Aktien Frankfurt: Dax gibt zum Wochenschluss leicht nach
FRANKFURT (dpa-AFX) - Am deutschen Aktienmarkt haben die Anleger zum Wochenschluss wieder etwas vorsichtiger agiert. Der Leitindex Dax (DAX 30) machte jedoch im Handelsverlauf am Freitag einen Großteil seiner anfänglichen Verluste wett und büßte bis zum frühen Nachmittag noch 0,45 Prozent auf 10 466,03 Punkte ein. Auf Wochensicht deutet sich damit ein Abschlag von rund 1,5 Prozent an.
Für den MDAX der mittelgroßen Werte ging es am Freitag um 0,69 Prozent auf 22 351,58 Punkte nach unten. Der EuroStoxx 50 (EURO STOXX 50) als Leitindex der Eurozone lag nur leicht im Minus.
Börsianer begründeten die Verluste mit der sich abzeichnenden Erfolglosigkeit des Covid-19-Hoffnungsträgers Remdesivir des Pharmaunternehmens Gilead Sciences. Bei der Behandlung von Patienten in China habe es keine spürbaren Verbesserungen nach der Gabe des Mittels gegeben, meldete die "Financial Times". Die Ergebnisse waren anscheinend unabsichtlich öffentlich geworden und sowohl Gilead als auch die Weltgesundheitsorganisation WHO versuchten Investoren und Öffentlichkeit zu beruhigen.
Erst Ende letzter Woche hätten die vagen Berichte über die Wirksamkeit von Remdesivir im Kampf gegen die Pandemie für sehr hohen Optimismus gesorgt und so die Märkte angetrieben, erinnerte Marktanalyst Neil Wilson vom Handelshaus Marktes.com. Entsprechend hoch sei aber auch das Enttäuschungspotenzial, wie sich nun zeige.
Zudem blickten die Anleger auf das Ifo-Geschäftsklima für Deutschland, das im April weiter fiel auf ein historisches Tief. "Schlimmer geht immer, lautet derzeit das Motto. Allerdings haben wir uns inzwischen daran gewöhnt, dass die Bewegungen der Frühindikatoren um ein bis zwei Größenordnungen heftiger ausfallen als in normalen Zeiten", kommentierte Uwe Burkert, Chefvolkswirt der Landesbank Baden-Württemberg.
Am Dax-Ende knickten die Aktien der Lufthansa um 7,76 Prozent auf 7,20 Euro ein und rutschten damit weiter in Richtung ihres Rekordtiefs vom März 2003 bei 6,80 Euro ab. Der Luftfahrtkonzern hatte kurz vor Handelsschluss am Donnerstag für das erste Quartal einen operativen Verlust von 1,2 Milliarden Euro vermeldet und kann sich nicht mehr aus eigener Kraft aus der Corona-Krise retten. Für das laufende zweite Jahresviertel wird ein noch deutlich höheres Minus erwartet. Vor diesem Hintergrund rissen die negativen Analystenkommentare nicht ab.
In dem trüben Umfeld trennten sich die Anleger europaweit auch von den als sehr konjunktursensibel geltenden Aktien der Finanzinstitute. Hierzulande büßten die Papiere der Deutschen Bank (Deutsche Bank) mehr als vier Prozent und die der Commerzbank fast zwei Prozent ein. Die Ratingagentur Standard & Poor's hatte den Ausblick für die Kreditwürdigkeit vieler Banken gesenkt. Der Konjunktureinbruch werde die Finanzinstitute in den kommenden Quartalen schwer in Mitleidenschaft ziehen, hieß es.
Unter den Favoriten im Nebenwerte-Index SDAX profitierten derweil die Anteilsscheine von Drägerwerk mit einem Plus von gut sechs Prozent von einer Kaufempfehlung der Privatbank Hauck & Aufhäuser. Im Zuge der Corona-Krise dürften die Anleger ihre Meinung über die wichtige Rolle des Unternehmens als Zulieferer von Gesundheits-Infrastruktur geändert haben, schrieb Analyst Aliaksandr Halitsa. Beispiellose Nachfrage treibe Umsätze und Gewinne in den kommenden Jahren.
Der Eurokurs notierte zuletzt bei 1,0798 US-Dollar. Der Dollar kostete damit 0,9261 Euro. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Donnerstag auf 1,0772 (Mittwoch: 1,0867) Dollar festgesetzt. Der Dollar hatte damit 0,9283 (0,9202) Euro gekostet.
Am deutschen Anleihemarkt stieg der Rentenindex Rex (REX Gesamt Kursindex) um 0,18 Prozent auf 144,70 Punkte. Die Umlaufrendite fiel im Gegenzug von minus 0,42 Prozent am Vortag auf minus 0,46 Prozent. Der Bund Future notierte mit plus 0,15 Prozent bei 172,62 Zählern./la/jha/
--- Von Lutz Alexander, dpa-AFX ---