsbilanzüberschüssen, welche gemeinsam mit dem billigen Geld des "Greenspan Puts" am Ende zu Überkonsum und Häusermarktkrise führte. - Da versucht ein japanischer Premierminister den seit über 20 Jahren wirkenden Nachwehen eines implodierten Immobilienmarktes mit einem Mix aus aggressiver Geld- und Fiskalpolitik Herr zu werden.

Und in Europa kämpfen die Staaten mit der Erkenntnis, dass auch hier Zentralbankgeld alleine nicht glücklich machen kann. Es verringert zwar phasenweise die Schmerzen, am Ende führt in einer Einheitswährung aber kein Weg an Strukturreformen vorbei. EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen brachte es auf den Punkt: Dem Euroland stünden "harte und schwierige Anpassungsprozesse" bevor. Nicht nur mit Blick auf die gestiegene europäische Staatsverschuldung, sondern auch strukturell. So wird die Troika in Portugal später kommen, um dem Land mehr Zeit bei der Fortführung der Anpassungsprozesse zu gewähren.

In China wurde zwar das BIP-Wachstum mit offiziell 7,5 % bestätigt, aber die Regierung scheint weiter gegen eine unerwünschte Kreditexpansion zwecks Beruhigung des Häusermarktes zu kämpfen. Die chinesischen Häuserverkäufe sind im Juni 2013 um 24 % gegenüber Vorjahr gestiegen. Dies deutet darauf hin, dass die jüngsten Maßnahmen der Regierung bisher nicht angeschlagen haben - es bleibt Anpassungsbedarf.

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Gleichzeitig gewinnt die Q2-Berichtssaison an Fahrt. Der bisherige Verlauf war nicht unerfreulich. Fast 70 % der berichtenden Unternehmen des S&P 500 übertrafen die Erwartungen der Analysten. Investoren belohnten dies mit etwa 20 Mrd. US-Dollar an Nettomittelzuflüssen in den US-Aktienmarkt seit Anfang Juli 2013. Wenig verwunderlich: Der Index markierte ein neues Allzeithoch. Aber: Das Interesse internationaler Investoren an Europa scheint zuletzt gestiegen zu sein. Findet auch hier nun ein Anpassungsprozess statt? Die Nettomittelzuflüsse der letzten Wochen in den europäischen Aktienmarkt sprechen dafür. Sie könnten bei niedrigen Umsätzen und geringer Volatilität für weiter steigende Aktienkurse sprechen.

Autor: Stefan Scheurer Vice President, Global Capital Markets & Thematic Research

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