Aktien Frankfurt Ausblick: Zollstreit- und Brexit-Aussichten treiben den Dax
FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Aussicht auf Durchbrüche beim Zollstreit und dem Brexit werden zu Wochenschluss wohl zum vorzeitigen Weihnachtsgeschenk für die Anleger. Gut eine Stunde vor der Eröffnung signalisierte der X-Dax (DAX 30) als Indikator für den deutschen Leitindex ein Plus von 1,4 Prozent auf 13 408 Punkte. Dies wäre ein Hoch seit Januar 2018 und damit eine weitere Annäherung an den damals erreichten Rekord von 13 596 Punkten. Auch der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 (EURO STOXX 50) wird höher erwartet.
Für Auftrieb sorgte zum Einen die Meldung der Nachrichtenagentur Bloomberg, wonach US-Präsident Donald Trump eine Einigung im Handelsstreit unterzeichnet haben soll. Damit könnte die an diesem Sonntag fällige neue Welle von US-Zöllen auf chinesische Waren im Wert von rund 160 Milliarden US-Dollar vermieden werden. China habe im Rahmen des Abkommens zugesichert, mehr US-Agrargüter zu kaufen, berichtete Bloomberg weiter. Die juristischen Dokumente seien noch nicht fertiggestellt, auch wenn die Einigung bestünde.
Hoffnung auf ein Ende der Hängepartie gibt es auch beim Brexit. So zeichnet sich bei der Wahl in Großbritannien ein deutlicher Sieg der Konservativen Partei von Premierminister Boris Johnson ab. Bleibt es nach der Auszählung der Stimmen bei dem Vorsprung, hätte Johnson freie Bahn für seinen Brexit-Deal und könnte Großbritannien wie geplant zum 31. Januar aus der Europäischen Union führen.
"Die Aktienmärkte honorieren die letzten Ereignisse mit deutlichen Kursgewinnen", sagte am Morgen Analyst Christian Schmidt von der Helaba. Laut der Commerzbank zeichnet es sich ab, dass der sogenannte "Phase-1-Deal" im Handelsstreit auch eine potenzielle Verringerung von bestehenden Zöllen beinhaltet. "Für den Markt ist dies sicherlich eine positive Überraschung", sagte am Morgen Hao Zhou von dem Frankfurter Bankhaus. Allgemein könnten konjunkturempfindliche Werte wie etwa der Autosektor davon angetrieben werden.
Auf Unternehmensseite sieht es bei Henkel (Henkel vz) nach einem Freitag, dem 13. aus, wie er im Buche steht. Die Aktien brachen vorbörslich wegen einer Gewinnwarnung und einer darauffolgenden Abstufung durch die Experten von Goldman Sachs um mehr als sechs Prozent ein, dabei zeichnet sich ein Tief seit Ende August ab. Noch-Konzernchef Hans Van Bylen bereitete die Henkel-Investoren auf ein weiteres schwaches Geschäftsjahr vor.
Laut Van Bylen dürften die Ergebnisse 2020 weiter sinken, der Umsatz allenfalls nur geringfügig wachsen. Goldman Sachs-Analyst John Ennis strich daraufhin seine Kaufempfehlung für die Papiere. Die Warnung verdeutliche das unsichere Umfeld in der Industrie, und nach der zuletzt enttäuschenden Geschäftsentwicklung von Henkel dürfte eine Erholung eine Weile brauchen.
Derweil sorgen auch Übernahmen für Bewegung. Delivery Hero geben vorbörslich um mehr als 6 Prozent nach. Der Essenslieferant kauft 87 Prozent des südkoreanischen Unternehmens Woowa, das insgesamt mit vier Milliarden US-Dollar bewertet wird. Beschlossen wurde derweil aber auch eine Kapitalerhöhung.
Deutlich kleiner fällt der Zukauf des SDAX-Unternehmens Jost Werke aus. Der Lkw-Zulieferer JOST Werke hat den schwedischen Hersteller von landwirtschaftlichen Frontladern Ålö Holding für 250 Millionen Euro gekauft. Hier kommt der Schritt bei den Anlegern positiv an, die Titel legen vorbörslich 2,5 Prozent zu./tih/jha/
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