NVIDIA-Aktie so billig wie seit 2019 nicht mehr: BofA-Analyst sieht Kaufchance
Während der Chipsektor kürzlich noch neue Höchststände feierte, hinkt NVIDIA hinterher - und genau darin sieht ein einflussreicher Analyst der Bank of America jetzt eine Kaufchance.
Werte in diesem Artikel
- NVIDIA so günstig bewertet wie seit 2019 nicht mehr
- Bank of America bekräftigt die Kaufempfehlung für die NVIDIA-Aktie erneut
- China könnte ausgewählten Konzernen Kauf von H200-Chips erlauben
Vivek Arya, Halbleiteranalyst der Bank of America, hat in dieser Woche seine Kaufempfehlung für die NVIDIA-Aktie bekräftigt und sein Kursziel von 350 US-Dollar bestätigt. Der Zeitpunkt ist bemerkenswert: NVIDIA ist derzeit laut MarketWatch mit dem rund 19-Fachen der für die kommenden zwölf Monate erwarteten Gewinne so günstig bewertet wie seit Anfang 2019 nicht mehr. Für Analyst Arya ist das jedoch kein Zeichen schwacher Aussichten, sondern eine Kaufgelegenheit bei einem Wachstumswert, dessen Gewinnschätzungen zuletzt sogar gestiegen sind.
Bewertung auf dem niedrigsten Stand seit sieben Jahren
Der Kursrückgang seit dem Rekordhoch vom 14. Mai 2026 hat NVIDIA von der breiten Rally im Halbleitersektor abgekoppelt. Speicherchip-Hersteller wie Micron profitierten derweil von der Angebotsknappheit bei Hochleistungsspeicher, während auch AMD und Intel in diesem Jahr deutlich zulegen konnten. Bei der NVIDIA-Aktie ist an der NASDAQ daneben seit Jahresbeginn bislang nur ein eher mageres Plus von rund 9,5 Prozent aufgelaufen. An NVIDIAs operativer Substanz ändert das aber nichts: Für das im Januar 2027 endende Geschäftsjahr rechnet der Analysten-Konsens laut Bloomberg mit einem Gewinnsprung auf rund 228 Milliarden US-Dollar bei einem Umsatz von 393 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 90 beziehungsweise 82 Prozent. Die Gewinnschätzungen wurden in den vergangenen drei Monaten sogar nochmals angehoben.
Vier Sorgen, eine klare Absage
Bank of America-Experte Arya benannte nun laut Yahoo Finance vier Punkte, die Anleger derzeit umtreiben: den Kostendruck durch steigende Speicherpreise, die Konkurrenz durch kundenspezifische Chips (ASICs), eine aus seiner Sicht überfüllte Positionierung im Handel und Zweifel an der Kapitalverwendung durch Lieferantenfinanzierung statt stärkerer Aktienrückkäufe. Alle vier Sorgen hält er für überzogen. Beim Preisdruck verwies er auf NVIDIAs Verhandlungsmacht und Skaleneffekte. Bei der ASIC-Konkurrenz durch Anbieter wie Broadcom und Marvell argumentiert Arya laut MarketWatch, diese Chips gebe es bereits seit Jahren und der Umsatz von NVIDIA habe sich dennoch seitdem nach eigener Berechnung ungefähr versiebenhundertfacht.
Lichtblick aus China
Am Mittwoch kam eine weitere positive Nachricht für NVIDIA hinzu, die die Argumentation stützen dürfte: Wie Reuters unter Berufung auf das Onlineportal The Information berichtet, plant China offenbar, ausgewählten heimischen KI-Konzernen den Kauf einer begrenzten Zahl von NVIDIAs H200-Chips zu erlauben. Behörden hätten Alibaba, ByteDance und DeepSeek in den vergangenen Wochen signalisiert, dass eine Genehmigung bevorstehen könnte. Eine offizielle Bestätigung aus Peking oder von NVIDIA selbst steht noch aus. Die US-Regierung hatte den Verkauf von H200-Chips nach China bereits grundsätzlich freigegeben und rund zehn chinesischen Firmen eine Lizenz erteilt, doch die chinesischen Behörden zögerten bislang mit der eigenen Freigabe, um heimische Anbieter zu stärken. Die genaue Stückzahl ist laut dem Bericht noch offen, dürfte aber unter 200.000 Chips liegen und damit deutlich unter dem, was die betroffenen Unternehmen ursprünglich angefragt hatten.
Rückenwind von anderen Experten
Arya steht mit seiner positiven Einschätzung der NVIDIA-Aktie indes nicht allein da. Auch Jessica Inskip, Strategin bei StockBrokers.com, sagte gegenüber Yahoo Finance, dass das aktuelle Niveau der NVIDIA-Aktie eine "großartige Kaufgelegenheit" darstelle. "Ich denke, NVIDIA ist Teil des Ausbaus der KI-Infrastruktur. Das Unternehmen schafft sich einen Wettbewerbsvorteil, der wie ein Burggraben wirkt. Und da steckt sicherlich noch mehr dahinter. Daher würde ich hier zugreifen", gibt die Nachrichtenseite ihre Einschätzung wieder.
Auch bei TipRanks raten 36 von 37 erfassten Experten zum Kauf der NVIDIA-Aktie. Nur bei einem Analyst lautet die Bewertung auf "Halten".
Wer der Argumentation folgt, geht dennoch reale Risiken ein. Ein Nachlassen der KI-Investitionen bei den großen Cloud-Anbietern träfe NVIDIA besonders hart, da ein erheblicher Teil des Umsatzes von wenigen Großkunden abhängt. Zudem bauen Alphabet und Amazon als wichtige Kunden zunehmend eigene KI-Chips, was NVIDIAs Preissetzungsmacht auf lange Sicht womöglich doch unter Druck setzen könnte.
Am Donnerstag verlor die NVIDIA-Aktie an der NASDAQ 0,66 Prozent auf 202,78 US-Dollar.
Carolin Ludwig, Evelyn Schmal, Thomas Zoller, Redaktion finanzen.net
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