Aktien Frankfurt: Dax rutscht ab
FRANKFURT (dpa-AFX) - Nach dem Scheitern an der 10 700-Punkte-Marke ist der Dax (DAX 30) am Montag deutlich abgerutscht. Am frühen Nachmittag verlor der deutsche Leitindex 1,45 Prozent auf 10 472,01 Punkte.
Laut Marktanalyst Craig Erlam vom Broker Oanda scheint sich mit dem neuerlichen Rutsch die Skepsis zum Start der Berichtssaison durchzusetzen. Nach zuletzt starker Erholung sollten die Gewinnmitnahmen im grundsätzlich weiter unsicheren Umfeld der Corona-Krise nicht allzu sehr überraschen. In der Vorwoche war der Dax im Zuge einer Erholung noch bis auf 10 820 Punkte gestiegen, dann schwanden die Auftriebskräfte.
Für den MDAX der mittelgroßen Werte ging es am Montag um 0,56 Prozent auf 22 230,84 Punkte nach unten. Der EuroStoxx 50 (EURO STOXX 50) als Leitindex der Eurozone verlor 1,3 Prozent.
In Deutschland sind erstmals etwas breitere Lockerungen der Corona-Restriktionen in Kraft getreten, womit laut dem charttechnischen Analysten Marcel Mußler nun ein neues Stadium der Krise beginnt, das aus seiner Sicht nicht ohne Risiko ist. Ob und welche Auswirkungen das auf die Zahl der Neuinfektionen haben werde, sei derzeit nicht zu sagen. Bisher hätten sich die Aktienmärkte auf die Lockerungen gefreut, doch inwiefern sie jetzt auch diese Risiken berücksichtigten, bleibe abzuwarten, schrieb er in seinem täglichen Börsenbrief.
Bevor hierzulande die Berichtssaison mit Zahlen des Softwarekonzerns SAP (SAP SE) so richtig an diesem Dienstag losgeht, ist es unternehmensseitig zum Wochenauftakt noch recht ruhig. SAP-Aktien gaben am Nachmittag um 1,8 Prozent nach.
Vermeintlich defensive Aktien aus dem Gesundheits- und Versicherungssektor waren europaweit weit vorne. FMC (Fresenius Medical Care) legten an der Dax-Spitze um gut eineinhalb Prozent zu. Munich Re (Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft) gewannen 1,3 Prozent.
Starke Auftragszahlen von Philips beflügelten insbesondere Aktien aus der Medizintechnikbranche. Im MDAX legten Siemens Healthineers um drei Prozent zu. Für die Titel des Laborausrüsters Sartorius (Sartorius vz) ging es um 3,7 Prozent hinauf. Im SDAX gewannen Drägerwerk dreieinhalb Prozent.
Der Autobauer Daimler fährt nach dem Produktionsstillstand wegen der Corona-Pandemie seine Werke wieder hoch. Den Papieren half das nichts, sie verloren als Dax-Schlusslicht mit 3,9 Prozent auch mehr als BMW und Volkswagen (Volkswagen (VW) vz). Die Quartalsergebnisse von Volkswagen, die in der Berichtssaison am Freitag den Vorreiter gemacht hatten, stufte Deutsche-Bank-Experte Tim Rokossa in einer aktuellen Bestandsaufnahme als recht ordentlich ein. Liquiditätssorgen seien nicht genährt worden. Gewisse Sorgen macht er sich einzig um Daimler.
Dem Elektronikhändler Ceconomy (Ceconomy St) brockte die Schließung einer Vielzahl von Läden im Zuge der Pandemie im zweiten Geschäftsquartal einen Verlust ein. Mit Einsparungen will das Unternehmen gegensteuern. Eine bei der staatlichen Förderbank KfW beantragte Kreditlinie soll die Liquidität sichern. Am Montag schwankten die im SDax notierten Ceconomy-Anteile stark, zuletzt sanken sie um mehr als drei Prozent. Die Commerzbank hatte die Papiere zudem auf "Reduce" abgestuft.
Die Erholungsrally der Aktien von Hypoport (Hypoport SE) nahm mit in der Spitze 357 Euro Fahrt auf. Die Papiere des Finanzdienstleisters steuerten damit zeitweise auf ihr Vorkrisen-Rekordniveau von 386,50 Euro zu. Zuletzt verteuerten sie sich um gut sechs Prozent auf 343,50 Euro.
Der Euro fand keine klare Richtung. Die europäische Gemeinschaftswährung kostete im Nachmittagshandel 1,0854 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuletzt am Freitag auf 1,0860 (Donnerstag: 1,0888) Dollar festgesetzt.
Am deutschen Anleihemarkt stieg der Rentenindex Rex (REX Gesamt Kursindex) um 0,09 Prozent auf 144,96 Punkte. Die Umlaufrendite sank im Gegenzug von minus 0,47 Prozent am Freitag auf minus 0,48 Prozent. Der Bund Future notierte mit minus 0,09 Prozent bei 172,54 Zählern./ajx/jha/
--- Von Achim Jüngling, dpa-AFX ---