Warsh greift durch

Trotz Trump-Druck: US-Notenbank Fed beschließt Leitzinserhöhung - Das kommt jetzt auf Anleger zu


Trotz Trump-Druck: US-Notenbank Fed beschließt Leitzinserhöhung - Das kommt jetzt auf Anleger zu

Am Mittwoch erfolgte der dritte Leitzinsentscheid unter dem neuen Fed-Chef Kevin Warsh - und die US-Notenbank lieferte wie erwartet ab.

  • Fed erhöht Leitzins erstmals seit 2023
  • Hohe Inflation setzt Fed-Chef Kevin Warsh unter Druck
  • Zinserhöhung belastet Aktien und Anleihen, Sparer profitieren
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Der neue Fed-Chef Kevin Warsh hat die US-Geldpolitik erstmals in seiner Amtszeit gestrafft. Der Offenmarktausschuss der Federal Reserve erhöhte den US-Leitzins um 25 Basispunkte. Der Zinssatz liegt nun in einer Spanne zwischen 3,75 und 4,00 Prozent, nach zuvor 3,50 bis 3,75 Prozent. Mit dem Zinsschritt stemmt sich die Notenbank gegen die anhaltend hohe Inflation. Die Entscheidung fiel einstimmig.

Fed reagiert auf anhaltend hohe Inflation

Die Entscheidung fiel vor dem Hintergrund eines anhaltend hohen Preisdrucks in den USA. Die Verbraucherpreise stiegen im August im Jahresvergleich um 3,4 Prozent und damit genauso stark wie im Juli. Die Inflationsrate liegt damit weiterhin deutlich über dem von der Fed angestrebten Ziel von 2 Prozent.

Auch der von der Fed bevorzugte Inflationsindikator, der Preisindex für die persönlichen Konsumausgaben (PCE), lag im August mit einem Anstieg von 3,7 Prozent deutlich über dem Zielwert. Nach Angaben der Federal Reserve lag die PCE-Inflation damit den 65. Monat in Folge über der Zwei-Prozent-Marke.

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Auch in ihren neuen Prognosen rechnet die Fed mit einer höheren Inflation. Für 2026 erwartet die Zentralbank mittlerweile eine Teuerungsrate von 3,7 Prozent, nach 3,6 Prozent in ihrer Juni-Prognose. Vor Beginn des Iran-Kriegs hatte die Fed für das laufende Jahr noch eine Inflationsrate von 2,7 Prozent erwartet. Für 2027 liegt die Inflationserwartung weiterhin bei 2,3 Prozent.

Neben dem anhaltenden Preisdruck lieferten auch die Arbeitsmarktdaten Argumente für eine Straffung der Geldpolitik. Im August stieg die Beschäftigtenzahl überraschend stark um 162.000. Volkswirte hatten im Schnitt lediglich mit 55.000 zusätzlichen Stellen gerechnet. Im Juli hatte der Arbeitsmarkt noch enttäuscht.

Der Zinsschritt war zuletzt zunehmend erwartet worden. Elmar Völker, Volkswirt bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), hatte zwar darauf hingewiesen, dass eine Anhebung nicht ausgemacht sei. Der Druck auf die Fed, den Leitzins zu erhöhen, sei jedoch gestiegen. Commerzbank-Volkswirt Christoph Balz hatte diese Entscheidung hingegen bereits im Vorfeld erwartet, auch andere Experten waren von einer Leitzinserhöhung ausgegangen - insbesondere mit Blick auf die Verbraucherpreisentwicklung.

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Bereits bei der vorherigen FOMC-Sitzung Ende Juli hatten drei Mitglieder für eine Anhebung um 25 Basispunkte gestimmt. Die Mehrheit hatte sich damals noch für eine unveränderte Zinsspanne von 3,50 bis 3,75 Prozent ausgesprochen. Seit Dezember 2025 hatte die Fed den Leitzins damit fünfmal in Folge unverändert gelassen. Die letzte Zinserhöhung vor dem aktuellen Schritt erfolgte im Juli 2023.

Auch Fed-Chef Kevin Warsh hatte den Kampf gegen die Inflation zuletzt deutlich in den Vordergrund gestellt. Beim Notenbank-Treffen in Jackson Hole sagte er, die Fed müsse davon überzeugt sein, dass sich die Kerninflation eindeutig und mit ausreichender Geschwindigkeit ihrem Ziel annähere. Andernfalls habe die Notenbank noch einiges zu tun. Nach der aktuellen Entscheidung sagte Warsh, der Zinsschritt werde eine schnellere Rückkehr zum Zwei-Prozent-Inflationsziel unterstützen.

Auf die Frage nach dem politischen Druck auf die Fed verwies Warsh auf die Unabhängigkeit der Notenbank. Die Entscheidung sei richtig gewesen, um den Auftrag des Kongresses zur Gewährleistung stabiler Preise zu erfüllen. Zur Unabhängigkeit der Federal Reserve gehöre zudem, dass sich die Notenbank auf ihr Fachgebiet konzentriere.

Fed erwartet stärkeres Wirtschaftswachstum und weitere Zinserhöhungen

Neben der Inflationsprognose hat die Fed auch ihre Einschätzung für die US-Konjunktur leicht angehoben. Für 2026 erwartet die Zentralbank nun ein Wirtschaftswachstum von 2,3 Prozent, nachdem sie zuletzt mit einem Plus von 2,2 Prozent gerechnet hatte. Für 2027 wurde die Prognose um 0,1 Prozentpunkte auf 2,4 Prozent angehoben.

Die neuen Projektionen deuten zugleich auf mindestens eine weitere Zinserhöhung in diesem Jahr hin. Der Median der Fed-Prognosen für den Leitzins Ende 2026 liegt bei 4,1 Prozent. Mindestens zwölf Mitglieder des Offenmarktausschusses rechnen damit, dass die Zinsen in diesem Jahr noch einmal angehoben werden. Vier Mitglieder sehen sogar zwei weitere Zinsschritte, während zwei keine weitere Erhöhung erwarten. Für 2027 rechnen 14 Mitglieder mit einem Leitzins von 4,00 bis 4,25 Prozent. Eine knappe Mehrheit davon erwartet sogar eine Spanne von 4,25 bis 4,50 Prozent.

Das bedeutet die Zinserhöhung für Anleger und Sparer

Für Aktienanleger ist die Zinserhöhung zunächst eine Belastung. Höhere Finanzierungskosten können die Gewinne von Unternehmen unter Druck setzen. Zudem werden künftige Gewinne bei höheren Zinsen stärker abgezinst, was insbesondere für hoch bewertete Wachstumswerte relevant ist.

Auch am Anleihemarkt sorgt die Entscheidung für Bewegung. Zwar drücken steigende Marktzinsen kurzfristig auf die Kurse bereits ausgegebener Anleihen, neue Papiere bieten dafür jedoch wieder attraktivere Renditen. Für Sparer – insbesondere im US-Dollar-Raum – ist die Entwicklung ebenfalls positiv: Höhere Leitzinsen schaffen Spielraum für bessere Konditionen bei Festgeld und Festverzinslichen.

Warsh unter Beobachtung: Wie geht es mit den Zinsen weiter?

Mit dem Zinsschritt hat Warsh ein deutliches Signal im Kampf gegen die Inflation gesetzt. Entscheidend für die Finanzmärkte ist nun, wie die Fed auf die weitere Entwicklung von Inflation und Arbeitsmarkt reagiert. Die neuen Projektionen sprechen dafür, dass die Notenbank für dieses Jahr noch mindestens einen weiteren Zinsschritt erwartet.

Mit ihren Zinsentscheidungen versucht die US-Notenbank, Preisstabilität und einen möglichst robusten Arbeitsmarkt miteinander in Einklang zu bringen. Ein höherer Leitzins kann die Nachfrage bremsen und damit den Inflationsdruck verringern, zugleich aber die Konjunktur belasten.

Die nächste reguläre FOMC-Sitzung findet am 27. und 28. Oktober 2026 statt.

Claudia Stephan, Redaktion finanzen.net

Bildquellen: spirit of america / Shutterstock.com, Sascha Burkard / Shutterstock.com

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