Aktien Frankfurt: Dax grenzt Minus ein - Rekordtief beim Ifo-Index schockt nicht
FRANKFURT (dpa-AFX) - Am deutschen Aktienmarkt hat sich die Stimmung zum Wochenschluss wieder eingetrübt. Der Leitindex Dax (DAX 30) machte jedoch im Handelsverlauf am Freitag einen Teil seiner anfänglichen Verluste von rund 2 Prozent wett und gab bis zum Mittag noch um 0,88 Prozent auf 10 421,30 Punkte nach. Auf Wochensicht deutet sich damit ein Abschlag von rund 2 Prozent an.
Für den MDAX der mittelgroßen Werte ging es am Freitag um 0,94 Prozent auf 22 295,86 Punkte nach unten. Der EuroStoxx 50 (EURO STOXX 50) als Leitindex der Eurozone verlor 0,9 Prozent.
Börsianer begründeten die Verluste mit der sich abzeichnenden Erfolglosigkeit des Covid-19-Hoffnungsträgers Remdesivir von Gilead Sciences. Bei der Behandlung von Patienten in China habe es keine spürbaren Verbesserungen nach der Gabe des Mittels gegeben, meldete die "Financial Times". Die Ergebnisse waren anscheinend unabsichtlich öffentlich geworden und sowohl Gilead als auch die Weltgesundheitsorganisation WHO versuchten Investoren und Öffentlichkeit zu beruhigen, was ihnen aber nicht gelang.
Erst Ende letzter Woche hätten die vagen Berichte über die Wirksamkeit von Remdesivir im Kampf gegen die Pandemie für sehr hohen Optimismus gesorgt und so die Märkte angetrieben, erinnerte Marktanalyst Neil Wilson vom Handelshaus Marktes.com. Entsprechend hoch sei aber auch das Enttäuschungspotenzial, wie sich nun zeige.
Zudem blickten die Anleger auf das Ifo-Geschäftsklima für Deutschland, das im April weiter fiel auf ein historisches Tief. "Schlimmer geht immer, lautet derzeit das Motto. Allerdings haben wir uns inzwischen daran gewöhnt, dass die Bewegungen der Frühindikatoren um ein bis zwei Größenordnungen heftiger ausfallen als in normalen Zeiten", kommentierte Uwe Burkert, Chefvolkswirt der Landesbank Baden-Württemberg.
Am Dax-Ende sackten die Aktien der Lufthansa um 6,87 Prozent auf 7,27 Euro ab und rutschten damit weiter in Richtung ihres Rekordtiefs vom März 2003 bei 6,80 Euro ab. Der Luftfahrtkonzern hatte kurz vor Handelsschluss am Donnerstag für das erste Quartal einen operativen Verlust von 1,2 Milliarden Euro vermeldet und kann sich nicht mehr aus eigener Kraft aus der Corona-Krise retten. Für das laufende zweite Jahresviertel wird ein noch deutlich höheres Minus erwartet. Vor diesem Hintergrund rissen die negativen Analystenkommentare nicht ab.
In dem trüben Umfeld trennten sich die Anleger europaweit auch von den als sehr konjunktursensibel geltenden Aktien der Finanzinstitute. Hierzulande büßten die Papiere der Deutschen Bank (Deutsche Bank) knapp fünf Prozent und die der Commerzbank rund drei Prozent ein. Die Ratingagentur Standard & Poor's hatte den Ausblick für die Kreditwürdigkeit vieler Banken gesenkt.
Die Anteilsscheine des Chipherstellers Infineon notierten fast zwei Prozent tiefer. Hier belastete insbesondere ein enttäuschender Gewinnausblick des Chip-Riesen Intel. Die Amerikaner befürchten für das zweite Halbjahr schlechtere Geschäfte durch einen Sparkurs von Unternehmen und Behörden.
Unter den Favoriten im Nebenwerte-Index SDAX profitierten derweil die Anteilsscheine von Drägerwerk mit einem Plus von rund vier Prozent von einer Kaufempfehlung der Privatbank Hauck & Aufhäuser. Im Zuge der Corona-Krise dürften die Anleger ihre Meinung über die wichtige Rolle des Unternehmens als Zulieferer von Gesundheits-Infrastruktur geändert haben, schrieb Analyst Aliaksandr Halitsa. Beispiellose Nachfrage treibe Umsätze und Gewinne in den kommenden Jahren./la/mis
--- Von Lutz Alexander, dpa-AFX ---
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