Aktien Europa: Lagarde-Nominierung sorgt für neuen Schwung
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PARIS/LONDON (dpa-AFX) - Europas Börsen haben zur Wochenmitte wieder an Fahrt aufgenommen. Am Vortag noch hatte sich an den Börsen langsam die Einsicht durchgesetzt, dass trotz der Annäherung im US-chinesischen Handelsstreit die Gewitterwolken noch längst nicht verflogen sind. Doch die Nominierung von Christine Lagarde für den Chefposten bei der Europäischen Zentralbank (EZB) stimmte viele Anleger am Mittwoch wieder versöhnlich. Zudem gaben aufgehellte Stimmungsdaten aus der Eurozone etwas Rückenwind.
Der EuroStoxx 50 (EURO STOXX 50) arbeitete sich bis zum Mittag kontinuierlich weiter in die Gewinnzone vor, zuletzt betrug das Plus für den europäischen Leitindex 0,78 Prozent auf 3535,24 Punkte. Das Börsenbarometer bewegt sich inzwischen auf dem höchsten Niveau seit Anfang August 2018.
Auch an den Handelsplätzen in Paris und London ging es am Mittwoch weiter aufwärts. Der französische CAC 40 rückte zuletzt um 0,58 Prozent auf 5609,26 Punkte vor. Der britische Leitindex FTSE 100 kletterte erstmals seit August vergangenen Jahres wieder über die Marke von 7600 Zählern - zuletzt stand hier ein Plus von 0,70 Prozent auf 7611,98 Punkte zu Buche.
Die Notenbanken in Europa und USA hatten im Juni mit Signalen für eine noch lockerere Geldpolitik den Aktienmärkten kräftig unter die Arme gegriffen und die damals bereits laufende Kursrally weiter angeschoben. Nun befördert die Nominierung von Christine Lagarde als wahrscheinliche Nachfolgerin des scheidenden EZB-Chefs Mario Draghi neue Zinsfantasien. Einige Marktbeobachter wie etwa Michael Hewson von CMC Markets UK kritisierten zwar Lagardes mangelnde Erfahrung im Bankengeschäft, gehen aber davon aus, dass die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) als "Taube" den Geldhahn der Notenbank weit aufgedreht lässt.
Unterdessen sind die geopolitischen Gefahren noch längst nicht gebannt. Nach dem Burgfrieden im US-chinesischen Handelsstreit nahm US-Präsident Donald Trump zuletzt mit der Drohung von Sonderzöllen wieder Europa ins Visier. Nicht ausgestanden ist auch der Konflikt mit dem Iran.
Auf Unternehmensseite griffen Anleger wieder verstärkt nach den als defensiv geltenden Anteilen der Versorger - hier stand ein Plus von 1,20 Prozent zu Buche. Als sicher geltende Häfen wie Konsumgütertitel und Pharmawerte waren ebenfalls gefragt. Einziger Verlierer europaweit mit minus 0,19 Prozent waren Öl-und Gaswerte, sie wurden noch vom Ölpreissturz vom Vortag in Mitleidenschaft gezogen.
Im EuroStoxx 50 landeten die Aktien des Brauereikonzerns AB Inbev (Anheuser-Busch InBev) mit einem Aufschlag von mehr als drei Prozent an der Spitze. Der geplante milliardenschwere Börsengang seines Asiengeschäfts in Hongkong hob die Stimmung für die Aktie auch in Europa und kam zudem bei Analysten gut an - die Experten von Goldman Sachs etwa sehen nun mehr Kurspotenzial.
Eine Kurszielanhebung der HSBC schob die Aktien des italienischen Versorgers Enel um mehr als zwei Prozent an. Analyst Adam Dickens sieht inzwischen allerdings nur noch begrenztes Aufwärtschancen für den Kurs. Ebenfalls eine Studie brachte auch die Papiere des französischen Autozulieferers Valeo an der Pariser Börse unter Druck, als einer der größten Verlierer im Cac 40 gaben sie zuletzt um 1,80 Prozent nach. Mainfirst-Analyst Analyst Pierre-Yves Quemener hält die Konsensschätzungen am Markt für immer noch zu hoch.
In London rutschten die Anteile an der Supermarktkette J Sainsbury mit rund 1,60 Prozent Minus ab - das Unternehmen hatte zuvor für das erste Geschäftsquartal einen Umsatzrückgang ausgewiesen. Eine bekräftigte Jahresprognose ließ dagegen die Aktien des Einzelhändlers JD Sports Fashion um fast drei Prozent klettern./tav/fba
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