Rüstungsbranche sackt weitgehend ab: Rheinmetall-Aktie findet Boden - TKMS, RENK & HENSOLDT leichter
Die Aktien von Rheinmetall dürften sich nach ihrem jüngsten Kurseinbruch am Donnerstag auf Stabilisierungskurs begeben.
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Im vorbörslichen Geschäft auf der Handelsplattform Tradegate waren sie noch um 1,3 Prozent gegenüber ihrem XETRA-Schlusskurs auf 961 Euro gestiegen, im Haupthandel via XETRA ging es schlussendlich jedoch um 0,23 Prozent abwärts auf 946,80 Euro. Tags zuvor waren sie nach einem von der Bundesregierung gestrichenen Fregattenkauf im Milliardenvolumen um fast 19 Prozent auf den tiefsten Stand seit Februar 2025 abgesackt.
Analystenmeinungen gehen auseinander
Die Marktkapitalisierung fiel um etwas mehr als zehn Milliarden Euro auf 44 Milliarden Euro. Der Rückgang des Börsenwerts übertraf damit den erwarteten Gewinnbeitrag des stornierten Auftrags um ein Vielfaches. Analyst Charles Armitage von der US-Bank Citigroup bezeichnete den massiven Kursrutsch vom Mittwoch als Überreaktion. Der Marktwertverlust von Rheinmetall liege deutlich über den von ihm kalkulierten Einbußen des entgangenen Deals.
Seine Kollegin Chloe Lemarie vom Analysehaus Jefferies schrieb in einem Kommentar am Donnerstag: Dass die Aktie deutlich mehr verloren habe als der erwartete Gewinnbeitrag des Auftrags, unterstreiche den Vertrauensverlust der Anleger. Sie bestätigte dennoch ihre Kaufempfehlung für die Aktie, senkte aber das Kursziel um fast ein Drittel auf 1.300 Euro.
Jefferies-Expertin Lemarie hält das Vertrauen in die deutsche Beschaffungspolitik mit der gestrichenen Rheinmetall-Bestellung insgesamt für erschüttert. Auf Renk könne sich dies aber neutral bis leicht positiv auswirken, da Deutschland stattdessen wahrscheinlich die TKMS-Fregatte Meko A-200 beschaffen werde, in dem ebenfalls ein Getriebe von Renk verbaut sei, schrieb sie. Hensoldt dürfte das stornierte F126-Programm hingegen wehtun, da die Fregatte dafür wohl Radargeräte geliefert hätte. Der Auftragswert hätte ihrer Einschätzung nach bei rund 200 Millionen Euro gelegen.Marie-Ange Riggio von der US-Investmentbank Morgan Stanley, die in der Analystenriege mit dem Kursziel von 2.500 Euro am optimistischsten war, reduzierte es auf 1.750 Euro. Sie sieht die Aktie zudem nicht mehr als Branchenfavorit. Der Verlust des Auftrags hinterlasse einen Vertrauensschaden in die Beschaffungsoffensive der Bundeswehr, betonte die Expertin. Den Kursrückschlag am Vortag bezeichnete aber auch sie als übertrieben.
DZ-Bank-Experte Holger Schmidt reduzierte seinen fairen Wert für die Aktie von 2.188 Euro auf 1.705 Euro, bekräftigte aber auch seine Kauf-Empfehlung. Der verlorene Deal mit den Fregatten vom Typ F-126 "tut weh, ist aber kein Schiffbruch", schrieb er in einer Studie. Der operative Gewinn des Auftrags hätte laut Schmidt insgesamt lediglich rund 1,5 Milliarden Euro betragen und das über viele Jahre gestreckt. Er sieht allerdings einen Rückschlag für die Ambitionen der Düsseldorfer im Marine-Geschäft.
Auch Analyst Jens-Peter Rieck vom Analysehaus MWB Research erwähnte Chancen für Renk wegen der Beteiligung an der Meko-Fregattenserie von TKMS. Er stufte die Aktien des Getriebeherstellers von "Hold" auf "Buy" hoch, da die Papiere vom verlorenen Rheinmetall-Auftrag zu stark in Mitleidenschaft gezogen worden seien. Er sieht in der Folge davon nur begrenzte Auswirkungen bei RENK.
Das Analysehaus Warburg Research hat das Kursziel für Rheinmetall nach dem Verlust des F126-Fregattenauftrags von 1.550 auf 1.500 Euro gesenkt, aber die Einstufung auf "Buy" belassen. Christian Cohrs schrieb in einer am Donnerstag vorliegenden Studie von einem unerwarteten Rückschlag. Die heftige Kursreaktion hält er für übertrieben. Dies spiegele aber die tiefgreifenden Zweifel am Markt wider, ob die Wachstumsambitionen des Konzerns weiterhin Bestand haben. Erschwerend komme noch ein Glaubwürdigkeitsproblem hinzu, da das Management den Investoren kurz vorher noch versichert habe, ein Vertragsabschluss stehe unmittelbar bevor.
So reagieren die Branchenkollegen
Am Vortag ging die TKMS-Aktie noch als Gewinner eines Fregatten-Wechsel beim Bund hervor, zeigte sich am Donnerstag jedoch mit kräftigen Verlusten: Letztlich stand via XETRA hier ein Minus von 9,35 Prozent auf 76,60 Euro zu Buche. RENK-Titel verloren derweil 3,64 Prozent auf 40,90 Euro. HENSOLDT gab 6,70 Prozent auf 63,34 Euro nach.
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Bildquellen: RENK Group AG, HENSOLDT
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| Datum | Rating | Analyst | |
|---|---|---|---|
| 09:06 | Rheinmetall Outperform | Bernstein Research | |
| 08:51 | Rheinmetall Buy | Joh. Berenberg, Gossler & Co. KG (Berenberg Bank) | |
| 07.07.26 | Rheinmetall Buy | UBS AG | |
| 03.07.26 | Rheinmetall Buy | Deutsche Bank AG | |
| 03.07.26 | Rheinmetall Neutral | JP Morgan Chase & Co. |
