Aktien von Rheinmetall, HENSOLDT, RENK und TKMS erholt: Das sagen Analysten über das Kurspotenzial
Während die Rheinmetall-Aktie zuletzt unter Druck stand, bleiben Analysten für den gesamten deutschen Rüstungssektor überwiegend zuversichtlich.
Werte in diesem Artikel
- Expertenstimmen zum deutschen Rüstungssektor im Blick
- Aktien von Rheinmetall, HENSOLDT, RENK und TKMS erhalten überwiegend Kaufsignale
- Kursziele für alle vier Rüstungswerte liegen deutlich über dem aktuellen Kurs
Die Rheinmetall-Aktie setzte ihre Talfahrt am Freitag via XETRA fort und verlor im Handelsverlauf letztlich 3,38 Prozent auf 1.034,00 Euro, obwohl die kanadische Tochtergesellschaft des Konzerns zeitgleich einen neuen Auftrag der US-Marine an Land zog. Rheinmetall Canada liefert dabei Ersatzteile für mobile Bodenstartgeräte des Typs MSU-200NAV, mit denen die US-Navy Flugzeugtriebwerke an Land und an Bord von Schiffen startet. Der Auftragswert liegt im einstelligen Millionenbereich, die Auslieferung ist bis Ende 2028 vorgesehen. Wie TipRanks berichtet, bleibt die Analystenseite trotz der schwachen Kursentwicklung mehrheitlich konstruktiv gestimmt, was die Diskrepanz zwischen operativem Fortschritt und Börsenreaktion zusätzlich unterstreicht. Auch die Aktien von HENSOLDT, RENK und TKMS gerieten am Freitag unter Druck und bewegten sich allesamt tiefer.
Am heutigen Montag folgt nun teilweise die Gegenbewegung: Die Rheinmetall-Aktie verliert via XETRA zeitweise 0,87 Prozent auf 1.025,00 Euro, die Anteilsscheine von RENK verlieren jedoch um 0,68 Prozent auf 42,87 Euro. Unterdessen verteuern sich HENSOLDT-Aktien um 0,93 Prozent auf 80,44 Euro. Die TKMS-Aktie weist zeitweise ein Plus von 0,6 Prozent auf 83,70 Euro auf.
Lieferverzögerungen und Qualitätszweifel belasten den ganzen Sektor
Der eigentliche Grund für die Kursschwäche lag abseits der Einzelmeldung: Bundeswehr und Beschaffungsamt hatten bereits vor einer Woche Verzögerungen bei wichtigen Rüstungsprojekten bemängelt, zusätzlich kursierten erneut Berichte über mögliche Qualitätsmängel bei Schutzplatten aus dem Rheinmetall-Konzernkreis. Daraufhin verlor die Aktie deshalb deutlich und setzte ihre Kursschwäche auch an den Folgetagen fast uneingeschränkt fort. Dabei gerieten auch die Wettbewerber unter Druck, weil Anleger ähnliche Zweifel an Fertigungsqualität und Termintreue auch bei ihnen nicht ausschließen wollten.
Rheinmetall-Aktie: Analysten bleiben mehrheitlich bei Kaufen
Nichtsdestotrotz bleiben Analysten weiterhin optimistisch für die Aktie von Rheinmetall. So empfehlen zwölf der 14 von TipRanks erfassten Analysten das Papier weiterhin zum Kauf, lediglich zwei Stimmen lautet auf Halten. Das mittlere Kursziel liegt laut der Plattform bei rund 1.678 Euro, die Spanne reicht von 1.350 bis 2.300 Euro. Gegenüber dem letzten Schlusskurs entspricht das einem Aufwärtspotenzial von 50,1 Prozent. Zu den jüngsten Stimmen zählen Deutsche Bank mit einem unveränderten Kursziel von 1.800 Euro und einer Kaufempfehlung, während JPMorgan mit 1.350 Euro und einer Halteeinstufung skeptischer bleibt. Jefferies und RBC Capital sehen die Aktie ebenfalls bei Kaufen, mit Kurszielen von 1.350 beziehungsweise 1.600 Euro. Am oberen Ende der Spanne positioniert sich Goldman Sachs mit einem Kursziel von 2.300 Euro.
HENSOLDT-Aktie: Analysten uneiniger als bei Rheinmetall
Bei HENSOLDT fällt das Bild laut TipRanks gemischter aus als bei Rheinmetall: Von sechs aktiven Analysten raten vier zum Kauf, zwei zum Halten, eine Verkaufsempfehlung liegt aktuell nicht vor. Das mittlere Kursziel beziffert die Plattform auf 99,8 Euro, mit einer Spanne von 91 bis 105 Euro. Deutsche Bank hob ihr Kursziel zuletzt auf 105 Euro an und bestätigte die Kaufempfehlung, während Jefferies die Einstufung von Kaufen auf Halten senkte und das Kursziel auf 98 Euro anpasste. JPMorgan bleibt mit einem Kursziel von 100 Euro bei Halten. Cantor Fitzgerald und Warburg Research zählen mit Kurszielen von 105 beziehungsweise 91 Euro zu den optimistischeren Stimmen. Die Bandbreite der Einschätzungen spiegelt damit die Unsicherheit wider, die HENSOLDT im Vergleich zu den anderen drei Werten aktuell umgibt.
RENK-Aktie: Analysten geschlossen auf Kaufen
Bei RENK zeigt sich laut TipRanks das geschlossenste Bild aller vier Werte: Alle sieben in den vergangenen drei Monaten aktiven Analysten empfehlen die Aktie zum Kauf, eine Halte- oder Verkaufsempfehlung liegt nicht vor. Das mittlere Kursziel liegt bei rund 67 Euro, die Spanne reicht von 60 bis 75 Euro. JPMorgan bestätigte zuletzt ein Kursziel von 75 Euro, Deutsche Bank sieht die Aktie bei 73 Euro und auch Warburg Research bleibt mit 63 Euro bei Kaufen. Barclays nahm die Coverage neu mit einem Kursziel von 60 Euro und einer Kaufempfehlung auf. Selbst DZ BANK, die traditionell zurückhaltender bewertet, bestätigte zuletzt ihre Kaufeinstufung für RENK. Die durchgängig positive Analystenlage unterscheidet RENK damit deutlich von der gemischteren Einschätzung bei HENSOLDT.
TKMS-Aktie: Kleine Analystenbasis, aber überwiegend optimistisch
Für TKMS liegt laut TipRanks bislang nur eine kleine Zahl an Einschätzungen vor: Drei Analysten haben sich in den vergangenen drei Monaten geäußert, zwei empfehlen die Aktie zum Kauf, eine Stimme lautet auf Verkaufen. Das mittlere Kursziel beziffert die Plattform auf 104,5 Euro, mit einer breiten Spanne von 66 bis 125 Euro. Bernstein hob ihr Kursziel zuletzt deutlich von 76 auf 125 Euro an und stufte die Aktie auf Kaufen hoch, Deutsche Bank erhöhte ihr Kursziel auf 112 Euro und bestätigte die Kaufempfehlung. Bankhaus Metzler sieht TKMS bei 115 Euro, ebenfalls mit Kaufeinstufung. Dem gegenüber steht Kepler Capital mit einem deutlich niedrigeren Kursziel von 66 Euro und einer Verkaufsempfehlung, was die noch junge und uneinheitliche Analystenhistorie der erst kürzlich verselbstständigten Marinesparte widerspiegelt.
Für die weitere Kursentwicklung der vier Rüstungswerte bleibt entscheidend, ob sich die Zweifel an Fertigungsqualität und Termintreue in den kommenden Wochen bestätigen oder ausräumen lassen. Die kommenden Wochen und insbesondere neue Stellungnahmen von Bundeswehr und Beschaffungsamt dürften daher zeigen, ob sich das mehrheitlich konstruktive Bild der Analysten mit der tatsächlichen operativen Entwicklung deckt.
Bettina Schneider, Martina Köhler, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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Bildquellen: Oliver Hoffmann / Shutterstock.com, HENSOLDT
